Darum gehts
- Ein italienisches Paar überlebte sechs Tage verirrt in den Dolomiten
- Sie tranken eigenen Urin und assen Beeren, bevor Rettung erfolgte
- Rettung durch Polizei und Bergwacht am Mittwochmorgen erfolgreich abgeschlossen
Kalte Nächte, keine Nahrung und nur wenig Wasser: Ein italienisches Paar benötigte Nerven aus Stahl, um aus seiner Situation wieder lebend herauszukommen. Nachdem sich die Eheleute in einem dichten Kiefernwald in den Dolomiten verirrt hatten, warteten sie sechs Tage auf eine Rettung.
Wie Davide und Chiara P.* gegenüber der Zeitschrift «il Resto del Carlino» angaben, kamen sie auf dem Rückweg von einer Berghütte am vergangenen Mittwoch vom Weg ab und blieben vor dem Abgrund einer Schlucht stecken. Da es bereits 19 Uhr war, entschlossen sie sich, draussen zu übernachten. «Wir bauten uns einen Notunterschlupf aus zwei Kiefern und Stöcken, der uns vor Feuchtigkeit und Wind schützte», sagte der Ehemann gegenüber der Zeitung.
Sie behielten die Ruhe
Weil sie keine Vorräte und nur sehr wenig Wasser hatten, suchten sie den Weg zur Berghütte am darauffolgenden Tag nicht mehr. Stattdessen schonten sie ihre Kräfte und vertrauten darauf, dass ihre Abwesenheit bemerkt werden würde. Die knappen Wasserreserven zwangen das Paar zu drastischen Massnahmen. Bevor sie einen kleinen Bach fanden, tranken sie von ihrem eigenen Urin. Als Nahrung nahmen sie nur Waldbeeren zu sich, die sie im Unterholz gefunden hatten.
Vier Tage später, am Montag, meldete die Mutter von Davide P. das Verschwinden bei den Behörden im Tal. Daraufhin wurde eine Suchaktion von Polizei, Bergwacht und Zivilschutz eingeleitet. Ein erster Rettungsversuch am Dienstag scheiterte jedoch daran, dass das Ehepaar vom Helikopter aus nicht gesehen wurde.
Am Mittwochmorgen gelang dann die erfolgreiche Rettung, nachdem sich Davide P. extra gut sichtbar in einer kleinen Schlucht positioniert hatte. Die beiden waren zwar erschöpft, aber mental in einer klaren Verfassung.
Der eigene Urin sollte nicht getrunken werden
Tatsächlich können erwachsene Menschen unter bestimmten Umständen mehrere Tage ohne Nahrung und Wasser überleben. Dabei tritt der Tod durch Verdursten wesentlich schneller auf, als dass man verhungert. Anzeichen einer Dehydrierung tauchen bereits nach den ersten 24 Stunden auf.
Kritisch wird es spätestens nach drei bis fünf Tagen. Hohe Temperaturen oder körperliche Anstrengung, verbunden mit Schwitzen, beschleunigen den Vorgang massiv. Wer seine Energie bewusst spart, überlebt länger.
Den eigenen Urin zu trinken, ist hingegen eine schlechte Idee. Wie es in einem Bericht der Zeitschrift «Geo» heisst, verdurstet man dadurch tendenziell schneller. Zum einen, weil das Salz im Urin den Zellen Wasser entzieht und zusätzlich Durst auslöst. Zum anderen, weil im Urin Ausscheidungsstoffe angereichert sind. Damit die Niere diese nun erneut ausscheiden kann, benötigt der Körper wiederum Wasser.
*Namen bekannt