Darum gehts
- Die 15. Passione Engadina lockte Oldtimerfans nach St. Moritz
- Über 130 Fahrzeuge, darunter ein Fiat 8V Zagato von 1953, haben teilgenommen
- 170 km lange Route über Malojapass und Splügenpass trotz Wetter-Challenges gemeistert
Bereits zum 15. Mal führen am letzten Wochenende Paolo Spalluto (65) und sein Team die Rallye «Passione Engadina» durch. Wie es die Bezeichnung bereits vermuten lässt, sind zum dreitägigen Event ausschliesslich italienische Autos zugelassen.
Nebst den bekannten Italo-Brands wie Alfa Romeo, Fiat, Lancia, Ferrari oder Maserati nehmen auch Fahrerinnen und Fahrer von einst renommierten Automarken teil, die heute leider nicht mehr existieren. So entdecken wir diverse Bizzarrini (von 1962 bis 1969), OSCA (von 1947 bis 1967) oder Iso Rivolta (von 1962 bis 1974). Wie bereits im Vorjahr startet das Event auch heuer bereits am Donnerstag. So reihen sich in St. Moritz zur Freude des Publikums die bunten Fahrzeuge ein erstes Mal auf der Wiese des Kulm Hotels in der warmen Nachmittagssonne auf.
Regenwetter bei der grossen Rallye
Bei den ersten Rennen am Donnerstag macht der Ladies' Cup den Anfang. Eine kurze Rallye, bei der nur Frauen mit ihren Oldtimern mitfahren dürfen. «Das war eine prima Trainingsgelegenheit für meine Co-Pilotin, die noch nie an einer Oldtimerrallye mitgefahren ist», erklärt uns die Siegerin des Ladies' Cup zuversichtlich. «Jetzt sind wir für die morgen anstehende grosse Rallye bestens vorbereitet.» 13 Frauenteams nehmen teil – und vielleicht hätten sich auch noch ein paar Ladys mehr begeistern lassen. Nur: Wer am Ladies' Cup teilnimmt, muss im Normalfall auch das ganze Rallye-Wochenende bestreiten und das Startgeld von mehreren Tausend Franken bezahlen. Und das ist dann einigen Damen doch zu viel und vor allem zu teuer.
Im Anschluss ans Damenrennen stellen sich die Teilnehmenden des Next Gen Cups auf. Der Name verrät, in dieser Kategorie treten nur junge Fahrerinnen und Beifahrer unter 25 Jahren an. Vier Teams sind dabei. Auch für diesen Cup bestünde bei weiteren jungen Oldiefahrern Interesse. Doch auch der Next Gen ist eine Teilnahme an der kompletten Rallye zu teuer.
Die eigentliche Rallye mit ihren diversen Regelmässigkeits- und Geschicklichkeitsprüfungen startet dann am Freitag. Über 130 Young- und Oldtimer sowie ausgewählte moderne Supercars stellten sich in Silvaplana bereit. Um 8.30 Uhr rollte das älteste Auto los: ein seltener Fiat 8V Zagato von 1953 mit der Startnummer 2 – eine von nur rund zwei Dutzend gebauten Raritäten. Dahinter folgen ein Alfa Romeo 1900 M (Jahrgang 1953) und einige weitere Alfas – alle unterwegs Richtung Malojapass, wo die Piloten ihren Oldtimern so richtig einheizen dürfen.
Hie und da zeigt sich die Sonne
Die 170 Kilometer lange Route führt nach dem Malojapass via Chiavenna (I) über die engen und kurvigen Strassen des Splügenpasses. Hier wird das Kreuzen mit anderen Fahrzeugen zum schweisstreibenden Manöver. Und die verregneten Strassen stellen eine weitere Herausforderung dar. Gut, dass die Teilnehmenden auf halber Höhe in Madesimo (I) eine kleine Verschnaufpause haben und sich mit Kaffee stärken können. Während wir uns als Zuschauer nach der Passhöhe in einer Kurve positionieren, weht ein starker Wind. Aufgrund der schweren Gewitterstürme mit Hagel am Freitag im Unterland checken wir regelmässig das Niederschlagsradar und entscheiden uns schliesslich, ins Tal zu fahren.
Kurz vor Andeer GR stossen wir wieder auf einen Teil des Rallyetross. Und siehe da: Die drohenden Gewitterwolken verziehen sich wieder, und die Sonne zeigt sich. Gleichzeitig hellt sich auch die Stimmung bei den Rallyeteilnehmenden mit ihren teils wertvollen Boliden auf: Sie winken, lachen und hupen beim Vorbeifahren den am Strassenrand mitfiebernden Fotografen und Fans zu. Wir treffen Pierre (34), Content Creator und Autosammler, der mit seinem Ferrari 599 GTO an der Rallye teilnimmt: «Bei starkem Regen muss man schon ein wenig vorsichtig fahren, doch den Autos passiert nichts, sie bestehen schliesslich nicht aus Zucker.» Nach der Mittagspause in Andeer fährt der Konvoi weiter Richtung der zweiten engen, dafür jetzt trockenen Passstrasse am Albula.
Viele Teilnehmerinnen mit Cabrios nehmen ihr Dach nach dem Mittagessen ab. Die Fahrerpaarungen in den geschlossenen Coupés kommen aufgrund der Sonne und häufig fehlender Klimaanlage (zumindest bei den Oldtimern) ins Schwitzen. Doch das schöne Wetter hält nicht lange: Auf der Seite von La Punt GR sorgen dunkle Wolken wieder für ordentlich Regen. Doch weil die Cabriofahrer keine Zeit verlieren wollen – sie fahren nach Roadbook und müssen eine vorgegebene Zeit einhalten –, lassen die meisten ihr Dach im strömenden Regen offen. Die Rallye endet schliesslich in Samedan GR, wo das Teilnehmerfeld möglichst schnell wieder die trockene Hotelgarage aufsucht.
Finales Spektakel vor dem Kempinski
Am Samstag führt die Rallye vom Flugplatz Samedan über den Berninapass ins Val Poschiavo und wieder zurück nach St. Moritz. Und endlich spielt auch das Wetter mit. Strahlend blauer Himmel und nur ein paar kleine, Schatten spendende Wölkchen dazwischen. So lassen sich als Zuschauer die vorbeidonnernden Fahrzeuge wie etwa der 22-jährige Ferrari 360 Challenge Stradale besonders angenehm geniessen.
Zum Finale reihen sich die Boliden auf der Wiese des Grand Hotel des Bains Kempinski auf. Und so verwandelt sich der Vorgarten des Fünfsterne-Luxushotels in ein Freilichtmuseum. Dort treffen wir auch Oldtimerhändler Fabian Lutziger (46), der mit dem Ferrari 348 Challenge unterwegs ist. Es handelt sich hierbei um exakt das Auto, womit Ex-Rennfahrer Erwin Keller (67) 1995 alle 13 Rennen der «Trofeo 348 Challenge» gewann. «Wir nehmen immer gerne am Passione teil. Uns gefällt die coole Atmosphäre und dass wir auf Gleichgesinnte und Freunde treffen», erzählt uns Lutziger strahlend.
Während die Rallye-Teilnehmenden jetzt zum letzten gemeinsamen Mittagessen gehen, bewundern die vielen Fans und Interessierten die rollenden Museumsstücke wie alte Alfa Spider, Ferrari Testarossa, Maserati Indy oder Ferrari F12 TdF aus nächster Nähe – und das völlig kostenlos.
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