01_VORLAGE_REDAKTION_CC23_V2.00_00_23_32.Standbild001.jpg
2:19
Aleksandra (27) wählt in Bern:«Wollen der Welt zeigen, dass nicht jeder Russe für Putin ist»

«Nicht unser Präsident»
Nawalnaja ruft zur Nichtanerkennung Putins auf

Die Russen gingen vergangenes Wochenende an die Urne, obwohl der Sieger schon lange feststand: Wladimir Putin. Bei den Scheinwahlen soll er es auf 87 Prozent gebracht haben. Bei den Schweiz-Russen war die Zustimmung deutlich niedriger.
Kommentieren
1/17
Die Schlange vor der Botschaft in Bern wird immer länger.
Foto: RMS

Dass die Präsidentschaftswahlen in Russland eine abgekartete Sache sind, ist klar. Kreml-Chef Wladimir Putin (71) will sich eine weitere Amtszeit sichern – und diese womöglich auf Lebenszeit ausdehnen. Putin ist einer von vier Kandidaten auf dem Wahlzettel, die Konkurrenz hat keine reelle Chance.

Protest wird gnadenlos unterdrückt. Umso mutiger sind diejenigen, die sich trauen, gegen Kreml und Machthaber aufzubegehren. Ein Video, das in den sozialen Medien kursiert, soll eine junge Frau zeigen, die in Moskau Tinte in eine Wahlurne schüttet. Sofort stürmen Sicherheitskräfte herbei und nehmen sie fest.

Bildschirmfoto 2024-03-15 um 16.27.43.png
0:15
Video aus Moskau:Hier schüttet eine Frau Tinte in die Wahlurne

In den Regionen Kursk und Rostow am Don sollen zudem manipulierte Stifte zum Einsatz gekommen sein, deren Tinte unter Hitzeeinfluss verschwinden soll. So können die regimetreuen Wahlleiter angeblich Stimmzettel nachträglich ändern. Unabhängig verifizieren lässt sich diese Behauptung, die in den sozialen Medien aufkam, nicht.

Bildschirmfoto 2024-03-15 um 17.13.58.png
0:10
Schwere Vorwürfe auf Social Media:Hier verschwindet die Tinte vom Wahlzettel

Ansonsten wird schon an Tag eins von drei klar, dass die Scheinwahl mancherorts einen Spektakel-Charakter bekommt. BBC-Journalist Francis Scarr hat in einem Thread auf X einige kuriose Momente aus Wahllokalen in Russland gesammelt. Blick listet die skurrilsten Vorfälle auf.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
1

Sänger tritt in Wahllokal auf

Der bekannte Sänger Stas Michailow (54) trat am Freitag begleitet von einer Schar bunt gekleideter Background-Sängerinnen in einem Wahllokal in Omsk auf. Michailow ist als Befürworter der Invasion in der Ukraine bekannt: Musikerkollegen, die Russland nach der Invasion verlassen haben, würden schon bald «auf ihren Knien zurückkriechen». Russlands berühmteste Sängerin Alla Pugatschowa (74), bekennende Kriegsgegnerin, ging auf Michailows Polemik ein und nannte ihn ein «Arschloch». Auch an Tag zwei und drei wird Michailow im Wahllokal auftreten.

2

Tucker-Carlson-Pappaufsteller

Im zum Wahllokal umfunktionierten Judozentrum von Tjumen wurde ein Papp-Aufsteller des US-amerikanischen Moderators Tucker Carlson (54) gesichtet. Wer sich schon immer mal mit dem Ex-Fox-News-Host fotografieren lassen wollte, konnte dies tun – nachdem er oder sie seine Stimme abgegeben hatte. Örtliche Behörden gingen sogar so weit, mitzuteilen, dass «jeder Wähler» nach der Stimmabgabe ein Foto mit ihm gemacht habe. Andernorts in Tjumen kam eine Frau zur Wahl, die sich und ihre Tochter als Barbie verkleidet hatte.

Carlson hatte Putin im Februar interviewt und dafür international viel Kritik einstecken müssen. Russlands Präsident hatte im Gespräch wirre Lügen verbreitet und einen halbstündigen historischen Exkurs vorgenommen.

3

Zeichentrickfigur geht wählen

Im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen, östlich dem Uralgebirge, durfte ein Wähler in einem Kostüm der sowjetischen Zeichentrickfigur Tscheburaschka wählen. «Ein Wähler kam als Tscheburaschka verkleidet, eines unserer kulturellen russischen Symbole, in eines unserer Wahllokale. Er sorgte für eine festliche Atmosphäre vor Ort», zitiert Neft.Media den Vorsitzenden der Wahlkommission der Verwaltungseinheit, Denis Kornejew. Kornejew brachte zudem seine Freude über die hohe Wahlbeteiligung zum Ausdruck. Es war nicht das einzige Mal, dass Kostümierte ihre Stimme abgaben. In Burjatien tauchte eine Person in einem grossen Biberkostüm auf.

4

Hochzeit und dann wählen

In Jakutien wurde ein frisch verheiratetes Ehepaar gesichtet, dass direkt nach der Vermählung zum Wahllokal weiterzog. Laut Medienberichten erhielten Daria und Dimitri Timoschenko vor Ort Standing Ovations. Die örtliche Wahlkommission soll «Herzlichen Glückwunsch» skandiert haben.

5

Väterchen Frost an der Urne

Ein als Väterchen Frost, dem russischen Pendant zum Weihnachtsmann, verkleideter Mann wurde von der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti gefilmt, wie er seine Stimme gab. Russisch-orthodoxe Christen feiern Weihnachten eigentlich am 7. Januar und nicht Mitte März.

6

Gratis-Crêpe in Archangelsk

Wählerinnen und Wähler bekamen laut «Sota» in Archangelsk im Anschluss an den Urnengang eine Crêpe in die Hand gedrückt – gratis versteht sich. Dort traten zudem mehrere Frauen in Volkskleidung auf und führten traditionelle Tänze vor.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen