Es war Völkermord!
Ratko Mladic (74) zu lebenslanger Haft verurteilt

Der bosnische Serbenführer Ratko Mladic (74) ist für eines der schlimmsten Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Am Mittwoch wurde der Ex-General vom Gericht in Den Haag schuldig gesprochen. Das Urteil: lebenslange Haft.
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Daniel Riedel

Auf der Anklagebank wirkte Ratko Mladic (74) wie ein mürrischer Rentner. Mit stoischer Ruhe folgte er den Ausführungen der Richter vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (NL). Ihn schienen die Schilderungen der Ankläger kalt zu lassen, dabei ist Mladic für eines der schlimmsten Menschenrechtsverbrechen seit Ende des Zweiten Weltkriegs verantwortlich.
Dementsprechend hart fiel das Urteil der Richter in Den Haag heute aus: lebenslange Haft!

Bei der Urteilsverkündung zeigte dann Mladic doch Emotionen. Er stand auf und rief mehrfach dem Gericht dazwischen. Die Folge: Er wurde aus dem Gerichtssaal geworfen.

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Zeigt keine Reue: Mladic vor der Urteilsverkündung.
Foto: Reuters

Als bosnischer Serbenführer schrieb der Ex-General im Sommer 1995 als «Schlächter von Srebrenica» dunkle Geschichte. Seine Streitkräfte überfielen die bosnische Stadt, die damals eine moslemische Enklave war und eigentlich durch UN-Truppen geschützt wurde. Doch statt einzugreifen, schauten die niederländischen Blauhelme einfach nur zu!

Alle Männer wurden ermordet

Das Ergebnis: ein bestialischer Genozid. Muslimische Jungen und Männer wurden von ihren Frauen, Müttern und Schwestern getrennt, in Schulen und Scheunen gesperrt – und der Reihe nach erschossen. Wer in die nahen Wälder flüchten konnte, wurde von Mladics Einheiten auf Landstrassen liquidiert. Innert einer Woche starben rund 8000 muslimische Männer und Jungen. Das jüngste Opfer war 14 Jahre alt. Bis heute sind nicht alle Toten geborgen, immer noch werden rund um Srebrenica Massengräber entdeckt.

Mit seinem Massaker verfolgte Mladic den barbarischen Plan eines «Gross-Serbien» – ethnisch rein, frei von Kroaten und Muslimen. Wie perfide er vorging, zeigte sich Tage vor dem Massenmord. Er besuchte die belagerte Stadt, tauschte sich mit den UN-Schutztruppen aus und verteilte Süssigkeiten an die verängstigten Kinder. Dabei lächelte Mladic milde in die Kameras. Warum er nur zwei Tage später die Stürmung Srebrenicas befahl, ist bis heute nicht geklärt.

Nach 16 Jahren Flucht geschnappt

Fakt ist: Schon Ende 1995 wurde der Ex-General als Hauptschuldiger für die massiven Kriegsverbrechen im Balkan-Krieg (1992–95) vom Haager Kriegsverbrechertribunal angeklagt. Doch Mladic tauchte unter und wurde erst im Mai 2011 nach 16 Jahren Flucht in einem Haus von Verwandten in Nord-Serbien geschnappt. Seitdem sitzt er in den Niederlanden im Knast. Ein Jahr später wurde das erste Verfahren gegen ihn eröffnet.

Vor Gericht bestreitet der Ex-General alle Vorwürfe, sagt nur: «Ich bin unschuldig.» Seine Anwälte bombardierten das Gericht seit Prozessbeginn mit mehr als 950 Einsprachen. Nach Ansicht der Opfer des Völkermordes gehört er für immer hinter Gitter. «Seine Verurteilung muss ein Signal sein, dass solche Verbrechen nicht ungesühnt bleiben. Die Höchststrafe wäre eine Form der Gerechtigkeit», sagt Kada Hotic von der Vereinigung «Mütter von Srebrenica».

Für viele Serben weiter ein Held

Dennoch: Trotz oder gerade wegen seiner Verbrechen wird Mladic in seinem Heimatland als Legende verehrt. Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik gab erst gestern zu Protokoll: «Ein negatives Urteil wird nur den Mythos von Ratko Mladic verstärken.»

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