Putins Isolation bröckelt – der Westen ruft wieder an
Osteuropa-Experte Ulrich Schmid ordnet ein: «In Europa gibt es unterschiedliche Positionen»

Jahrelang war Wladimir Putin im Westen diplomatisch geächtet. Doch jetzt suchen immer mehr Staatschefs wieder den Kontakt zum Kremlchef. Sechs Entwicklungen zeigen, wie die Isolation bröckelt.
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Der Westen streckt die Hand nach Russland aus. Doch wie salonfähig ist Putin wirklich?
Foto: imago images/UPI Photo

Darum gehts

  • Immer mehr Staats- und Regierungschefs suchen wieder direkten Kontakt zu Wladimir Putin im Kreml
  • Donald Trump sucht den Draht zum Kreml, die USA erlauben Dieselgeschäfte unter Auflagen mit Russland
  • China und Indien bauten Beziehungen zu Moskau aus, bei Krieg und Sicherheit gilt Moskau als nötig
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Trotz Bombenhagels auf die Ukraine: Wladimir Putin (74) ist zurück auf dem internationalen Parkett. Im vierten Kriegsjahr bröckelt die Isolation des Kremlchefs unübersehbar. Was vor kurzem noch undenkbar schien, wird wieder Realität: Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre (66) und Finnlands Staatspräsident Alexander Stubb (58) telefonierten mit Putin. Osteuropa-Experte Ulrich Schmid erklärt: «Putin hat aktiv nach der Vernetzung gesucht.»

Wie die «New York Times» berichtet, suchen immer mehr Staats- und Regierungschefs wieder den direkten Draht zu Putin. Allen voran US-Präsident Donald Trump (80). Blick ordnet ein, welche Zeichen die Isolation durchbrechen.

Europas Regierungschefs greifen zum Hörer

In Europa wächst die Bereitschaft zum direkten Gespräch. Beim Telefonat zwischen Putin und den Regierungschefs von Norwegen und Finnland ging es um den Ukraine-Krieg und die Sicherheit Europas. Dafür hagelte es Kritik aus Skandinavien – völlig zu Recht, sagt Osteuropa-Experte Ulrich Schmid: «Schweden und Dänemark haben die norwegisch-finnischen Gespräche mit Russland kritisiert. Das ernüchternde und vorhersehbare Resultat der Gespräche gibt ihnen recht.»

Der mangelnde gemeinsame Nenner sei an den missglückten Gesprächen schuld: «Letztlich ist im Moment jeder Verhandlungsversuch mit Moskau völlig sinnlos, denn es gibt keine gemeinsame Sprache.» Die Vorstösse zeigen die Spaltung Europas: «Von einer Einigkeit des Westens kann man nur bedingt sprechen, die transatlantische Achse ist zerbrochen und in Europa gibt es unterschiedliche Positionen», so Schmid.

Moskau empfängt wieder Staatsgäste

Bilder schaffen Fakten: Ausländische Politiker reisen wieder direkt in den Kreml. Darunter sind Regierungschefs der Slowakei, Vietnams, Äthiopiens und Benins. Diese Staatsbesuche wiegen schwerer als die eigentlichen Gesprächsinhalte. Sie signalisieren der Weltöffentlichkeit: Russland bleibt ein Machtfaktor, an dem niemand vorbeikommt.

Trump öffnet die Tür zum Westen

Die treibende Kraft heisst Donald Trump. Der US-Präsident sucht den direkten Draht zum Kreml und rüttelt an der bisherigen Russlandpolitik des Westens. Diese Annäherung verschafft Putin enormes diplomatisches Gewicht.

«Der grosse Gewinn, den Putin aus Trumps Russlandpolitik zieht, ist, dass er gegenüber dem Ausland und dem Inland signalisieren kann: Schaut her, ich bin jemand. Trump empfängt mich, rollt mir buchstäblich den roten Teppich aus und applaudiert mir. Das ist tatsächlich in Alaska 2025 passiert», so Schmid in seiner Einschätzung. Das Signal: Der Kremlchef verhandelt wieder auf Augenhöhe mit Washington.

Sanktionen weichen auf

Auch bei der Wirtschaft bröckelt die Front. Die USA erlauben unter bestimmten Bedingungen wieder Geschäfte mit russischem Diesel. Für Moskau bedeutet das willkommene Einnahmen – und den Beweis, dass der wirtschaftliche Druck nachlässt.

Hinzu kommt eine gemeinsame Weltsicht: «Trump und Putin haben ähnliche Vorstellungen darüber, wie die Welt geordnet werden soll und welche Stellung ein starker Präsident im eigenen Land haben sollte», so Schmid. Der Experte spricht von einer «Grossraumpolitik, die sowohl in Moskau als auch in Washington eine Renaissance erlebt».

Das Netzwerk ausserhalb des Westens hält

Russland war nie völlig isoliert. Schwergewichte wie China und Indien bauten ihre Beziehungen zu Moskau kontinuierlich aus. Schmid sagt: «China nimmt eine Position ein, die man als prorussische Neutralität bezeichnen kann.» Putin stützt sich längst auf stabile Partnerschaften in Asien und im globalen Süden – neben Peking und Neu-Delhi gehört auch Teheran dazu.

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