Darum gehts
- 21 Aktivisten, darunter eine Waadtländerin, auf Schiff im Hafen von Reykjavik festgehalten
- Behörden beschlagnahmten Handys, widersprüchliche Dokumente sorgen für Verwirrung
- Island plant im Herbst ein Gesetz zum Verbot des Walfangs
An Bord der Bandero vor der Küste Reykjaviks herrscht Unsicherheit. Seit fünf Tagen werden die Walschutzaktivistinnen und Walschutzaktivisten der Paul Watson Foundation von den isländischen Behörden auf dem Schiff festgehalten. Unter den 21 Besatzungsmitgliedern ist auch eine Waadtländerin.
Am Dienstag schildert die Waadtländerin Ophélie Rochat gegenüber Blick den Einsatz der isländischen Küstenwache in der Nacht zum vergangenen Donnerstag. «Die letzten Tage waren anstrengend und stressig. Die Lage ist unklar. Unsere Angehörigen waren in grosser Sorge, als sie die Bilder der Festnahme sahen, die live auf Instagram übertragen wurden und zeigten, wie bewaffnete Spezialeinheiten das Boot enterten. Danach hörten sie 24 Stunden lang nichts.»
«Männer angewiesen, in Waschbecken zu urinieren»
Wie es mit dem im Hafen der isländischen Hauptstadt vor Anker liegenden Schiff weitergeht, wissen sie nicht. «Die ersten 24 Stunden standen wir unter Arrest. Dann teilten uns die Behörden mit, dass wir frei seien, aber die Bandero und Island nicht verlassen dürften. Das Schiff wird ständig von der Polizei überwacht. Die Situation ist weiterhin sehr unübersichtlich.»
Rochat beklagt sich über die ständige Überwachung des Schiffes. «Wir haben ausser unseren Vorräten keine zusätzlichen Lebensmittel erhalten. Die sanitären Anlagen sind unzureichend: Wir können die Abwässer nicht dreimal täglich entleeren, und die Männer wurden angewiesen, in die Waschbecken zu urinieren.» Immerhin seien alle an Bord gesund.
Kommt das Walfangverbot in Island?
Rochat stammt ursprünglich aus Crissier und lebt heute in Berlin. Als Teil des Medienteams der Paul Watson Foundation macht sie Fotos und Videos, um einen Dokumentarfilm zu erstellen. Es ist ein sehr persönliches Thema für sie. Schon ihre Masterarbeit verfasste sie über den Aktivisten Paul Watson und Sea Shepherd, die von ihm gegründete Stiftung.
«Ich habe mich dieser Mission angeschlossen, weil ich es für wichtig halte, die Realität des kommerziellen Walfangs zu dokumentieren und die Öffentlichkeit für dieses Problem zu sensibilisieren.» Walfang ist international geächtet, mit Ausnahme von drei Ländern: Norwegen, Japan und Island. Die isländische Regierung plant, im Herbst einen Gesetzentwurf zum Verbot des Walfangs einzubringen.
Handys beschlagnahmt
Den Aktivistinnen und Aktivisten auf der Bandero werden Medienberichten zufolge «Verstösse gegen internationales Seerecht und die Gefährdung der maritimen Sicherheit» vorgeworfen. Die isländische Polizei hat die Ausweisung der Aktivisten und ein Einreiseverbot für sie auf die Insel beantragt.
Die Stiftung prangert das «Festhalten» der Besatzung an, deren Dauer die nach isländischen Gesetzen zulässigen 24 Stunden bei weitem überschreite, sowie die Beschlagnahme ihrer Telefone.
Polizeiliche Dokumente sorgen für Verwirrung
«Unsere Handys wurden am Tag unserer Festnahme ohne Haftbefehl beschlagnahmt und sind immer noch nicht zurückgegeben worden. Auch meine Speicherkarten wurden mitgenommen», beklagt sich die Waadtländer Aktivistin. «Wir fordern Transparenz und die Achtung unserer Grundrechte. Wir möchten unseren rechtlichen Status erfahren und wieder Zugang zu unseren persönlichen Gegenständen haben.»
Die Crew kritisiert ausserdem die widersprüchlichen Dokumente, die ihnen die Polizei während der Vernehmung aushändigte. «In einem Dokument war von sofortiger Abschiebung die Rede, in einem anderen von vierwöchiger Quarantäne an Bord, und im letzten wurde uns die Ausreise aus Island verboten», erklärt Rochat. Die Dokumente sollen ausschliesslich in isländischer Sprache verfasst gewesen sein. «Ich halte es für zu riskant, ein Dokument in einer mir unbekannten Sprache zu unterschreiben», so Rochat, die nichts unterschrieben hat.
Die Frau aus dem Kanton Waadt gibt an, ihr sei ein isländischer Anwalt zugewiesen worden, obwohl die Aktivisten darum gebeten hatten, von dem Anwalt der Paul-Watson-Stiftung vertreten zu werden. Sie beteuert zudem, sie habe das Schweizer Konsulat in Island kontaktiert, dieses könne ihr aber nicht helfen.