Designelement als Todesfalle
China verbietet versenkbare Türgriffe – gilt dies bald auch bei uns?

Grund sind tödliche Unfälle, bei denen Helfer Türen nicht öffnen konnten. Neuwagen brauchen mechanische Griffe, bereits zugelassene Autos müssen bis 2029 nachrüsten.
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Die chinesischen Behörden verbieten ab 2027 versenkbare Türgriffe wie hier beim Tesla Model Y.
Foto: AFP

Darum gehts

  • China verbietet ab 2027 versenkbare Autotürgriffe bei Neuwagen
  • Bereits zugelassene Autos müssen bis 2029 umgerüstet werden
  • Elektronische Griffe versagten mehrfach nach Unfällen, Todesfälle in Teslas und Xiaomis
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Gabriel KnupferRedaktor News

Immer wieder sorgen tödliche Unfälle mit Autotüren, die sich nicht öffnen lassen, in den Medien für Aufsehen. So verbrannten im September 2025 drei Insassen eines Tesla in Deutschland, weil Helfer nach einem Crash die Türen nicht öffnen konnten.

Auch in China starben letztes Jahr bei ähnlichen Vorfällen mehrere Menschen – dort waren es zuletzt zweimal E-Autos von Xiaomi, die in Brand gerieten. Die elektronischen Türgriffe fuhren nicht aus, weil sie nach dem Crash keinen Strom mehr erhielten.

Ab 2027 ist Schluss

Darauf reagieren jetzt die chinesischen Behörden: Sie haben eine neue Norm für die Sicherheit von Autotürgriffen erlassen. Unter anderem verbietet diese ab 2027 versenkbare Autotürgriffe bei Neuwagen. Und: Bereits zugelassene Autos müssen bis 2029 umgerüstet werden.

Die Norm regelt ausdrücklich die mechanischen Auslösevorrichtungen für Türgriffe – sowohl innen als auch aussen. Türen müssen sich demnach von beiden Seiten mechanisch und ohne Werkzeug öffnen lassen.

Damit leiste die Norm einen wichtigen technischen Beitrag zur hochwertigen Entwicklung der chinesischen Autoindustrie, so die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Denn die versenkbaren Türgriffe, die vor allem durch Tesla bekannt wurden, sind in China besonders beliebt.

«Ein ziemlich schicker Türgriff»

Vor allem Stromer verfügen über die neuen Griffe. Versenkbare Griffe würden die Aerodynamik verbessern, so die Autohersteller. Doch mindestens ebenso wichtig ist die Optik, wie Tesla-Chef Elon Musk (54) zugibt.

«Das ist ein ziemlich schicker Türgriff, bei dem es in der Vergangenheit gelegentlich zu Fehlfunktionen des Sensors kam», sagte Musk 2025 gegenüber dem Sender Bloomberg. «Doch wir haben das Problem an der Wurzel gepackt, sodass die Vorfälle mit dem Türgriff nun praktisch auf Null gesunken sind.»

Viele Hersteller betroffen

Doch trotz dieser Beteuerungen riss die Unfallserie nicht ab. Alle Teslas haben zwar eine mechanische Notöffnung im Innern. Doch diese ist nicht immer sehr offensichtlich und wird im Notfall leicht vergessen. Die chinesische Norm schreibt nun vor, dass mindestens ein Innengriff für die Insassen gut sichtbar und innerhalb eines vorgeschriebenen Abstands vom Türrand sein muss.

Betroffen von der Norm sind diverse Marken: Neben Tesla nutzen etwa auch VW, Mercedes, BMW, Porsche, Audi, Range Rover und Kia versenkbare Griffe. Die grosse Frage ist nun, ob auch die Regulatoren in Nordamerika und Europa ähnliche Regeln wie China erlassen werden.

Verbot müsste von EU beschlossen werden

Die Möglichkeit besteht: Die US-Behörde für Fahrzeugsicherheit (NHTSA) untersucht aktuell die Griffe von Tesla. Die Schweiz übernimmt üblicherweise bei den Vorschriften über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) die Vorschriften der EU. «Ein solches Verbot oder eine Norm müsste auf EU-Ebene beschlossen werden», sagt TCS-Experte Erich Schwizer.

Allerdings ist für Schwizer klar, dass ein Verbot von eingelassenen Türgriffen allein nicht alle Probleme löst. «Es kommt oft vor, dass die Türen nach einem Unfall so stark verklemmt sind, dass man sie nicht öffnen kann, egal wie stark jemand am Griff zieht.»

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