US-Passagier positiv getestet – ohne Symptome
Ein amerikanischer Passagier der unter Quarantäne stehenden Expeditions-Kreuzfahrt «MV Hondius» ist nach der Ausschiffung auf Teneriffa positiv auf das seltene Hantavirus getestet worden – obwohl er zunächst keinerlei Symptome zeigte, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Genau das sorgt nun international für Nervosität. Der Mann war Teil jener Reisegruppe, in der zuvor bereits drei Menschen gestorben waren. Behörden befürchten, dass sich mögliche Fälle anfangs kaum erkennen lassen könnten – insbesondere auf engem Raum wie einem Kreuzfahrtschiff.
Frankreich plant Isolations-Verordnung
Ein Passagier eines Rückflugs von Teneriffa nach Frankreich zeigte am Sonntag Symptome des gefährlichen Hantavirus. Das bestätigte Premierminister Sébastien Lecornu auf X. Er befand sich mit vier weiteren Passagieren aus Frankreich an Bord, die ausgeflogen wurden.
«Diese fünf Passagiere wurden sofort unter strenge Isolation gestellt», schrieb Lecornu in dem Post. Sie erhalten medizinische Versorgung und werden umfassend untersucht.
Um die Öffentlichkeit zu schützen, plant Lecornu, noch heute eine Verordnung zu Isolation von Kontaktpersonen zu erlassen.
Spektakuläre Rettungsaktion für kranken Briten
Ein britischer Staatsbürger mit Verdacht auf Hantavirus hat auf der abgelegenen Atlantikinsel Tristan da Cunha Nothilfe erhalten. Britische Armeesanitäter sprangen per Fallschirm ab, um den Mann zu versorgen, der sich laut BBC in stabilem Zustand in Isolation befindet.
Er hatte das Kreuzfahrtschiff MV Hondius am 14. April verlassen, das von einem tödlichen Virusausbruch betroffen war. Das Hantavirus, das von Nagetieren übertragen wird, hat bisher sechs bestätigte Fälle verursacht, darunter drei Todesfälle. Zwei der Verstorbenen hatten den seltenen Anden-Stamm des Virus, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Laut WHO zeigte der Brite erste Symptome zwei Wochen nach Verlassen des Schiffes, darunter Durchfall und Fieber. Ein RAF A400M-Transportflugzeug warf am Samstag zudem dringend benötigte Sauerstoffvorräte über der Insel ab, da diese auf ein «kritisches Niveau» gesunken waren.
Brigadegeneral Ed Cartwright erklärte der BBC, der Fallschirmeinsatz sei aufgrund starker Winde und der isolierten Lage der Insel «äusserst anspruchsvoll» gewesen. Tristan da Cunha, Heimat von 221 Briten, ist nur per Boot zugänglich und gilt als eine der abgelegensten Inseln der Welt. «Die Folge eines Fehlers wäre ein Sturz in den Atlantik», so Cartwright.
Schon 46 Passagiere haben das Schiff verlassen
Bis jetzt haben 46 Personen das mit dem Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff MV Hondius verlassen, berichtet CNN unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Laut Diana Rojas Alvarez, Leiterin der Gesundheitsoperationen der WHO, soll die Evakuierung bis Montagabend abgeschlossen sein. Der Ausschiffungsprozess, der am Sonntag in Teneriffa begann, wird am Montag früh fortgesetzt.
Passagiere aus Spanien, Frankreich, Kanada und den Niederlanden wurden bereits evakuiert. Insgesamt befanden sich 146 Personen an Bord des Schiffes, als es Teneriffa erreichte. Nach Abschluss der Evakuierung wird die MV Hondius mit einer 30-köpfigen Besatzung und einem Ärzteteam in ihren Heimathafen in den Niederlanden zurückkehren.
Erster Evakuierungsflug auf dem Weg nach Madrid
Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE berichtet, ist das Militärflugzeug mit den 14 spanischen Passagieren des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs «MV Hondius» bereits gestartet. Ziel ist nun Madrid, wo die Passagiere im Spital Gomez Ulla in Quarantäne sollen. Vor Betreten des Flugzeugs wurden die Passagiere desinfiziert und erhielten neue Schutzkleidung.
Erste Passagiere am Flughafen eingetroffen
Mittlerweile sind die ersten evakuierten Passagiere der «MV Hondius» am Flughafen Teneriffa Süd angekommen. Alle Personen vor Ort tragen Schutzanzüge.
Zuvor wurden sie von der spanischen Guardia Civil zum Flughafen eskortiert:
Jetzt sind die Franzosen dran
Das spanische Gesundheitsministerium gibt am Sonntagmittag plötzlich eine Änderung der Evakuierungsreihenfolge bekannt. Nach den spanischen Staatsangehörigen werden derzeit die fünf französischen Passagiere von der «MV Hondius» evakuiert. Anschliessend sollen laut «El Pais» die Kanadier folgen. Die Änderung ist auf eine kurzfristige Änderung bei der Ankunftszeit der Rückführungsflüge zurückzuführen, schreibt die spanische Zeitung.
Youtuber verliess «MV Hondius» – und feierte auf Hochzeit
«Mir geht es gut», meldet der Youtuber Ruhi Cenet (35) am Samstag auf Instagram, wo ihm rund 1,3 Millionen Menschen folgen. Der Influencer ging am 1. April in Argentinien an Bord des Hantavirus-Schiffs «MV Hondius». Am 24. April ging er in St. Helena wieder von Bord. Anschliessend wohnte er in Istanbul einer grossen Hochzeit bei.
Heute macht die «MV Hondius» weltweit als Seuchenschiff Schlagzeilen. Mehrere Menschen infizierten sich an Bord des Kreuzfahrtschiffs, es gibt drei Tote.
Laut dem US-Portal TMZ wird Cenet mit Hassnachrichten überschwemmt. Cenet verteidigt sich in einem Social-Media-Post: Er sei nur an die Hochzeit gegangen, weil die WHO zu dem Zeitpunkt noch keine Warnung herausgegeben habe. «Seit dem Moment, als die Information geteilt wurde, befinde ich mich für alle Fälle in Quarantäne. Ich zeige immer noch keinerlei Symptome», erklärt der Türke. Seine Follower nehmen ihn in den Kommentaren in Schutz. Tenor: Er wusste es nicht besser. In der Türkei haben die Behörden bislang keinen Super-Spreader-Event verzeichnet. Cenet gibt an, sich schon an Bord selbst isoliert zu haben.
Gesundheitsministerin spricht von «Erfolg»
Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia bewertet die Evakuierungsaktion bisher als «Erfolg», berichtet «El Mundo». Sie erklärte, dass die ersten Personen, die von Bord gehen, 14 spanische Staatsangehörige und ein Arzt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien.
Die Spanier werden demnächst per Flugzeug nach Madrid ins Spital Gomez Ulla gebracht. Ein zweites von den Niederlanden gechartertes Flugzeug soll später Passagiere aus Deutschland, Belgien, Griechenland und anderen Ländern nach Hause befördern.
Spanier gehören zu den Ersten
Sechs spanische Staatsangehörige sitzen bereits in dem ersten Bus, der sie zum Flughafen Teneriffa Süd bringen wird, berichtet die spanische Tageszeitung «El Mundo». Sie tragen blaue Overalls und Masken. Acht weitere sollen gleich in einen zweiten Bus einsteigen.