Tut sich da was an Bord der «MV Hondius»?
Kameras der spanischen Nachrichtenagentur EFE haben eine Person eingefangen, die sich im Aussenbereich des Schiffes aufhält. Macht der Mann mit Cap einen letzten Spaziergang? Oder wird er bald evakuiert? Jedenfalls schaut er immer wieder auf sein Handy. Mittlerweile ist es richtig hell geworden auf der Kanaren-Insel Teneriffa.
Zoff um Evakuierungsaktion
Es wird erwartet, dass die Evakuierungsaktion bis Montag andauern wird. Das berichtet die spanische Nachrichtenagentur EFE. Für den Präsident der Regierung der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo (54) ist das ein Ärgernis. Er hatte mit der spanischen Regierung ausgemacht, dass die Ausschiffung der Passagiere 12 Stunden dauern und am Sonntagnachmittag enden sollte.
Die Regierung der Kanarischen Insel und die Hafenbehörde von Teneriffa sollen sich laut EFE nach Bekanntwerden der längeren Rettungsdauer geweigert haben, die «MV Hondius» ankern zu lassen. Die Generaldirektion der spanischen Handelsmarine soll sich daraufhin eingeschaltet haben und eine Resolution erlassen haben, die die Einfahrt des Schiffes in den Hafen von Granadilla auf Teneriffa anordnet.
Unterdessen haben sich zahlreiche Medienvertreterinnen und -vertreter am Pier versammelt. Sie beobachten das Ganze mit grossem Interesse.
Krisenstab überwacht Evakuierung
Ein Trio hat die Evakuierungsaktion im Hafen Granadilla genau im Blick: die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia, Innenminister Fernando Grande-Marlaska (63) und WHO-Chef Tedros Ghebreyesus (61) sind vor Ort. Sie werden alle Abläufe im Zusammenhang mit der «MV Hondius» beaufsichtigen. Für die Aktion wurde zudem ein Krisenstab von der spanischen Regierung eingerichtet.
Wie läuft die Evakuierung ab?
Die Ausschiffung der rund 140 Passagiere ist für Sonntagmorgen geplant. Sämtliche Passagiere werden vor Verlassen des Schiffes auf mögliche Symptome sowie eine Infektion mit dem Hantavirus untersucht. Anschliessend sollen die Reisenden gestaffelt mit kleineren Booten an Land gebracht werden. Das Hauptgepäck bleibt an Bord, die Kreuzfahrtgäste dürfen nur notwendige Dinge mitnehmen.
Als Erstes sollen die 14 spanischen Staatsbürger von Bord gehen und zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa Süd gebracht werden. Dort begeben sie sich in eine Militärmaschine, die sie nach Madrid bringt, wo sie in einem Spital unter Quarantäne gestellt werden. Alle Passagiere, die das Schiff verlassen, sollen laut Medienberichten angewiesen worden sein, eine FFP2-Maske zu tragen.
Im weiteren Verlauf der Evakuierungsaktion finden Rückführungsflüge nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Irland und in die Niederlande statt. Der Leichnam der an Bord verstorbenen Deutschen wird vorerst auf dem Schiff bleiben. Zum Schluss wird die «MV Hondius» sich auf den Weg in die Niederlande machen, wo das Kreuzfahrtschiff gründlich desinfiziert werden soll.
«MV Hondius» erreicht Hafen in Teneriffa
Die «MV Hondius» hat es geschafft: Am Sonntagmorgen lief das Kreuzfahrtschiff, auf dem Ende April mehrere Hantavirus-Fälle aufgetreten waren, in den Hafen von Granadilla auf Teneriffa ein. Gegen 9 Uhr sollen die ersten Passagiere evakuiert werden. Blick berichtet in diesem Ticker live über die besondere Aktion.