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Einsätze in der Ukraine:Videos zeigen Angriffe von Geran-3-Drohnen

Sie könnten auch uns treffen
Putins neuste Killerdrohne tötet mit Schweizer Technik

Die «Geran-3» ist die gefährlichste Drohne in Putins Arsenal. Eine neue Geheimdienstuntersuchung zeigt: Das Killergerät fliegt nur dank Schweizer Technik. Die beiden betroffenen Firmen sagen, man könne nichts gegen den Missbrauch tun.
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In der neuen Geran-3-Drohne sind mindestens sieben Bauteile aus Schweizer Produktion enthalten.
Foto: TV Zvezda

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Produkte in russischen Drohnen gefunden, trotz geltender Sanktionen
  • Ukrainischer Geheimdienst entdeckt Komponenten von ST Microelectronics und U-Blox
  • Russland feuerte im Juli 6129 Killerdrohnen auf ukrainische Ziele ab
Samuel Schumacher, Ausland-Reporter Blick
Samuel SchumacherAusland-Reporter

Sie sorgen in Europa für Angst und töten in der Ukraine jeden Tag Menschen: Wladimir Putins (72) Drohnen sind eines der grössten Übel unserer Zeit. Keine davon ist übler als die «Geran-3», eine gut drei Meter lange, 200 Kilogramm schwere Waffe, die Russland auf Basis der iranischen Shahed-238-Drohne gebaut hat. Sie ist das neuste Prunkstück in Putins tödlichem Drohnenarsenal. Dank ihres Turbostrahltriebwerks fliegt sie bis zu 600 km/h schnell: zu schnell für viele Drohnenabwehrsysteme.

Brisant: Der ukrainische Geheimdienst GUR hat eine der abgefangenen Geran-3 genau untersucht und darin sieben Schweizer Produkte gefunden – trotz geltender Sanktionen. Die unfreiwillige helvetische Hilfe für Putins Waffenschmiede könnte nun aber zum tödlichen Bumerang werden. Denn dank einer neuen Startrampe könnten die Drohnen bald sogar Ziele in der Schweiz treffen.

Memory-Chips und GPS-Module aus der Schweiz

Schweizer Bauteile sind in den vergangenen Jahren wiederholt in russischen Waffensystemen gefunden worden. Die Geran-2, der Vorgänger von Putins neuem Top-Killer, fliegt mit Schweizer Bestandteilen. Auch in den kürzlich in Polen abgeschossenen Gerbera-Aufklärungsdrohnen sind Schweizer Chips verbaut.

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Geran-3 (im Bild) ist der iranischen Shahed-238-Drohne nachempfunden.
Foto: zVg

Doch trotz aller geltenden Sanktionen: Auch Putins neuster, in den vergangenen Wochen erstmals eingesetzter Top-Killer fliegt nur dank Schweizer Technik. Betroffen von der neusten Geheimdienst-Enthüllung sind das Unternehmen ST Microelectronics mit Sitz im Kanton Genf und die Thalwiler Firma U-Blox, deren Bauteile auch schon in früheren Russen-Drohnen gefunden worden sind. In der untersuchten Geran-3-Drohne waren ein Memory-Chip, vier Mikrokontroller (Mini-Computer) und ein Spannungsregler von ST Microelectronics verbaut sowie ein Modul zum Empfang von GPS-Signalen aus den Produktionshallen von U-Blox.

ST Microelectronics sagt auf Blick-Anfrage, man beliefere mehr als 200'000 Kunden weltweit – immer unter Einhaltung aller geltenden Handelsregeln. 2022 habe man zusätzliche Massnahmen ergriffen, um die gegen Russland verhängten Sanktionen zu befolgen. «Wir haben keine Niederlassung mehr in Russland», sagt ST-Microelectronics-Sprecher Ronan Mulvaney.

Glättli: «Firmen haben Verpflichtungen verletzt»

U-Blox-Sprecher Sven Etzold schreibt: «Unmittelbar nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 stoppte U-Blox alle Verkäufe nach Russland, Weissrussland und in die von der russischen Armee besetzten Gebiete in der Ukraine, unabhängig vom Verwendungszweck.» Kürzlich habe U-Blox zudem beschlossen, keine Produkte mehr an Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion (einer Freihandelszone mit Russland) zu verkaufen.

Das einst an der ETH gegründete Unternehmen U-Blox betont, die in der Drohne gefundenen Bestandteile müssten entweder vor Inkraftreten der Sanktionen erworben, aus Lagerbeständen von Kunden an Moskau verkauft, nach Russland geschmuggelt oder aus zivilen Endprodukten (beispielsweise E-Scootern oder Autos) aus- und in die Waffensysteme eingebaut worden sein.

Balthasar Glättli (53) lässt diese Angaben nicht gelten. Der Grünen-Nationalrat aus Zürich kämpft seit Jahren gegen Waffenverkäufe ins Ausland und für strengere Export-Regelungen. Bereits vor drei Jahren hatten britische Forscher öffentlich gemacht, dass Komponenten von Schweizer Firmen in russischen Waffen verwendet werden, sagt Glättli. «2022 konnte man ja vielleicht noch sagen: alte Bestände. Niemand konnte wissen, dass Putin diesen Krieg vom Zaun reisst. Aber heute?» Für Glättli ist klar: «Diese Firmen haben ihre Verpflichtung verletzt, dafür zu sorgen, dass ihre Güter nicht für den russischen Angriffskrieg missbraucht werden!»

Selenskis eindringliche Warnung an den Westen

Ähnlich sieht das der Zürcher SP-Nationalrat Fabian Molina (35). Er sieht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in der Verantwortung. Es sei zentral, dass die bestehenden Sanktionen konsequent umgesetzt werden und dass Schweizer Firmen ihre Sorgfaltspflicht ernst nehmen, um den russischen Angriffskrieg nicht zu unterstützen. «Das Seco muss mehr tun, um die Schweizer Wirtschaft dahin zu bringen.»

Erst vergangene Woche warnte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (47) bei seiner Ansprache vor der Uno vor der wachsenden Gefahr russischer Drohnenangriffe. Die Welt werde gerade Zeuge eines gefährlichen Drohnen-Wettstreits, der immer tödlichere Produkte hervorbringe, die auch Ziele im Westen treffen könnten.

Wie weit die mit einem Strahltriebwerk verstärkte Geran-3-Drohne tatsächlich fliegen kann, ist unklar. Ihr Vorgänger, die Geran-2, hat eine Reichweite von über 2000 Kilometern. Die neuen Startrampen, die Russland laut Satellitenbild-Experte Brady Africk derzeit nur 35 Kilometer von der ukrainischen Grenze weg baut, könnten damit zum Ausgangspunkt für Terrorangriffe auf westeuropäische Ziele werden.

Schweiz liegt in Reichweite russischer Drohnen

Auch die Schweiz läge locker in Reichweite der Russen-Drohnen, die mit bis zu 90 Kilogramm Sprengstoff bestückt auf ihre Ziele herunterdonnern.

Wie wenig vorbereitet Europa auf die Bedrohung durch russische Drohnen ist, zeigt der ungewöhnliche Besuch ukrainischer Offiziere diese Woche in Dänemark. Statt zu Hause ihr Land zu verteidigen, müssen die Militärs aus dem Kriegsland ihren westlichen Kollegen in Kopenhagen dieser Tage erklären, wie man Putins Drohnen effizient bekämpft. Im Idealfall würden die Offiziere auf ihrem Rückweg auch einen Stopp in Bern einlegen.

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