In der Vergangenheit litten US-Diplomaten immer wieder an Symptomen wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Nun wurden in den letzten Monaten vermehrt neue Verdachtsfälle des mysteriösen «Havanna-Syndroms» verzeichnet. Wie die renommierte US-amerikanische Investigativjournalistin Catherine Herridge berichtet, werden seit dem Sommer mindestens sechs neue Fälle des «Havanna-Syndroms» im Walter Reed Medical Center in Bethesda, im US-Bundesstaat Maryland, behandelt. Eine Stellungnahme des Spitals gegenüber Herridge steht noch aus.
Betroffen seien Personen mit bestätigten oder vermuteten Hirnverletzungen. Das Walter Reed Hospital beherbergt das National Intrepid Center of Excellence (NICoE), eine führende Einrichtung für die Behandlung von traumatischen Hirnverletzungen und sogenannten anomalen Gesundheitsvorfällen (AHIs).
Dutzende Vorfälle gemeldet
Herridge hatte bereits im September aufgedeckt, dass über zwei Dutzend mögliche Vorfälle mit gerichteter Energie in den USA gemeldet worden waren. Besonders auffällig: eine Häufung solcher Vorfälle in einer geheimen Forschungseinrichtung der US-Regierung in Nord-Virginia.
Unter den Betroffenen sollen sich ihren Recherchen nach auch zwei hochrangige US-Regierungsmitarbeiter befinden. Beide arbeiten an Projekten im Zusammenhang mit Technologien für gerichtete Energiewaffen (DEW). Dabei handelt es sich um Waffensysteme, die militärische Ziele nicht mit klassischen Projektilen oder Raketen, sondern mit gebündelter, energiereicher Strahlung angreifen.
Ursache des Syndroms umstritten
Das «Havanna-Syndrom», benannt nach einer Fallserie in Kuba 2016, beschäftigt Experten seit Jahren. Zahlreiche kanadische und US-Diplomaten litten unter Gesundheitsproblemen wie Benommenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen sowie Hör- und Sehproblemen. Seit dem Vorfall in Havanna wurden mehr als 1000 Fälle gemeldet, von denen Mitarbeiter der US-Regierung in der ganzen Welt betroffen waren.
Ob es sich dabei um gezielte Angriffe handelt, bleibt bis heute umstritten. Journalisten etwa von «The Insider», CBS und dem «Spiegel» fanden immer wieder Hinweise auf eine Beteiligung des russischen Geheimdienstes. Russland weist die Vorwürfe vom Gebrauch von Energiewaffen vehement zurück. Im März 2023 veröffentlichten mehrere US-Geheimdienste einen Bericht, der die Involvierung eines «gegnerischen Staates» als «höchst unwahrscheinlich» bezeichnet. Mediziner vermuten auch psychische Ursachen hinter dem mysteriösen Syndrom.