So verrückt fährt der Iran
Neuwagen mit fast 40-jähriger Technik

Der Iran hat sich weitgehend vom Westen abgeschottet. Auch deshalb wirkt die Autolandschaft im von den Mullahs und dem obersten Religionsführer Ayatollah Chamenei (†86) unterdrückten Land für uns ziemlich exotisch.
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Im Iran mit seinen rund 88 Millionen Einwohnern sind etwa 18 Millionen Personenautos angemeldet.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Iran produziert jährlich über eine Million Autos, ähnlich wie Frankreich
  • Hauptproduzenten Iran Khodro und Saipa setzen auf alte Plattformen und Lizenzbauten
  • Bis 2024 wurden 10'000 Elektroautos importiert, erste iranische E-Autos geplant
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Raoul SchwinnenRedaktor Auto & Mobilität

Das muss man sich mal vorstellen: Im Iran mit seinen rund 88 Millionen Einwohnern und etwa 18 Millionen angemeldeten Personenwagen werden fast so viele Autos gebaut wie in Frankreich – in normalen Jahren also über eine Million. Mit den beiden dominierenden Herstellern Iran Khodro (IKCO) und dem kleineren Konzern Saipa, beide haben ihren Sitz in der Hauptstadt Teheran, verfügt die Islamische Republik auch über eine eigene Autoindustrie.

Der grössere der beiden iranischen Autobauer, Iran Khodro, wurde 1962 als Iran Nasional gegründet. Gebaut beziehungsweise montiert, denn alle Teile wurden aus England von der britischen Rootes-Gruppe bezogen, wurde dort bis Ende der 1970er-Jahre der Paykan – das iranische Auto schlechthin. Anschliessend bis 2005 produzierten die Iraner den Paykan weitgehend aus iranischen Komponenten. Später liefen auch Peugeot-Modelle im Lizenzbau vom Band.

Französische Lizenzbauten

Das vermutlich bekannteste iranische Peugeot-Derivat ist der 2001 lancierte IKCO Samand (Samand ist persisch und bezeichnet eine besonders schnelle Pferderasse). Der Samand basierte auf dem Peugeot 405, hatte aber eine eigenständige Karosserie. Die Antriebe stammten ebenfalls von den Franzosen. Allerdings konnte man den Samand auch mit einem gemeinsam von Iran Khodro und der deutschen Firma FEV in Aachen entwickelten Motor bestellen, der sich auch mit Erdgas (CNG) betreiben liess. Auf Druck internationaler Sanktionen kündigte Peugeot 2012 die Zusammenarbeit mit Iran Khodro, um vier Jahre später wieder ein Joint Venture einzugehen, das aber nur zwei weitere Jahre später erneut beendet werden musste.

Ähnlich übrigens die Geschichte beim zweiten iranischen Autobauer Saipa. Dieser wurde 1965 als Saipac gegründet – wobei das «C» für Citroën stand. Denn Saipac montierte Citroën-Modelle in Lizenz. Erst den 2CV Döschwo, später die Dyane, die in Iran Jyane hiess. Ab 1977 montierte Saipa auch Renault-Modelle und bot zum Beispiel den R5 als Saipa 5 an.

Und amerikanische Jeep-Modelle

Weitere Lizenzbauten kamen dazu, sogar amerikanische. Jedoch nur bis 1979 und dem ersten Konflikt zwischen Iran und USA nach der Geiselnahme in Teheran. Doch laut deutscher «Autobild» wurde auch danach zwischen den beiden Staaten betreffend Autobau gedealt. Denn noch lange war im Iran der auf dem Jeep Wrangler von 1989 basierende Jeep Sahra zu kaufen.

Ab 1993 baute Saipa den Kia Pride (der von den Südkoreanern 1987 ihrerseits auf Basis des ersten Mazda 121 in Lizenz gebaut wurde) im Iran in Lizenz, entwickelte zusätzliche Derivate auf der Plattform und verkaufte die praktischen Kleinwagen im Iran als Saipa 132 und später als Saipa 111. Sie wurden schnell zum meistverkauften Auto in der Islamischen Republik.

Keine Planungssicherheit

Doch weil es den iranischen Autobauern, wie deren Geschichte zeigt, durch die ständig wechselnden Bedingungen mit ihren ausländischen Joint-Venture-Partnern an Planungssicherheit fehlte, sahen sie sich gezwungen, ihre Fahrzeug-Plattformen jahrzehntelang beizubehalten und neue Modelle auf der alten Technik weiterzuentwickeln.

Und so trifft man heute im Iran auf skurrile Neuwagenmodelle wie etwa den IKCO Runna+, der technisch auf dem 1998 lancierten Peugeot 206 aufbaut oder den IKCO Soren+ mit der fast 40-jährigen Plattform des Peugeot 405 von 1987. Immerhin: Gemäss «Autobild» wurden bis Sommer vor zwei Jahren auch 10’000 rein elektrische Autos importiert. Und, sofern die Produktionshallen inzwischen nicht zerbombt wurden, sollen auch bereits erste iranische E-Autos vom Band rollen.

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