Darum gehts
- Eiffelturm schliesst am 6. September wegen Diskriminierung von Frauen
- Indische Delegation forderte Einschränkungen für weibliche Angestellte am Wahrzeichen
- Normalerweise besuchen jährlich sieben Millionen Menschen den Eiffelturm
Frankreich steht für «Liberté, Égalité, Fraternité». Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Doch ausgerechnet am Eiffelturm soll dieses republikanische Versprechen für eine Besuchergruppe aus Indien plötzlich nicht mehr gegolten haben.
Indische Eiffelturm-Besucher machten die Rechnung ohne Frauen – und die ging nicht auf: Rund 100 Mitglieder einer religiösen Delegation aus Indien waren am Wochenende in Paris, wie die Zeitung «Le Parisien» berichtet. Die Mitglieder der konservativen hinduistischen Organisation BAPS sollen bei ihrem Besuch verlangt haben, Interaktionen mit Frauen einzuschränken.
Die Folge laut Gewerkschaft: Weibliche Angestellte mussten ihre Arbeitsplätze verlassen, wurden durch Männer ersetzt oder sollten sich aus dem Blickfeld der Besucher entfernen. Für die Belegschaft ein Skandal. Sie legte die Arbeit nieder – der Eiffelturm blieb geschlossen. Sieben Millionen Menschen besuchen das Pariser Wahrzeichen jährlich – am Sonntag gar niemand.
Erboster Bürgermeister
BAPS ist eine einflussreiche hinduistische Organisation mit Wurzeln im indischen Gujarat. Die Bewegung gilt als konservativ und wird in Medienberichten mit dem Umfeld der hindu-nationalistischen Partei von Premierminister Narendra Modi in Verbindung gebracht.
Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire reagierte mit deutlichen Worten: Das Vorgehen sei «nicht akzeptabel». Eine Untersuchung wurde angekündigt.
Die bittere Ironie: Ausgerechnet am Symbol von Paris mussten Frauen offenbar verschwinden – in einem Land, dessen Nationalmotto seit Jahrhunderten «Égalité» verspricht.