Darum gehts
- Passagier stirbt auf Flug, Leiche neben Paar platziert
- Flug dauerte noch vier Stunden
- Paar fühlt sich traumatisiert, Qatar Airways untersucht den Vorfall
Endlich nach Italien! Venedig. Auf ihre Reise hatten sich Mitchell Ring und Jennifer Colin lange gefreut. Das Paar stieg in Melbourne, Australien, in den Flieger und los ging es. Die Maschine von Qatar Airways hob ab. Zuerst ging es nach Doha.
Als die beiden Australier in ihrer Viererreihe noch freie Plätze sahen, freuten sie sich. Mehr Platz ist immer gut – gerade auf Langstreckenflügen. Doch dann brach eine Passagierin plötzlich zusammen, als sie aus der Toilette kam. Ein Notfall! Die Crew versuchte noch, das Leben der Frau zu retten. Vergeblich. «Leider konnte die Frau nicht gerettet werden. Das war herzzerreissend mit anzusehen», sagte Ring zum TV-Sender 9Now.
«Dann setzten sie die tote Dame neben mich»
Als klar war, dass die Frau tot ist, wussten die Flugbegleiter nicht, wohin mit der Leiche. Ring weiter: «Sie versuchten, sie in die Businessclass zu bringen, aber sie war eine ziemlich grosse Dame und sie konnten sie nicht durch den Gang bringen.» Dann entdeckten sie mehrere freie Plätze direkt neben Ring. «Wir sassen allein in einer Viererreihe.» Ein Flugbegleiter sei deswegen zu ihnen gekommen und habe ihn gebeten, Platz zu machen. «Dann setzten sie die tote Dame neben mich.»
Das Paar behauptet, das Kabinenpersonal habe ihnen keinen anderen Sitzplatz angeboten. Die restlichen vier Stunden des Fluges verbrachte Ring in derselben Reihe wie die Leiche. Das Paar ist sauer und enttäuscht von Qatar Airways.
Trotzdem versuchen die beiden nun, das Beste aus ihrer Reise zu machen. Schliesslich hatten sie sich so sehr auf Italien gefreut. Auf Nachfrage des australischen TV-Senders teilte Qatar Airways mit, dass man mit dem Paar sprechen werde. Ausserdem werde der ganze Vorfall untersucht. Gleichzeitig sprach die Airline der Familie der Toten ihr Mitgefühl und Beileid aus.
Eine Durchsage an alle Passagiere gibt es nicht
Dass jemand an Bord verstirbt, kann passieren. Deswegen ist die Crew auf einen solchen Fall auch vorbereitet. «Unser fliegendes Personal ist für den Umgang mit medizinischen Notfällen und im äussersten Fall Todesfällen geschult, um sicherzustellen, dass es angemessen auf entsprechende Situationen reagieren kann», sagt Swiss-Sprecherin Silvia Exer-Kuhn zu Blick.
Der Körper des Verstorbenen wird «in sitzender oder liegender Position mit Sicherheitsgurten gesichert, um eine angemessene Stabilität während des Fluges zu gewährleisten». Wichtig dabei: die Würde der verstorbenen Person zu wahren. Exer-Kuhn: «Sofern es die Platzverhältnisse an Bord zulassen, wird die verstorbene Person von den weiteren Passagieren so gut es geht separiert.» Eine Durchsage an alle Passagiere gibt es nicht. Fluggäste, die etwas davon mitbekommen, werden durch die Crewmitglieder betreut und unterstützt.
Währenddessen werden die zuständigen Behörden am Zielort informiert. «Auch für unsere Besatzungen bieten wir zur Verarbeitung eines solchen Ereignisses verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung, inklusive eines medizinischen Dienstes, der psychologische Hilfe leisten kann.»