Boom knackt Lärmproblem
Bis zur «neuen Concorde» ist es ein langer Weg

Die Concorde ist seit 2003 Geschichte. Doch mit dem Überschalljet Overture von Boom Supersonic könnte eine neue Ära beginnen. Der Clou: Mit dem «Mach Cutoff» soll der störende Überschallknall vermieden werden.
Kommentieren
1/7
Mehr als zwanzig Jahre nach dem letzten Flug der Concorde steht die Boom Overture in den Startlöchern.
Foto: Boom Supersonic

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Boom Supersonic plant Überschallflugzeug Overture mit 60 bis 80 Sitzplätzen
  • Die Technologie «Mach Cutoff» verhindert den Überschallknall am Boden
  • 130 Vorbestellungen, Ticketpreise auf First-/Business-Class-Niveau geplant
RMS_Portrait_AUTOR_1108.JPG
Gabriel KnupferRedaktor News

Seit dem letzten Flug der Concorde am 26. November 2003 ist es ruhig geworden am Himmel. Mehr als zwanzig Jahre später warten Passagiere noch immer auf ein neues Überschall-Zeitalter.

Diverse Firmen haben ihre Pläne für einen Überschall-Passagierflieger wieder begraben. Vielversprechend ist das Projekt von Boom Supersonic: Die US-Firma will einen Überschalljet für 60 bis 80 Passagiere auf den Markt bringen. Der Flieger Overture soll eine Geschwindigkeit von Mach 1,7 erreichen (rund 2100 km/h).

Concorde war zu laut

Boom sammelte 130 Vorbestellungen der Fluggesellschaften United Airlines, American Airlines und Japan Airlines für die Overture ein. Entscheidender Vorteil gegenüber der Concorde: Das Lärmproblem soll inzwischen weitgehend gelöst sein.

Zur Erinnerung: Wegen des Überschallknalls durfte die Concorde nicht mit vollem Tempo über dem amerikanischen Festland und weiten Teilen Europas fliegen. Übrig blieben fast nur die Stammstrecken von Paris und London nach New York. Kein Wunder, wurde die Produktion nach nur 16 Serienflugzeugen bereits 1979 wieder eingestellt.

Schneller dank «Mach Cutoff»

Boom setzt nun auf den sogenannten Mach Cutoff: Es ist möglich, die Schallwellen des Knalls nach oben zu biegen, sodass sie den Boden gar nie erreichen. 2025 durchbrach der Boom-Testflieger XB-1 mehrfach ohne einen am Boden hörbaren Überschallknall die Schallmauer. Overture soll mit der Technik bis zu Mach 1,3 erreichen.

So funktioniert der sogenannte Mach Cutoff.
Foto: Boom Supersonic

Die US-Luftfahrtbehörde FAA ist sich des Fortschritts bewusst. «Ein vollständiges Verbot ziviler Überschallflüge ausserhalb von Testgebieten ist nicht mehr angemessen und stellt eine unnötige Einschränkung für den US-Luftfahrtsektor dar», heisst es in einem Dokument vom Juni 2026. Die Behörde will die Regel daher bis Mitte nächsten Jahres ändern.

Nur für Reiche

Bleibt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Bei der Concorde waren es nach dem Air-France-Absturz in Paris im Jahr 2000 vor allem wirtschaftliche Gründe, die zur Einstellung des Betriebs führten. «Wir haben Overture so konzipiert, dass sie mit Ticketpreisen in der First- oder Business-Class rentabel ist», schreibt Boom auf der Webseite.

Für Ferienreisen dürfte Overture daher eher nicht infrage kommen. Doch für zahlungskräftige Passagiere ist der Boom-Zeitplan sportlich: 2021 kündigte die Firma an, ab 2027 mit Testflügen der Overture zu beginnen. Die Markteinführung ist für 2030 geplant.

Experten gehen aber davon aus, dass sich diese noch weit in die 2030er-Jahre verschieben könnte. Grund ist der schwierige Zertifizierungsprozess, den die Bauteile eines neuen Passagierjets durchlaufen müssen.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen