Panzer-Anekdote an Medienkonferenz
Wen meinte Trump, als er vom «dummen General» sprach?

Donald Trump macht einen angeblich «sehr dummen General» für das Scheitern der russischen Offensive auf Kiew 2022 verantwortlich. Belegt ist das nicht; Militäranalysen nennen Planungsfehler, Logistikprobleme und ukrainischen Widerstand.
Kommentieren
1/5
US-Präsident Trump macht einen «sehr dummen General» für das Scheitern der russischen Offensive Kiew im Februar 2022 verantwortlich.
Foto: AP Photo/Jacquelyn Martin

Darum gehts

  • Trump sagt, ein russischer General habe 2022 rund tausend Panzer bei Kiew in den Schlamm gelenkt
  • Russische Journalisten nennen Alexander Tschaiko und Alexander Lapin als Kandidaten; beide leben
  • Analysen sehen Planungsfehler, Logistikprobleme und ukrainische Gegenwehr vor Kiew als Ursachen
Pauline_Bouillon_Redaktorin News _Blick_3.jpg
Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Donald Trump (80) sorgt mit einer bizarren Theorie zum Ukraine-Krieg für Aufsehen. Laut dem US-Präsidenten scheiterte der russische Sturm auf Kiew im Februar 2022 an einem einzigen Mann: Ein «sehr dummer General» habe tausend Panzer von der Strasse in den Schlamm gelenkt.

«Ich bezweifle, dass er noch lebt», sagte Trump am Dienstag vor Medien im Weissen Haus. Wer der Kommandant war, weiss der US-Präsident laut der «Welt» allerdings selber nicht. Trump zufolge hätte Russland die ukrainische Hauptstadt andernfalls innerhalb eines Tages einnehmen und den Krieg damit beenden können.

Wen meint Trump? Zwei russische Generäle kommen infrage

Russische Journalisten haben Trumps Schilderung mit der damaligen Kommandostruktur der russischen Streitkräfte verglichen. Laut der belarussischen Menschenrechtsorganisation und Nachrichten-Website «Charter 97» trifft Trumps Beschreibung auf Alexander Tschaiko (55) und Alexander Lapin (62) zu. Beide Generäle waren an der Offensive auf Kiew beteiligt. Sie führten Truppen, die aus unterschiedlichen Richtungen auf die Hauptstadt vorrückten. Beide leben noch.

Alexander Tschaiko: Vormarsch über Tschernobyl

Generaloberst Alexander Tschaiko befehligte zu Beginn der Invasion die russische Truppengruppe «Ost». Ihre Einheiten stiessen aus Belarus über die Tschernobyl-Sperrzone in Richtung Kiew vor. Die russischen Kolonnen bewegten sich unter anderem über Iwankiw, Irpin und Butscha.

Der Vormarsch kam jedoch im Grossraum Kiew zum Stillstand. Die langen Kolonnen wurden verwundbar, während ukrainische Streitkräfte den russischen Angriff bekämpften. Tschaiko passt damit geografisch zu Teilen von Trumps Schilderung.

Generaloberst Lapin: Vorstoss aus dem Nordosten

Kandidat zwei: Generaloberst Alexander Lapin. Er führte die russische Truppengruppe «Zentrum», die aus nordöstlicher Richtung über die Regionen Tschernihiw und Sumy vorrückte.

Auch seine Einheiten blieben stecken. Die Offensive scheiterte damit nicht nur auf einer einzigen Vormarschachse, sondern an mehreren Stellen. Welchen der beiden Generäle Trump konkret meint, bleibt offen.

Militäranalysen widersprechen Trump

Militäranalysen sehen die Gründe für Russlands Scheitern vor Kiew deutlich breiter als eine einzelne Fehlentscheidung. Moskau unterschätzte den ukrainischen Widerstand. Der russische Angriffsplan setzte auf einen schnellen Sieg und die rasche Einnahme der Hauptstadt. Doch die ukrainischen Streitkräfte leisteten organisiert Widerstand und verhinderten den Durchbruch.

Dazu kam das Logistik-Chaos: Sprit, Munition und Essen fehlten. Die kilometerlangen Panzerkolonnen stauten sich auf den Strassen und wurden zur leichten Beute für die Ukraine. Analysen des britischen Militärinstituts RUSI und des US-Thinktanks CSIS kommen zum Schluss, dass Russlands Offensive an einer Kombination aus Planungsfehlern, logistischen Problemen und ukrainischer Gegenwehr scheiterte.

VO Trump blafft wieder Reporterin an – doch dann entschuldigt er sich plötzlich Still.png
1:33
Plötzliche Wende vor dem Weissen Haus:Trump pampt Journalistin an – dann rudert er zurück
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen