Darum gehts
- Passione Engadina: Erstmals war die deutsche Marke Porsche Gastgeberin der Oldtimerrallye
- Sympathischer Wettstreit zwischen Ferrari und Porsche als roter Faden
- Über 140 Old- und Youngtimer nahmen an der 180 Kilometer langen Rallye teil
Das gab es an der Passione Engadina noch nie: 13 Ausgaben hintereinander waren grundsätzlich nur italienische Fahrzeuge an der Oldtimerrallye zugelassen. Ausnahmen wie Bugatti hatten zumindest einen Bezug zu Italien. Denn der Hersteller hatte seinen Hauptsitz zeitweise im italienischen Campogalliano in der Nähe von Modena. Doch vergangenes Wochenende war erstmals eine deutsche Marke Gastgeber bei der Classic-Rallye.
Der Grund: The Battle of the Prancing Horses (deutsch: Die Schlacht der sich aufbäumenden Pferde), ein sympathischer Wettstreit zwischen Ferrari und Porsche, der den roten Faden dieser Ausgabe bildete. Die gleiche Rivalität gab es im vergangenen 24-Stunden-Rennen von Le Mans (F) im Juni, als ein Ferrari 499P nur wenige Sekunden vor einem Porsche 963 über die Ziellinie raste. Porsche fährt seit 1951 am härtesten Rennen der Welt mit, Ferrari sogar schon zwei Jahre länger.
Rallye für junge Autoliebhaber
Aber zurück ins Jetzt – nach St. Moritz und damit zur Passione Engadina: Neu startete die Veranstaltung diesmal, anders als in den bisherigen Jahren, bereits am Donnerstag. Auch wenn am Morgen dunkle Regenwolken über das Engadiner Dorf zogen, reihten die Teilnehmenden ihre Fahrzeuge auf der Wiese des Kulm Hotels auf. Porsche 911 neben Ferrari F50 und Alfa Romeo Spider.
Beim Rennen machte der Ladies’ Cup den Anfang, eine kleine Rallye, bei der nur Frauen mit Oldtimern mitfahren durften. Als Nächstes reihten sich die Teilnehmer des Next Gen Cup auf. Hierbei waren nur Fahrer und Beifahrer unter 25 Jahren zugelassen. Witzig: Sie bestritten die Rallye alle mit einem Fiat Panda 4x4.
Die grosse Rallye mit Geschicklichkeitsprüfungen, bei der wir letztes Jahr mitfahren durften, startete am Freitag. Über 140 Old- und Youngtimer sowie ausgewählte moderne Supercars stellten sich in Silvaplana bereit. Um 8.30 Uhr startete das älteste Fahrzeug mit Jahrgang 1939 und der Startnummer 1 – ein Alfa Romeo 2500 Berlina. Gefolgt von einem Fiat 8 V Zagato mit Jahrgang 1953 und einigen Porsche 356 fuhr der Konvoi Richtung Flüelapass, wo die Teilnehmenden ihren Oldtimern so richtig einheizen durften.
Schöner Abschluss im Dorfzentrum
Die 180 Kilometer lange Route führte nach dem Flüelapass via Lenzerheide über die engen und kurvigen Strassen des Albulapasses. Hier wurde das Kreuzen mit einigen Fahrzeugen zum schweisstreibenden Manöver. Bei dem nun hervorragenden Wetter öffneten die meisten Teilnehmerinnen das Stoffdach ihrer alten Boliden. Doch wegen der Sonne wurde es nicht nur den Insassen warm, sondern auch den Motoren. So blieben einige Oldtimer auf dem Weg zur Passhöhe wegen Motorproblemen stehen. Dennoch winkten, lachten und hupten die Fahrerinnen und Fahrer beim Vorbeifahren den am Strassenrand wartenden Fotografen, Enthusiastinnen und Fans zu. Und spätestens als der Porsche 910/6 aus dem Jahr 1967 – das lauteste Auto im Feld – an uns vorbeidonnerte, stellten sich uns die Nackenhaare auf.
Am Samstag führte die Rallye die Teilnehmenden über den Berninapass ins Val Poschiavo und wieder zurück nach St. Moritz. Zum Finale reihten sie ihre Boliden in der Via Serlas im Dorfzentrum auf. Damit verwandelte sich das Engadiner Dorf am Samstagmittag damit in ein Freiluftmuseum. Für die Teilnehmenden der Rallye gings jetzt zum letzten gemeinsamen Mittagessen, während die Öffentlichkeit die Schmuckstücke aus nächster Nähe bewundern konnte – und dies völlig kostenlos. Jung und Alt schlenderte durch die Dorfstrasse, vorbei an alten Porsche 911, Ferrari Testarossa, Lamborghini Urraco oder Lancia B24.
Krönende Le Mans Night
An der Rallye begeisterten unter andrem vier (!) Ferrari F40, wovon einer in Schwarz lackiert war – ab Werk gibt es dieses Auto normalerweise nur in Rot –, sowie ein Porsche 911 GT2 Clubsport und ein Carrera GT. Ein anderes Highlight war die private Le Mans Night am Freitagabend auf dem Engadiner Flugplatz in Samedan. Dabei starteten über ein Dutzend aktuelle und ältere Fahrzeuge aus der 102-jährigen Geschichte des legendären 24-Stunden-Rennens in Le Mans.
Für die Gäste gab es somit einiges zu sehen: Der Porsche 917, der einst vom britischen Rennfahrer David Piper (95) pilotiert wurde, raste Seite an Seite mit einem modernen Porsche 935 und 911 Carrera RSR 3.0 gegen einen Ferrari 250 GT SWB Competizione, 250 LM und einen Dino 206 S. Der Dino war das letzte gebaute Modell und wurde während der späten 1960er-Jahre in diversen Bergrennen eingesetzt. 1967 nahm er zudem am 1000-Kilometer-Rennen von Monza (I) und am diesjährigen Concorso d’Eleganza an der Villa d’Este am Comer See teil.
Aber auch zwei Fords gesellten sich zum Spitzentreffen: ein Ford GT von 2006 und ein Ford GT Mk IV – ein auf 67 Exemplare limitiertes Sammlerstück, basierend auf dem Ford GT der 2017er-Baureihe. Als all diese seltenen Schmuckstücke auf der Flugpiste in Richtung Sonnenuntergang donnerten, sorgte die Geräuschkulisse abermals für Gänsehaut.