Darum gehts
- US- und Iran-Vertreter verhandeln seit Freitag über einen Deal
- Satellitenbilder zeigen massive US-Militärpräsenz mit Kampfjets und Kriegsschiffen
- Militärischer Druck der USA als Abschreckung, Verhandlungen könnten abrupt scheitern
Sie verhandeln miteinander – im Hintergrund stehen die Panzer bereit. US‑amerikanische und iranische Unterhändler trafen sich am Freitag im Oman, um an einem neuen Deal zu feilen. Die Realitäten sind widersprüchlich. Auf der einen Seite gibt es Gespräche, auf der anderen prägt ein massiver, militärischer Aufmarsch der USA das Bild im Nahen Osten.
Neue Satellitenbilder zeigen Kampfjets, Kriegsschiffe und elektronische Waffensysteme in Stellung – für den Militärexperten Ralph Thiele ein klares Signal, dass Washington längst weiter plant als nur für Gespräche. «Diplomatie wird Trump nicht abhalten», erklärt Thiele am Donnerstag gegenüber Blick.
«Mullahs suchen nach Überlebensweg»
Klemens Fischer (61), Geopolitik-Experte an der Universität zu Köln, glaubt, dass der Aufmarsch vor allem als Druckmittel für die Gespräche diene.
Der ehemalige Diplomat erklärt gegenüber Blick: «Die aktuellen Gespräche sind als Erfolg zu werten, der beiden Seiten zugesprochen werden muss. Aus Sicht des Iran hat man vorerst den Angriff der USA abwenden können, der schon alleine aufgrund der aufgebotenen Waffensysteme eine vernichtende Wirkung entfalten könnte.»
Fischer glaubt, dass es vorerst bei Verhandlungen bleibt. «Die USA können es als Erfolg verbuchen, dass das Mullah-Regime den Verhandlungsweg einschlägt und offensichtlich nach Überlebenswegen sucht.»
«Massiver, militärischer Druck»
Beide Experten sind sich jedoch einig, dass Washington derzeit nicht nur blufft. Der militärische Aufmarsch ist real und operativ durchdacht. «Die Amerikaner haben das sorgfältig geplant. Jetzt sind sie da», erklärte Thiele. Fischer ergänzt: «Die USA bauen einen massiven militärischen Druck auf, der im Vergleich zum 12-Tage-Krieg 2025 eine andere Dimension hat.»
Wie Thiele ist auch Fischer vom Kampfflugzeug mit dem Namen Warzenschwein beeindruckt. «Dabei handelt es sich um das kampferprobteste Erdkampfflugzeug der US-Air-Force. Sein Einsatz dient der Bekämpfung von Bodenzielen, insbesondere von gepanzerten Fahrzeugen.»
Bodeneinsatz muss sorgfältig abgewogen werden
Die Frage, wie und wann eingegriffen wird, hänge jedoch von der Grundentscheidung ab – isolierte Luftschläge oder kombinierte Luftschläge mit Bekämpfung von Bodenzielen. US-Bodentruppen in grösserer Zahl sind derzeit nicht stationiert, sodass unklar bleibt, gegen wen iranische Bodentruppen im Ernstfall kämpfen würden. Da dieses Szenario grosse Risiken birgt, werden die USA nur angreifen, wenn die Lage «unabdingbar» ist.
Aktuell nehmen für die USA, Trump-Schwiegersohn Jared Kushner (45) und US-Sondergesandter Steve Witkoff, an den Iran-Gesprächen teil. Für Fischer ein Zeichen der Ernsthaftigkeit. «Es lässt darauf schliessen, dass zumindest der grundsätzliche Versuch einer friedlichen Lösung gemacht wird.»
«Drohkulisse bleibt präsent»
Gleichzeitig setzen die USA nach wie vor auf militärische Abschreckung. «Die Drohkulisse bleibt präsent», stellt Fischer klar.
Bei den Gesprächen geht es aus iranischer Sicht um das umstrittene Atomprogramm und eine mögliche Lockerung von Sanktionen. Die USA drängen hingegen darauf, dass auch Irans Raketenprogramm sowie die Unterstützung von Irans Verbündeten wie der Hamas, der Hisbollah-Miliz im Libanon und der Huthi im Jemen Themen sein müssen.