Darum gehts
- Eine ukrainische Brigade meldet die erste Front-Evakuierung eines Verletzten direkt per Drohne
- Minen und feindliche Drohnen machten eine Rettung mit Trage oder Bodenfahrzeug zuvor unmöglich
- Der Hexacopter flog 62 Kilometer in 74 Minuten – der Hersteller nennt Luftrettung letzte Option
Erstmals soll ein verwundeter Soldat in einem Kampfgebiet mit einer Flugdrohne direkt von der Front evakuiert worden sein. Die ukrainische Armee spricht von einem «historischen Ereignis». Die Rettungsaktion zeigt, wie weit die Drohnentechnologie im Krieg inzwischen geht – und wie sie im entscheidenden Moment Leben retten kann.
Veröffentlicht wurden die Aufnahmen am Montag von der 92. ukrainischen Sturmbrigade. Das Video zeigt, wie eine grosse Drohne auf einen verwundeten Infanteristen zufliegt und sich vorsichtig zu ihm absenkt. Der Mann sitzt auf einem Feld, als das Fluggerät in seiner Nähe zum Stillstand kommt. Anschliessend sichert er sich mit Gurten an der Maschine und wird in die Luft gehoben.
Der Soldat hängt unter der Drohne
Unter der Drohne befestigt, fliegt der Verletzte davon. Nach der Landung begrüsst ihn ein Drohnenoperator mit den Worten: «Willkommen zurück auf dem Boden!» Wie der US-Sender NBC News berichtet, war eine herkömmliche Evakuierung zuvor unmöglich gewesen. Die hohe Aktivität feindlicher Drohnen und die zahlreichen Landminen machten es zu gefährlich, den Mann mit einer Trage oder einem unbemannten Bodenfahrzeug abzutransportieren.
Der Soldat wird inzwischen medizinisch behandelt und rehabilitiert. Der Einsatz soll laut Angaben des Herstellers eine Stunde und 14 Minuten gedauert haben. Dabei habe die Drohne 62 Kilometer zurückgelegt, schreibt «Focus».
Was hinter dem fliegenden Lebensretter steckt
Zum Einsatz kam ein sogenannter Hexacopter. Anders als eine klassische Drohne mit nur vier Rotoren verfügt dieses Fluggerät über sechs Propeller, die gemeinsam für Auftrieb und Stabilität sorgen. Die Konstruktion ermöglicht es, deutlich schwerere Lasten zu transportieren als bei handelsüblichen Kameradrohnen.
Die Maschine wurde ursprünglich als schwerer Bomber entwickelt. Der ukrainische Hersteller Gurzuf Defence stellte sie für die Rettungsmission kostenlos zur Verfügung, wie «Focus» berichtet. Für den Transport des Verletzten wurde ein Klettergeschirr verwendet. Es soll verhindern, dass der Soldat unter dem Fluggerät gefährlich hin- und herschwingt.
Rettung aus der Luft bleibt die Ausnahme
Die technische Herausforderung war erheblich: Die Spezialisten mussten sicherstellen, dass die Drohne das zusätzliche Gewicht tragen kann, ohne ins Schwanken zu geraten oder umzukippen. Gesteuert wurde sie laut «Focus» von einem Drohnenpiloten der 30. Mechanisierten Brigade.
So spektakulär die Mission ist, als Routineeinsatz dürfte sich diese Form der Evakuierung kaum eignen. Der Hersteller warnt laut «Focus» vor den Risiken für Verwundete, die während des Flugs ungeschützt in der Luft hängen. Der Luftweg solle deshalb das letzte Mittel bleiben, wenn andere Rettungsmöglichkeiten ausscheiden.