Darum gehts
- Russland und Nordkorea bauen Brücke über den Tumen-Fluss
- Projekt zeigt verstärkte Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern
- Brücke wird insgesamt rund fünf Kilometer lang sein
Lange waren es nur Gerüchte – nun treiben Bagger am Tumen-Fluss im Osten Russlands Betonpfeiler in den Boden: Die einst vage geplante Brücke von Russland nach Nordkorea wird Wirklichkeit.
Neue Satellitenbilder zeigen jetzt, dass das Mega-Projekt von Kreml-Chef Wladimir Putin (73) und Nordkorea-Diktator Kim Jong Un (41) schnell wächst. Welche Absichten stecken hinter dem Bauwerk? Die Fakten im Überblick.
Was macht die Brücke speziell?
Russischen Medien zufolge wird die Brücke nach ihrer Fertigstellung insgesamt rund fünf Kilometer lang sein – inklusive Zufahrtsstrassen. Das Besondere: Russland und Nordkorea erhalten so erstmals eine Strassenverbindung für den Transport von Gütern. Bislang waren sie nur über den Zugverkehr miteinander verbunden.
Der Tumen-Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen dem äussersten Osten Russlands und dem nordöstlichen Zipfel Nordkoreas. Eine direkte Strassenverbindung über diesen Fluss ist deshalb die kürzeste und praktischste Verbindung zwischen beiden Ländern.
Zur Brücke gehört auch ein neuer Komplex mit Zoll- und Lagerhaus. Auch eine Fahrzeugwartungsanlage ist geplant. Dort sollen die LKW-Fahrer wechseln, da sie das jeweilig andere Land nicht befahren dürfen.
Weshalb drückt Putin so aufs Gaspedal?
Der Bau wird offenbar im Rekordtempo vorangetrieben. Neue Satellitenbilder der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) zeigen: Mittlerweile befinden sich die Betonpfeiler auf russischer Seite schon 110 Meter im Fluss – auf nordkoreanischer Seite ist das Bauwerk schon über 150 Meter weit fortgeschritten.
Die Arbeiter haben neben den Pfeilern auch die Zufahrtsrampe sowie die Widerlager, die das Brückendeck mit dem Boden verbinden, fast fertiggestellt.
Laut «Newsweek» zeigen die Pläne der vergangenen Monate, dass der Kreml rasch Ergebnisse sehen will. «Die Geschwindigkeit, mit der der Bau der Brücke voranschreitet, ist ein deutliches Anzeichen für die Bedeutung und Ausweitung des Handels zwischen beiden Ländern während des anhaltenden Krieges Russlands gegen die Ukraine», sagen CSIS-Analysten gegenüber dem Nachrichtenportal.
Ist die Brücke gefährlich für die Ukraine?
In Kiew dürften die raschen Fortschritte grosse Sorgen auslösen. Eine neue Brücke ermöglicht Russland in der Theorie den schnellen Transport von Material, Munition, Ausrüstung oder sogar Soldaten zwischen Russland und Nordkorea. Es ist eine weitere Stärkung, die Russland in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine erhalten würde. Mehr Material und Truppen in kürzerer Zeit bedeutet eine grössere Ballung an der Front.
Dennoch ist nicht klar, ob sich dies sofort auf dem Schlachtfeld widerspiegelt. Nordkorea hat noch kein ausgeklügeltes Transportsystem im Landesinnern.
Welchen Vorteil hat Nordkorea?
Es ist unklar, ob die Brücke Pjöngjang wirklich wirtschaftlichen Erfolg verschaffen wird.
Aussenpolitisch sendet die Brücke aber ein deutliches Signal: Sie zeigt Nordkoreas Fähigkeit, strategische Partnerschaften zu schliessen – trotz internationaler Isolation. Dies dürfte Kim Jong Un auch gegenüber seiner Bevölkerung erwähnen.
Warum warnen Experten vor dieser Partnerschaft?
Russland und Nordkorea haben ihre Zusammenarbeit in Wirtschaft und Militär in den vergangenen Jahren ausgebaut – zuletzt mit der Entsendung nordkoreanischer Soldaten an die Front. Das aktuelle Strassenprojekt zeigt die enge Kooperation. Hinzu kommt: Die Fortschritte lassen sich vom Westen kaum beobachten, Verstösse werden nicht aufgedeckt.