Darum gehts
- Selenski droht Orban wegen blockiertem EU-Kredit von 90 Milliarden Euro
- Ungarn kritisiert Selenskis Aussagen als Erpressung und unakzeptable Drohungen
- Pipeline-Schaden durch Drohnen: Reparatur laut Ukraine frühestens Mitte April
Im Streit über einen von Ungarn blockierten EU-Kredit droht der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban (62). «Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden», sagte Selenski nach einer erweiterten Regierungssitzung in Kiew. Der Staatschef betonte, dass sein Land zum EU-Kredit keine Alternative habe.
In Ungarn wurde umgehend auf die Äusserung reagiert. «Diese Drohungen und Erpressungen von Selenski gehen weit über jedes akzeptable Limit hinaus», schrieb Orbans Pressesprecher Zoltan Kovacs auf der Plattform X. Persönliche Emotionen hätten nichts in Angelegenheiten wie dieser zu suchen. Ungarn werde sich nicht einschüchtern und erpressen lassen.
Selenski: «Unser Wort reicht»
Budapest blockiert die Freigabe des EU-Kredits aufgrund des eingestellten Transits über die Erdölpipeline «Druschba» (Freundschaft). Ukrainischen Angaben nach wurde diese durch einen russischen Drohnenangriff Ende Januar auf ein Tanklager bei der westukrainischen Stadt Brody beschädigt.
Ungarn und auch die ebenfalls vom Transitstopp betroffene benachbarte Slowakei zweifeln diese Angaben an und fordern Zugang für eine Expertenkommission der Europäischen Union. Selenski verweigerte diesen unter Verweis auf ukrainische Experten. «Ich denke, dass unser Wort reicht», sagte er und stellte eine Reparatur frühestens Mitte April in Aussicht.