Darum gehts
- Die grösste Schweizer Autobranchen-Tagung 2026 diskutiert Zukunftsstrategien im Berner Kursaal
- Studie zeigt: 78 Prozent der Gen Z wollen bis 2035 ein Auto kaufen
- Kostenbelastung bleibt Herausforderung, Appell für höhere Stundensätze von Garagist Luca Jaquet
Stille stand am Anfang der Diskussionen und Referate: Zu Beginn der grössten Fachtagung der Schweizer Autobranche (AGVS) gab es eine Schweigeminute für die Opfer von Crans-Montana VS. Danach widmete sich der 20. «Tag der Schweizer Garagen» im Berner Kursaal mit fast 900 Gästen jedoch seinem Tagesthema: Wohin geht die Reise für die Schweizer Garagen?
Denn 2025 war kein leichtes Jahr für Garagen: Der Absatz stagniert, Margen sinken, E-Mobilität und Digitalisierung sind hürdenreich. 2026 werde fordernd, aber biete Chancen, falls Garagen sich dem Wandel nicht verschlössen, sagte dazu AGVS-Zentralpräsident Manfred Wellauer. Dem stimmte Astra-Direktor Jürg Röthlisberger in seiner Gastrede zu: «Wer Mobilität gestalten will, muss sich bewegen. Genau dies tut das Autogewerbe!»
Doch was bringt die Zukunft? Dazu spannt der AGVS auch mit der Wissenschaft zusammen – in der Studie «Garage 2035» der Uni St. Gallen. Resultat: Die junge Gen Z tickt entgegen Unkenrufen beim Auto nicht anders: 78 Prozent wollen bis 2035 ein (gerne elektrisches) Auto kaufen. Es bleibe für die individuelle Mobilität unverzichtbar. Zwar würden in der Garage künftig digitale Abläufe erwartet, doch blieben bester Service (z.B. Hol- und Bringservice) und persönliche Beratung wichtig.
Garagen leiden unter Kosten
Die Krux: Solche Leistungen kosten Geld. Und obwohl auch sonst alles teurer wird, stehen Garagen dafür oft in der Kritik und verzichten deshalb häufig, ihre Stundensätze zu erhöhen oder Gratisleistungen zu verrechnen. In einem feurigen Appell forderte der Garagist Luca Jaquet aus Beringen SH zur Kostenwahrheit auf: «Wir müssen selbstbewusster sein», so Jaquet. Gute Arbeit dürfe, ja müsse etwas kosten, sonst gerieten gerade engagierte Garagen ins Trudeln.
Entspannung scheint beim Nachwuchsmangel in Sicht: Die Autoberufe ziehen wieder. Vielleicht auch dank des Goldregens: 2024 holte Sophie Schumacher Berufs-WM-Gold. Eventgast Alina Knüsel, ebenfalls Nutzfahrzeug-Mechatronikerin, tat es ihr 2025 an den EuroSkills gleich. Eher angespannt bleibt die Lage bei E-Occasionen: Deren Verkauf hakt. AGVS-Geschäftsführer Christian Wyssmann enthüllte darum die Branchenkampagne «Fahr mit dem Strom». Sie soll Vorurteile abbauen. Setzt das Autogewerbe auf Strom oder Sprit? Die E-Mobilität sei da und lasse sich nicht wegdiskutieren, so Wyssmann. Und AGVS-Zentralpräsident Manfred Wellauer ergänzte: «Die Zukunft besteht darin, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.»