Darum gehts
- Schweizer Automarkt seit Pandemie rückläufig, 2025 tiefster Stand seit 25 Jahren
- Amag steigert Marktanteil auf 32,1 Prozent trotz sinkender Verkaufszahlen bei Audi
- 2026-Prognose: 240'000 Neuwagen, weiterhin Unsicherheit durch Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Vor zehn Jahren war die Schweizer Autowelt noch in Ordnung. Teslas waren noch keine Bestseller, chinesische Marken nur Randnotizen. Jedes Jahr kauften die Schweizerinnen und Schweizer rund 300'000 Neuwagen. Doch mit und seit der Corona-Pandemie gings im Schweizer Automarkt abwärts. Im vergangenen Jahr wurden nur 233'737 Neuwagen abgesetzt – ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der tiefste Stand seit 25 Jahren.
Zweitbester Marktanteil der Amag-Geschichte
Die Amag als grösster Schweizer Autoimporteur mit ihren Marken Audi, Cupra, Seat, Skoda, VW und VW Nutzfahrzeuge zieht dennoch ein positives Fazit. Im sinkenden Markt schaffte sie 2025 mit 32,1 Prozent den zweitbesten Marktanteil ihrer Geschichte bei insgesamt gestiegenen Verkaufszahlen. Zwar gings bei Audi um 4,2 Prozent auf absolut 17'225 Fahrzeuge zurück. Aber Zuwächse bei den übrigen Marken sorgten für 2,9 Prozent mehr Verkäufe und insgesamt 75'026 verkaufte Personenwagen. Hinzu kommen noch 7026 VW-Nutzfahrzeuge und in den Amag-eigenen Händlerbetrieben 1491 Porsche und 28 Bentleys.
Wie im letzten Jahr liegt VW (+6,4%, 25'607 Fahrzeuge) im Markenranking schweizweit vorn, neu schiebt sich Skoda (+5,6%, 22'290) auf Platz zwei. Mit rund 7500 Mitarbeitenden und ungefähr 800 Lernenden erwirtschaftete die Amag einen Umsatz von rund 5,0 Milliarden Franken. Und der Gewinn? Den muss sie als Unternehmen in Familienbesitz nicht kommunizieren.
Aus Sicht von Amag-CEO Helmut Ruhl zieht der Markt für Steckerfahrzeuge, also rein elektrische Autos und Plug-in-Hybride, wieder an. Aber er bleibt mit 34 Prozent Anteil noch immer hinter den Erwartungen und dem vom Bund gesetzten Ziel von 50 Prozent Anteil an den Neufahrzeugen zurück: «Es fehlt vor allem in den Städten eine öffentliche Ladeinfrastruktur», so Ruhl: «In London kommen auf 10'000 Einwohner 28 Ladestellen, in Oslo 46 – und in Zürich nur 16.» Vor allem die 70 Prozent Mieterinnen und Mieter in der Schweiz seien auf öffentliche Ladestationen angewiesen.
Automarkt würde sich 2026 minimal erholen
Zudem kritisiert Ruhl die seitens des Bundes geplante Besteuerung des Ladestroms. Bliebe es bei den Plänen, käme ab 2030 bei einem angenommenen Literpreis von zwei Franken eine Batterieladung den PW-Nutzer teurer als eine vergleichbare Tankfüllung: «Wie kann ich heute einem Kunden zum Elektrofahrzeug raten, wenn bereits klar ist, dass er in vier Jahren fürs Laden mehr als fürs Tanken zahlen wird?», so Ruhl. Mit seinen derzeitigen Vorgaben bremse der Bund die Elektromobilität noch weiter aus, statt sie anzukurbeln.
Dazu rechnet die Amag auch 2026 mit einem weiterhin kriselnden Automarkt in der Schweiz: Rund 240'000 verkaufte Fahrzeuge prognostiziert Ruhl, einen minimaler Anstieg gegenüber 2025. Grund für die zurückhaltende Kauflaune seien die volkswirtschaftlichen Gesamtaussichten und der generelle Druck auf dem Arbeitsmarkt.