Prozess um Kriegsverbrechen
Kosovos Ex-Präsident zu 25 Jahren Haft verurteilt

Der kosovarische Ex-Präsident Hashim Thaçi wurde in Den Haag zu 25 Jahren Haft verurteilt.
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Hashim Thaçi war von 2008 bis 2014 der erste Ministerpräsident der Republik Kosovo seit ihrer Unabhängigkeitserklärung. Zwischen 2016 und 2020 war er Präsident der Republik Kosovo.
Foto: keystone-sda.ch
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Janine EnderliRedaktorin News

Das Urteil wurde mit Spannung erwartet: Vor dem Kosovo-Sondertribunal in Den Haag fiel am Mittwoch das Urteil im Verfahren gegen den früheren kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi (58) und drei Mitangeklagte. Ihnen wurden Kriegsverbrechen und Folter vorgeworfen. Um kurz vor zwölf dann die Nachricht: Thaçi wird zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt. 

Darum geht es

Die Vorwürfe umfassten unter anderem Mord, Folter, Entführung und willkürliche Inhaftierungen. Laut Anklage sollen die Taten zwischen 1998 und 1999 an zahlreichen Orten im Kosovo sowie in Nordalbanien begangen worden sein. Betroffen gewesen seien unter anderem Zivilisten und Personen, die als Gegner oder Unterstützer der serbischen Seite angesehen wurden.

Im Mittelpunkt stand dabei die UÇK, die «Kosovo-Befreiungsarmee» (Kosovo Liberation Army). Die bewaffnete Organisation kämpfte Ende der 1990er-Jahre für die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien. Thaçi war damals ein führender politischer Vertreter der UÇK. 

Hier kommt auch die Schweiz ins Spiel. Während Thaçi bei der UÇK aufstieg, lebte er jahrelang in der Schweiz. Von 1994 bis 1998 war der spätere Kosovo-Präsident hier im Exil, erhielt politisches Asyl und studierte an der Universität Zürich Politikwissenschaft. 1998 verliess Thaçi die Schweiz und kehrte in den Kosovo zurück.

Verteidigung weist Vorwürfe zurück

Die Positionen der Prozessparteien unterschieden sich grundlegend. Die Anklagebehörde argumentierte, dass Thaçi in seiner damaligen Rolle als politischer Sprecher Teil einer effektiven Kommandostruktur war und damit eine direkte Verantwortung für die Taten trage.

Thaçis Verteidigung wies die Vorwürfe zurück und betonte, UÇK sei eine dezentrale Guerillabewegung ohne feste Struktur gewesen. Hinsichtlich des weiteren Vorwurfs der Zeugenbeeinflussung erklärte die Verteidigung, es habe keine Drohungen oder unzulässigen Einwirkungen von Seiten Thaçis gegeben. 

Darum wurde ein Sondergericht eingerichtet

Das Sondergericht in Den Haag wurde nach internationalem Druck eingerichtet, da eine unabhängige, juristische Aufarbeitung hochrangiger UÇK-Mitglieder im Kosovo vor Ort als nicht vollumfänglich gewährleistet galt.

Dem Urteil wird eine hohe politische Bedeutung für das Verhältnis zwischen Serbien und dem Kosovo sowie für die Bewertung der Rolle internationaler Akteure während der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien beigemessen.

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