Unterwegs im 70 Jahre alten Porsche 356 A Speedster
Grosse Träume altern nicht

Porsches Sportwagen-Geschichte geht bis in die späten 1940er-Jahre zurück. Damals kam der 356 als erstes echtes Sportmodell auf den Markt. Blick durfte sich hinters Steuer eines 356 A aus dem Jahre 1956 setzen – und erlebt eine Reise in die Vergangenheit.
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Ferry Porsche (Mitte) und sein Vater Ferdinand Porsche (rechts) 1948 vor dem 356 Nr. 1 in Gmünd.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Porsche 356 A von 1956: 2910 Stück wurden als Coupé, Cabrio und Speedster gebaut
  • Luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor, 60 PS, nur 760 Kilogramm schwer
  • Preis für seltene Speedster liegen heute bei rund 400'000 Franken
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Lorenzo FulviRedaktor Auto&Mobilität

1948 war das Geburtsjahr des ersten Porsche-Sportwagens: dem Prototyp 356 «Nr. 1». Ferry Porsche (1909–1998), Sohn des Gründers Ferdinand Porsche (1875–1951), entwickelte den Roadster mit Alukarosserie und Mittelmotor. In Serie ging das Fahrzeug dann allerdings mit geändertem Rahmen und mit Heckmotor. Bis 1950 wurden in Gmünd in Kärnten (A) nur rund 50 Exemplare dieser ersten 356er gebaut.

Danach wechselte die Produktion nach Stuttgart (D), wo ab Herbst 1955 der Nachfolger 356 A vom Band rollte. Er gilt als eigentlicher Klassiker der Baureihe, der als Coupé, Cabrio oder Speedster exakt 2910 Mal die süddeutschen Werkshallen verliess.

Cockpit ohne Schnickschnack

Für uns geht an diesem warmen Sommermorgen im britischen Goodwood ein Kindheitstraum in Erfüllung: Das Porsche Museum stellt uns im Rahmen des Festival of Speed einen besonders raren Speedster für eine Ausfahrt über die südenglischen Landstrassen zur Verfügung.

Kaum im knallroten Speedster mit Baujahr 1956 Platz genommen, fällt uns prompt der erste Unterschied zum Vorgänger auf. Hatte die erste Generation noch eine durchgehende Sitzbank und nur auf Wunsch zwei Einzelsitze, sind im 356 A die Einzelsitze serienmässig montiert. Sie passen hervorragend zum puristischen Innenleben des 70-jährigen Sportwagens. Drei Messinstrumente hinter dem Holzlenkrad, ein paar wenige Schalter – das Cockpit ist aufs Wesentliche reduziert.

Wer meint, Porsche hätte aus Kostengründen auf jeglichen Schnickschnack der damaligen Zeit verzichtet, der irrt. Der Sportwagenbauer wollte einfach Gewicht sparen und den 356er so leicht wie möglich bauen. Deshalb sitzt hinter uns auch ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor und kein leistungsstärkerer, wassergekühlter Motor. So mussten die Ingenieure bei der Luftkühlung nicht auf den Kühllufteinlass im Bug Rücksicht nehmen, was letztlich der Aerodynamik zugutekam.

Kraftakt auf der Bremse

Per Schlüsseldreh rechts neben dem Lenkrad erwecken wir den altehrwürdigen Boxermotor zum Leben – das für Porsche typische Zündschloss auf der linken Seite führte Porsche erst ab 1964 im 911er ein. Auch die Handschaltung bedarf Eingewöhnung: Los gehts im ersten Gang, der in der Schaltkulisse unten links angeordnet ist. Sanft, aber bestimmt hebeln wir den Schaltknauf hoch in den zweiten Gang. Selbst gross gewachsene Fahrer müssen den rechten Arm komplett durchstrecken, um sauber hochzuschalten: Die Schaltwege im 356er fallen enorm lang aus.

Porsche 356 A 1600 Speedster im Schnellcheck

Antrieb: 1,6-Liter-B4-Benziner, 60 PS (44 kW), 110 Nm, Viergang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 16,5 s, Spitze 160 km/h
Masse: L/B/H 4,00/1,67/1,31 m, Leergewicht 760 kg
Preis: Online-Occasionen für rund 400'000 Franken

Antrieb: 1,6-Liter-B4-Benziner, 60 PS (44 kW), 110 Nm, Viergang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 16,5 s, Spitze 160 km/h
Masse: L/B/H 4,00/1,67/1,31 m, Leergewicht 760 kg
Preis: Online-Occasionen für rund 400'000 Franken

Auch die Bremsen haben ihre Tücken: Auf den ersten Zentimetern Pedalweg treten wir sprichwörtlich ins Leere. Erst danach packen die Eisen mit entsprechendem Kraftaufwand zu. Das ist insoweit erstaunlich, weil es nicht so recht zur sonst sportlichen Fahrweise des 356 A passt: Auch wenn der kleine 1,6-Liter-Vierzylinder nominell nur 60 PS (44 kW) an die Hinterachse leitet, fühlt sich die Leistung nach mehr an. Was grösstenteils daran liegt, dass der Porsche lediglich 760 Kilogramm auf die Waage bringt. Das kommt dem Klassiker wiederum in Kurven zugute, wo dank der direkten Lenkung echter Fahrspass aufkommt. Dass die Federung extrem hart abgestimmt ist und jede Bodenwelle ins Cockpit dringt, gehört zum 356er-Erlebnis dazu.

Auch die Beschleunigung auf der Geraden wird zum echten Abenteuer: Bis 60 Meilen (rund 96 km/h) auf dem Tacho erreicht sind, vergehen rund 17 Sekunden. Der Spass vergeht uns trotzdem nicht: Wer will schon schnell fahren, wenn er den Sound des luftgekühlten Boxers geniessen kann, während der Fahrtwind durch die Haare streift?

Nach der Ausfahrt im 70-jährigen Sportwagentraum landen wir schnell wieder im Hier und Jetzt: Die wenigen noch verfügbaren 356 A Speedster werden auf dem Markt bei rund 400'000 Franken gehandelt. Damit dürfte die Porsche-Legende für uns für immer ein Traum bleiben. Eine, an die wir jetzt noch schönere Erinnerungen haben.

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