Darum gehts
- Paul Biya regiert Kamerun seit 1982 und wäre am Ende seiner neuen Amtszeit 2032 99 Jahre alt
- Nach der Wahl erklärte der Verfassungsrat Biya zum Sieger, danach kam es zu Protesten im Land
- Biya hält sich häufig in der Schweiz auf und kehrt in Genf oft im Hotel InterContinental ein
Paul Biya regiert Kamerun seit 1982. Endet seine Amtszeit 2032, ist der Präsident 99 Jahre alt. Für viele Kameruner ist er der einzige Präsident, den sie je erlebt haben. Das Durchschnittsalter im Land liegt bei gerade einmal 18 Jahren.
Während eine junge Generation um ihre Zukunft kämpft, hält sich Biya trotz seiner achten Amtszeit immer wieder für längere Zeit in der Schweiz auf. Besonders Genf ist ein regelmässiges Ziel des Langzeitpräsidenten.
Wer ist das alte Staatsoberhaupt?
Paul Biya wurde am 13. Februar 1933 im Süden Kameruns geboren. Nach seiner Ausbildung in Kamerun und Frankreich machte er Karriere im Staatsapparat. 1975 wurde er Premierminister. Als der damals 58-jährige Präsident Ahmadou Ahidjo 1982 aus Altersgründen zurücktrat, übernahm Biya die Macht. Seither ist er Staatschef.
Zwar führte Kamerun 1990 das Mehrparteiensystem wieder ein. Doch die politische Macht blieb weitgehend bei Biya. 2008 wurde die Begrenzung der Amtszeiten abgeschafft. Damit fiel eine wichtige verfassungsrechtliche Hürde für eine weitere Präsidentschaft.
Bei der Wahl vom 12. Oktober 2025 trat Biya erneut an. Der Verfassungsrat erklärte ihn am 27. Oktober mit 53,66 Prozent der Stimmen zum Sieger. Es war sein achter Wahlsieg. Nach der Bekanntgabe kam es zu Protesten, bei denen Sicherheitskräfte gegen Demonstrierende vorgingen. Auch seine Tochter sprach sich gegen eine erneute Präsidentschaft aus.
Konflikte in Kamerun: Seit 2017 eskaliert im englischsprachigen Westen ein blutiger Konflikt zwischen Separatisten und Regierungstruppen. Im Norden kämpft das Land gegen die Terrororganisation Boko Haram.
Was zieht Biya in die Schweiz?
Immer wieder meldet das Büro von Biya, dass sich der Präsident ausserhalb des Landes aufhält. Die Schweiz ist das Lieblingsziel des Langzeitherrschers. Im Netz spottet man bereits, Biya sei ein «Remote-Präsident», der seine Heimat nur noch auf der Durchreise besuche. Was ihn genau nach Genf zieht, ist unklar – vermutet werden medizinische Gründe.
Und tatsächlich hat der Präsident mehrere Jahre im Ausland verbracht – deklariert als «private Kurzbesuche». Einen Grossteil davon verbrachte der Senior in Genf, berichtet das Recherche-Netzwerk OCCRP. Während seiner Aufenthalte wohnt Biya meist im Genfer Fünfsternehotel Intercontinental – zusammen mit seiner Ehefrau Chantal und seinem riesigen Hofstaat.
1982: Eine andere Welt
Als Paul Biya am 6. November 1982 Präsident von Kamerun wurde, war Ronald Reagan US-Präsident, der Kalte Krieg prägte die Weltpolitik und das Internet, wie wir es heute kennen, existierte noch nicht. In der Schweiz war der Kanton Jura gerade einmal drei Jahre alt.