Darum gehts
- Genesis präsentiert den Magma GT, ein 800 PS starkes Supercar-Konzept.
- Unter Ex-Porsche-Entwickler Harrer kombiniert er Luxus, Performance und Motorsport-DNA.
- Mit 3,2-Liter-V8-Hybrid für 800 PS.
Genesis will nicht länger nur die feine, gut ausgestattete Alternative zu Mercedes, BMW und Audi sein. Die zum Hyundai-Konzern gehörende koreanische Nobelmarke arbeitet an einer neuen Identität. Sie will nicht mehr nur über Leder, Lichtsignaturen oder Garantien wirken – sondern über Performance und Emotionen.
Der Genesis Magma GT ist die radikalste Ansage der Koreaner. Offiziell noch eine Studie, rollt hier eine echte Kampfansage auf breiten Schlappen an. Flache Silhouette, breite Schultern, Mittelmotor-Proportionen, dramatische Türen und ein Auftritt, der weniger an ein klassisches Premium-Coupé erinnert als an einen kommenden Gegner für die ganz Grossen. Doch kann er wirklich mehr als ein Porsche 911 Turbo S, Aston Martin Vantage und vielleicht sogar Ferrari 296?
Motorsport im Blut
Ende letzten Jahres sorgte der Magma GT in Le Castellet (F) für staunende Gesichter. Beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans zeigten die Koreaner jetzt, wohin die Reise wirklich geht. Die Verzahnung mit dem traditionsreichen Langstreckenrennen ergibt Sinn: Genesis will seinen Strassenfahrzeugen mit dem frisch ausgebauten Motorsport-Engagement in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC zu mehr Strahlkraft verhelfen.
Der Magma GT soll dabei exakt jene Rolle übernehmen, die einst der Lexus LFA für Toyotas Edeltochter oder der 918 Spyder für Porsche spielte: ein rollendes Manifest der eigenen Ingenieurskunst. Das Erstaunliche daran: Herzstück des Magma GT ist wie bei den alten Halo-Cars der Konkurrenz ebenfalls ein hochdrehender Benzinmotor. Damit sendet Genesis eine klare Botschaft. Es geht der Performance-Mannschaft um mehr als Marketing und orangefarbene Bodykits. Es geht um die Liebe zum Automobil. Und man darf das gerne glauben, schliesslich hat der Mutterkonzern Hyundai es selbst mit seiner N-Sparte bewiesen. Ex-BMW-Entwickler Albert Biermann (69) stellte dort vor Jahren die GTI-Szene auf den Kopf. Das lockte viele treue Kunden von VW und Opel zu Hyundai.
800 PS aus dem Rennwagen
Unter Ex-Porsche-Mann Manfred Harrer wiederholt Genesis diesen Erfolg nun auf einem ganz neuen Level. Was er im letzten Herbst zeigte, liess die Szene bereits aufhorchen. Der Hyundai-Entwicklungschef hatte opulente Cabrios, hinreissende Coupés und einen Shooting Brake im Gepäck. Damit überraschte er die ganze Branche.
Wenn er also mit einem Leuchten in den Augen davon spricht, dass er im Magma GT mehr als ein Konzept sieht, darf man davon ausgehen, dass er den Supersportler schon ein paar Mal mit vollem Ladedruck bewegt hat. Druck dürfte reichlich vorhanden sein. Der GT übernimmt den 3,2-Liter-V8-Biturbo-Hybrid aus dem Le-Mans-Renner von Genesis. Das Aggregat leistet 800 PS.
Cockpit ohne Bildschirm-Wahn
Wie sehr man in Korea das Thema Freude am Fahren verstanden hat, zeigt auch der Blick ins Cockpit. Die Konkurrenz pflastert dieses mit Riesen-Bildschirmen zu – Genesis setzt voll auf analoge Werte. Das Interieur verströmt pure Oldschool-Vibes. Hingucker im Innenraum ist die offene Schaltkulisse. Ein Alu-Hebel klackt mechanisch durch die Führung – auch wenn es am Ende nur ein Automatik-Wähler ist. Die Geste zählt!
Flankiert wird das Ganze von wunderschön gearbeiteten, analogen Rundinstrumenten, die an teure Chronografen erinnern. Dennoch zeugen hochwertigste Sattlerarbeiten und feines Leder davon, dass der Über-Genesis nicht als spartanisches Rennstreckengerät à la 911 GT3 RS gedacht ist. Die Koreaner streben vielmehr eine faszinierende Nische an: Eine luxuriöse Hochleistungsmaschine, die souveränen Langstreckenkomfort mit gnadenloser Rennstrecken-Performance kreuzt. Im Grunde ein alltagstauglicher Einstiegshypercar.
Der Magma GT kommt zudem zu einem spannenden Zeitpunkt. Die gesamte Branche steht unter Druck. Das Kostendiktat ist strenger denn je, für Spielzeuge und Fingerübungen ist eigentlich kein Platz mehr. Doch selbst Porsche würde dieser Tage ein Nachfolger des 918 Spyder guttun. Ein Traumwagen, der das Markenprofil schärft und den man einfach haben will. Genau das liefert Genesis jetzt.
Über Preise wird bei den Koreanern noch nicht gesprochen. Doch selbst wenn sie 250'000 Franken ausrufen würden – die Konkurrenz hat schlicht Vergleichbares nicht zu bieten. Und die Tage, dass man mit Sonderangeboten die Kunden locken muss, sind lange vorbei. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Genesis-Mannschaft um Manfred Harrer all die gezeigten Konzepte tatsächlich in Serie bringt, könnte Genesis endlich aus der Nische fahren.
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