Er prangerte die russische Kriegsführung an, deckte auf, dass im Kampf um die ukrainische Stadt Awdijiwka 16'000 Russen ihr Leben liessen, jetzt ist Andrej Morosow (†44) offenbar ebenfalls tot. Der Kriegsblogger informierte regelmässig auf Telegram über das Geschehen an der Front. Doch ein Post brachte ihm heftige Kritik, wie das russische, kremlkritische Portal «Meduza» berichtet.
Am 20. Februar hatte Morosow auf seinem Kanal erklärt, dass er gezwungen wurde, einen Beitrag zu löschen. Darin hatte er über die starken Verluste der Russen im Kampf um Awdijiwka berichtet. Nicht nur viele Soldaten seien gefallen, auch 300 gepanzerte Fahrzeuge hätten die Russen verloren.
Keine Anzeichen für einen Suizid
Wie «BBC Russian» aufdeckte, geriet er daraufhin ins Fadenkreuz von kremltreuen Sprachrohren, auch von Chef-Propagandist Wladimir Solowjow (59). Er wurde beschimpft, dass er damit «das russische Verteidigungsministerium verleumden» würde. Kurz darauf schrieb der 44-Jährige, dass er sich umbringen und in der selbst ausgerufenen «Volksrepublik Luhansk» begraben werden wolle. Daneben kritisierte er die russische Führung und erklärte, dass es an der Front so gut wie an allem fehlen würde. Waffen, Soldaten und medizinische Versorgung.
Danach soll sich der Blogger das Leben genommen haben. Sein Anwalt Maxim Paschkow steht unter Schock. Er sprach noch am Abend vor dessen Tod mit Morosow. Beim Gespräch habe es keine Anzeigen dafür gegeben, dass sich dieser tatsächlich das Leben nehmen wird.
Nicht der erste mysteriöse Todesfall
Ob der 44-Jährige tatsächlich Suizid begangen hat, ist unklar. Das russische Verteidigungsministerium hat sich bislang nicht zu dem Fall geäussert.
Klar ist nur: Es ist nicht der erste mysteriöse Tod, der für Schlagzeilen sorgt. Die Vize-Chefin von Putins Lieblingszeitung, Anna Zarjowa (†35), eigentlich kerngesund, starb im Dezember 2023 plötzlich. Schon ihr Chef war vor einem Jahr unter ungeklärten Umständen verstorben.
Multimillionär und Putin-Freund Anton Tscherepennikow (†40) starb im Juli 2023 in seinem Büro. Einen Tag zuvor wurde der milliardenschwere Oligarch Igor Kudrjakow (†64) tot in seiner Moskauer Wohnung aufgefunden.
Im Juni stürzte eine russische Bank-Chefin (†28) in Moskau aus dem Fenster und starb. Bereits im Februar starb Marina Jankina (†58), die eine hochrangige Mitarbeiterin des Verteidigungsministeriums war. Auch sie soll aus dem Fenster gestürzt sein. (mgf)
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• Klartext (Anlaufstelle für Fragen rund um den Suizid): erstes Beratungsgespräch kostenlos; 079 450 91 68
• Hausarzt oder Psychiater
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