ZDF-«Sommerinterview» vor Wahlen in Deutschland
Weidel bekennt sich zu Euro- und Schengen-Austritt

Bahnt sich in Deutschland das grosse politische Beben an? Kurz vor den Schicksalswahlen liegt die AfD vorne. Parteichefin Alice Weidel (47) nutzt das ZDF-«Sommerinterview» für eine Kampfansage: Deutschland soll raus aus dem Euro und aus Schengen.
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AfD-Chefin Alice Weidel nahm im ZDF-«Sommerinterview» klar Stellung zu brennenden politischen Fragen.
Foto: Screenshot zdf.de

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • AfD könnte bei Wahl am 6. September in Sachsen-Anhalt siegen
  • Alice Weidel fordert Euro- und Schengen-Austritt Deutschlands im ZDF-Interview
  • AfD in Sachsen-Anhalt bei 40 Prozent, bundesweit 27 Prozent laut Umfragen
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Bahnt sich in Deutschland das grosse politische Beben an? In knapp zwei Wochen wird in Sachsen-Anhalt gewählt, am 20. September folgen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die AfD liegt im Osten teils deutlich vorne – und Parteichefin Alice Weidel (47) hat das ZDF-«Sommerinterview» am Sonntag für eine Kampfansage genutzt: Deutschland soll raus aus dem Euro und aus Schengen.

Die Nerven vieler Politiker und Bürger in Deutschland liegen blank. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD bei der Wahl am 6. September erstmals den Anspruch auf die Regierungsbildung stellen. In aktuellen Umfragen kommt sie auf rund 40 Prozent und liegt damit deutlich vor der CDU. Auch bundesweit führt die AfD derzeit.

Am 20. September folgen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Für Kanzler Friedrich Merz (70) und seine Union werden die Wahlgänge zur Schicksalsfrage. Ein AfD-Triumph könnte das politische Berlin erschüttern – und die Debatte über die «Brandmauer» weiter anheizen, die eine Zusammenarbeit von CDU und SPD mit der AfD ausschliesst.

ZDF-Bühne für Weidel

Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre es kaum vorstellbar gewesen, dass eine AfD-Chefin im ZDF-«Sommerinterview» zur grossen politischen Bühne gehört. Jetzt bekommt Weidel das Format in voller Länge – und nutzt die Aufmerksamkeit.

Ausgerechnet in Wien: Weidel war zuvor für Gespräche mit den Spitzen der FPÖ in Österreichs Hauptstadt. Dort liess sie sich vom ZDF interviewen.

Die AfD-Chefin attackiert die Bundesregierung scharf und bezeichnet deren Politiker als «Flachzangen». «Die Menschen im Land wollen nicht mehr angelogen werden», so Weidel. Und dann wird es europapolitisch grundsätzlich in einem zuweilen hitzigen Schlagabtausch.

Raus aus dem Euro

Weidel bekennt sich offen zum Austritt Deutschlands aus der Gemeinschaftswährung. Der Euro sei eine «instabile Währung», eine «Weichwährung» und vergleicht mit dem Schweizer Franken. Deutschland sei es vor der Einführung der Gemeinschaftswährung besser gegangen, sagt sie.

Ein deutscher Euro-Austritt wäre ein politisches und wirtschaftliches Erdbeben. Deutschland müsste eine neue Währung einführen, Verträge und Schulden müssten neu geregelt werden. Experten warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Risiken – von Turbulenzen an den Finanzmärkten bis zu Kapitalflucht und grosser Rechtsunsicherheit.

Weidel scheint das nicht zu bremsen. Dann entwaffnet sie kritische Fragen zu Verbrennermotoren und Autobauer-Konkurrenz aus China – wo sie sieben Jahre lebte. Weidel wirft einen chinesischen Begriff ein – Interviewer Wulf Schmiese wirkt platt.

«Werden die Grenzen zumachen»

Auch beim Schengen-Raum geht Weidel aufs Ganze. «Die Menschen haben die Schnauze voll», sagt sie zu Migration. «Wir werden die Grenzen zumachen, wir werden aus Schengen aussteigen», kündigt sie an. Dieser Vertrag, der nicht funktioniere, werde aufgekündigt. Syrer und Afghanen würden derzeit eingebürgert, sagt Weidel, statt dass sie das Land verlassen müssen.

Damit stellt sie gleich zwei zentrale europäische Errungenschaften infrage. Ein deutscher Austritt aus Schengen würde die Rückkehr zu dauerhaften Grenzkontrollen ermöglichen.

Für die Schweiz wäre das besonders brisant. Deutschland ist der wichtigste Nachbar der Schweiz. Grenzgänger, Handel, Pendler und Warenverkehr wären von einem solchen Schritt unmittelbar betroffen.

Muss Brandmauer fallen?

Weidel gibt sich siegessicher. Ihr Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Die AfD führt in Sachsen-Anhalt mit rund 40 Prozent deutlich und liegt auch bundesweit mit 27 Prozent vor der Union, die laut Reuters auf 22 Prozent kommt.

Die AfD werde in Sachsen-Anhalt die Regierung bilden, sagt Weidel. Langfristig werde ihre Partei auch auf Bundesebene regieren. Für die Merz-Regierung wird das zunehmend unangenehm. Die CDU hält an der Brandmauer zur AfD fest. Doch je stärker die AfD wird, desto grösser wird der politische Druck auf diese Strategie.

Weidel: «Die CDU wird keine einzige Bundestagswahl mehr gewinnen. Unser Land wird kaputtgemacht.»

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