Darum gehts
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Nach dem blauen Erdrutschsieg bei den Midterms bricht bei den Republikanern Meuterei aus. Über Nacht ist Donald Trump (80) in den eigenen Reihen zu politischem Gift geworden. Selbst engste Vertraute gehen auf Distanz. Allen voran: sein Vize J. D. Vance (42), der die verheerende Niederlage direkt auf Trumps eigenmächtigen Iran-Krieg zurückführt.
Das MAGA-Fundament wankt. Für Amerikas Konservative bricht die Stunde der Abrechnung an: Wer politisch überleben will, muss jetzt schnell reagieren.
Es sind gleich mehrere enge Trump-Vertraute, die den Präsidenten nach der Midterm-Schmach zu kritisieren wagen.
- J. D. Vance schrieb auf X: «Jeder weiss, warum wir verloren haben. Und jede Diskussion darüber, wie es weitergeht, muss dort ansetzen.»
- Ron DeSantis (48), Gouverneur von Florida, verglich das Wahlergebnis mit einem Kometeneinschlag: «Das war eine unmissverständliche Zurückweisung des Präsidenten und des Kongresses.»
- Ted Cruz (55), Senator aus Texas, nannte die Schlappe ein «Blutbad» und warnte vor einem «blauen Tsunami»: Das Problem sei nicht mangelnde Mobilisierung gewesen, sondern die bewusste Abkehr der Wähler von republikanischen Kandidaten.
- Matt Walsh (40), rechtskonservativer Podcaster, sprach von einer «politischen Katastrophe historischen Ausmasses» und bezeichnete Trump als «einen 80-jährigen Präsidenten, der nur noch eine lahme Ente ist».
- Alex Jones (52), Galionsfigur der US-Verschwörungsszene, nennt Trump einen Demokraten, der die Republikaner unterwandert habe. Jones: «Ich befinde mich zu 100 Prozent im Krieg mit Trump.»
Midterm-Fluch trifft auch Trump
Dass Vizepräsident Vance den Krieg im Nahen Osten öffentlich als Fehlentscheidung brandmarkt, markiert den ultimativen Bruch. Vance verdankt seine gesamte Karriere Trumps Gunst. Doch Vance rechnet pragmatisch: Bleibt er weiterhin bedingungslos an der Seite seines Förderers, wird er 2028 mit ihm begraben. Für Vances eigene Ambitionen auf das Weisse Haus wäre das der politische Tod.
In den letzten beiden Jahren einer Amtszeit verliert ein US-Präsident traditionell an Autorität. Die Partei richtet den Blick unweigerlich nach vorn. Philipp Adorf, US-Experte an der Universität Bonn, ordnet ein: «Trump hat schon manche Gesetzmässigkeit der amerikanischen Politik ausser Kraft gesetzt. Doch dem schleichenden Machtverlust am Ende einer Amtszeit kann sich wohl nicht einmal er entziehen.»
Potenzielle Nachfolger wie Ron DeSantis wissen genau, wie toxisch Trumps Bilanz bei Wechselwählern inzwischen ist. «Sie müssen sich von Teilen seiner Politik distanzieren, ohne die MAGA-Basis zu verprellen», erklärt Adorf. Vor derselben Zerreissprobe stünden künftige Kongresskandidaten: Sie müssten versuchen, sich von Trump zu emanzipieren, ohne den Zorn des Patriarchen auf sich zu ziehen. Adorf ist überzeugt: «Trump dürfte zunehmend Einfluss auf seine eigene Partei verlieren.»
MAGA spaltet sich auf
Trumps Niederlage erschüttert das MAGA-Fundament, wird es aber nicht zum Einsturz bringen. Die Parteibasis speist sich seit Jahren aus tief sitzenden Ressentiments und Statusängsten, die Trump zwar meisterhaft mobilisiert und radikalisiert hat, die ihn aber überdauern werden.
Laut Adorf wird dieses Milieu auch künftig den Ton angeben, sich jedoch zusehends in verschiedene Strömungen aufteilen: Während Rivalen wie Vance und DeSantis um Trumps Wählerschaft ringen und die Bewegung spalten, könnte ein lachender Dritter profitieren – etwa Aussenminister Marco Rubio (55). Adorf: «Rubio steht keineswegs gegen MAGA, ist aber weniger eng mit den extremen Rändern des Lagers verwurzelt.»
Adorf bilanziert: «Zwar bleibt Trump dank seiner extensiven Befugnisse ein Akteur mit weitreichenden Kompetenzen. Doch die Zeit seiner grössten politischen Macht wird vorbei sein.»