Darum gehts
- Verdächtige Raketen bei Umspannwerk Jänschwalde in Brandenburg entdeckt
- Selbstgebaute Sprengvorrichtungen sollten offenbar Stromausfall verursachen
- Versorgung blieb stabil, Sicherheitskräfte entschärften alle Gefährdungen
Anschläge auf zwei Umspannwerke in Deutschland: Am Dienstag wurden bei einem Umspannwerk des Kohlekraftwerkes Jänschwalde nahe der Grenze zu Polen am Dienstag mehrere verdächtige Gegenstände gefunden.
Laut der «Märkischen Allgemeinen Zeitung» handelt es sich um Vorrichtungen für mit Sprengstoff bestückte Raketen. Nach Informationen von «Bild» handelt es sich um selbstgebaute Pyro-Raketen.
Bunte Silvesterraketen?
«Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln», so ein Sprecher des Unternehmens, das das Umspannwerk betreibt. «Vor Ort wurden weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden», ergänzte der Sprecher gegenüber «Focus».
Eine Augenzeugin erzählte gegenüber dem Newsportal, dass sie eine Rakete im Wald gesehen habe, die «etwa 40 Zentimeter hoch und bunt» gewesen sei. Der Innenminister Brandenburgs, Jan Redmann, stellte aber klar: «Das waren ganz sicher keine Silvesterraketen. Es hat sich aber nicht um Spezialistenwissen gehandelt, sondern um irgendwas dazwischen.» Was genau, werde noch ermittelt.
Polizei ermittelt wegen Terrorverdacht
Das Umspannwerk soll mindestens einmal von einer solchen Rakete getroffen worden sein, schreibt die «Märkische Allgemeine Zeitung». Eine wortwörtliche «Raketen-Attacke» bestätigte die Polizei nicht. Was aber bestätigt wurde, ist, dass es mindestens eine Detonation gegeben habe.
Ausserdem bestätigte die Polizei mögliche Sachbeschädigungen an einer Leitung. Der Kraftwerksbetreiber Leag spricht von einem Anschlag auf das Umspannwerk.
Zweiter mutmasslicher Anschlag bei Köln
Nach dem mutmasslichen Anschlag in Brandenburg kam es am Dienstagabend auch in einer Anlage der Energieversorger RWE und Amprion in Bergheim bei Köln offenbar ebenfalls zu einer Sabotageaktion an einem Umspannwerk. Fünf RWE- Kohlekraftwerksblöcke mussten vom Netz, wie der Sender WDR berichtete.
Am Mittwoch teilte das Polizeipräsidium in Potsdam schliesslich mit, dass nach der Sabotageaktion in Brandenburg nun wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt werden. Auch wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel werden Ermittlungen aufgenommen.
War es ein Russen-Auftrag?
Noch ist unklar, was genau an den Umspannwerken passiert ist. Eine möglichen Attacke mit einer oder mehreren Drohnen wird jedoch untersucht. Russische Ermittler halten auch einen Auftrag aus Russland für möglich. Zudem gehen sie vom selben Modus operandi aus.
Die Ermittler, die sich mit der Sabotageaktion bei Köln beschäftigen, stehen noch ganz am Anfang ihrer Untersuchungen. Wie «Focus» berichtet, gehe man jedoch eher nicht von einem linksextremistischen Anschlag aus. Vielmehr würden die Strafverfolger eine konzertierte Aktion sogenannter Low-Lewel-Agents im russischen Auftrag für möglich halten, wie ein hochrangiger Ermittler gegenüber dem Nachrichtenportal sagte.