Darum gehts
- Britisches Militär versorgt Hantavirus-Patienten auf Tristan da Cunha per Fallschirmsprung
- Erstmals wurde medizinisches Personal per Fallschirm zu humanitärer Hilfe abgesetzt
- Gesamtflugstrecke der Mission: 9788 Kilometer, darunter 3000 Kilometer bis zur Insel
Gegen diesen Bringdienst kann jeder Apotheken-Lieferservice einpacken: Ein Spezialteam der britischen Armee ist per Fallschirm auf der zu St. Helena gehörende Insel Tristan da Cunha gelandet, um dort einen britischen Hantavirus-Infizierten mit Medikamenten zu versorgen. Das schreibt die britische Armee in einer Medienmitteilung.
Ein Team aus sechs Fallschirmjägern und zwei Sanitätern der 16. Luftlandebrigade sprang aus einem Transportflugzeug vom Typ A400M der Royal Air Force ab. Fast zeitgleich wurden lebenswichtige Sauerstoffvorräte und weitere medizinische Hilfsgüter über der abgelegenen Insel abgeworfen, heisst es in der Mitteilung.
Aussenministerin bedankt sich
Es ist das erste Mal, dass das britische Militär medizinisches Personal per Fallschirmsprung zur humanitären Hilfe eingesetzt hat. Tristan da Cunha, eine Gruppe vulkanischer Inseln im Südatlantik, ist Grossbritanniens abgelegenstes bewohntes Überseegebiet. Es ist nur per Boot erreichbar, verfügt über keine Landebahn und hat 221 Einwohner.
«Ich bin den Angehörigen der Streitkräfte und der Royal Air Force zutiefst dankbar, die schnell gehandelt haben, um Tristan da Cunha dringend benötigte medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Diese aussergewöhnliche Operation unterstreicht unser unerschütterliches Engagement für die Bevölkerung unserer Überseegebiete und für britische Staatsangehörige, wo immer sie sich befinden», sagte Aussenministerin Yvette Cooper (57) zu der spektakulären Operation.
45 Tage Isolation für «Hondius»-Passagiere in Grossbritannien
Da die Sauerstoffvorräte auf der Insel kritisch niedrig waren, war ein Abwurf von medizinischem Personal die einzige Möglichkeit, dem Patienten rechtzeitig lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen, teilt die britische Armee weiter mit. Das Militärteam flog 6788 Kilometer von der Luftwaffen-Basis Brize Norton zur Insel Ascension. Anschliessend flogen die Flugzeuge über 3000 Kilometer nach Tristan da Cunha, wo die Soldaten mit dem Fallschirm absprangen. Ein Voyager-Flugzeug betankte die A400M in der Luft.
Die Wetterbedingungen auf Tristan da Cunha können ausserordentlich herausfordernd sein, wobei die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten oft 40 Kilometer pro Stunde überschreiten und somit schwierige Bedingungen für die Fallschirmjäger darstellen.
Die Mission findet statt, während die britische Regierung weiterhin mit internationalen Behörden zusammenarbeitet, um auf den Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» zu reagieren. Britische Passagiere des Seuchenschiffs werden am Sonntag von der «MV Hondius» mit einem Sonderflug nach Grossbritannien zurückgeführt. Alle britischen Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord der «MV Hondius» werden nach ihrer Rückkehr nach Grossbritannien für 45 Tage isoliert und engmaschig überwacht. Die Nachverfolgung von Personen, die möglicherweise Kontakt zu Infizierten hatten und inzwischen nach Grossbritannien zurückgekehrt sind oder sich in britischen Überseegebieten aufhalten, läuft.