Darum gehts
- Luxus-Kreuzfahrt zum Nordpol für russische Elite abgesagt
- Geplante Aktivitäten: Eisschwimmen, Silent-Disco und Auftritt der Band Lenningrad
- Kabinenpreise zwischen 70'000 und 200'000 US-Dollar pro Person
Eine geplante Luxus-Kreuzfahrt zum Nordpol für die russische Elite fiel buchstäblich ins Wasser. Auf dem Luxus-Eisbrecher «Le Commandant Charcot» der Chartergesellschaft Ponant hätte es Richtung Nordpol gehen sollen. Auf dem Plan standen auserlesene Mahlzeiten, eine Riesenfete am Nordpol und natürlich bietet der Mega-Dampfer auch zahlreiche andere Annehmlichkeiten wie zum Beispiel Saunen, beheizte Pools und luxuriös eingerichtete Kabinen.
Die Kreuzfahrt hätte über 150 Gäste der russischen Elite anziehen sollen. Für Kabinenpreise zwischen 70'000 und 200'000 US-Dollar pro Person versprach der Trip atemberaubende Polarlandschaften und Networking-Möglichkeiten. Insgesamt hätte die Reise zwei Wochen dauern sollen. Zum fulminanten Finale hätte Eisschwimmen, eine Silent-Disco und ein Auftritt der legendären russischen Rockband Lenningrad auf dem Plan gestanden.
Vermittler verstiess gegen Sanktionen
Der Grund für die Absage liegt in den Sanktionen gegen Russland – und statt Kaviar hagelt es jetzt Klagen. Wie die «Financial Times» berichtet, steht die Verhaftung des russischen Krypto-Unternehmers Iurii Gugnin im Juni im Vordergrund. Gugnin agierte als Zahlungsvermittler zwischen der Reiseagentur TRVL und Ponant.
Den US-Behörden zufolge verstiess dieser gegen Sanktionen und wusch über seine Krypto-Firma mehr als 500 Millionen US-Dollar. Das Kreuzfahrtunternehmen kündigte darauf den Vertrag mit ihm. Die russische Reiseagentur TRVL wirft dem französischen Unternehmen nun vor, nach der Absage der Reise 5,8 Millionen US-Dollar des Charterpreises von insgesamt 8,5 Millionen Dollar nicht erstattet zu haben.
Verlust für Reiseagentur «katastrophal»
Für das Unternehmen sei das ganze «katastrophal», erklärte der Mitgründer Boris Pustovoytov. Alle Gäste seien streng auf «Sanktionskonformität» geprüft worden und alle besässen ein EU-Visum, sagt er. Der Fall zeigt die komplexen Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland auf den Luxustourismus.
Trotz der Beschränkungen scheint die Nachfrage nach Reisen in die EU unter wohlhabenden Russen nach wie vor hoch zu sein. Laut einer Recherche des britischen «Telegraph» stieg die Zahl der ausgestellten Schengen-Visa 2024 auf über 550'000, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die gescheiterte Nordpol-Kreuzfahrt verdeutlicht die Herausforderungen, denen Unternehmen bei der Organisation von Luxusreisen für russische Kunden gegenüberstehen.
Wie Russland Sanktionen umgeht
Seit Februar 2022 hat die EU bereits 18 Sanktionspakete gegen Russland verhängt, um die Kriegsfinanzierung des Kremls zu schwächen. Darunter fallen unter anderem Technologie-Sanktionen, der Ausschluss aus dem westlichen Zahlungssystem Swift und ein Preisdeckel für russische Öl-Exporte. Doch immer wieder weiss der Kreml diesen Auflagen zu entgehen.
So entzieht sich etwa die russische Schattenflotte – eine Flotte von Tankern, die unter falscher Flagge fahren, den Sanktionen auf Öl- und Gasexporte. Ein weiteres Problem ist ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen, mit denen der Kreml EU-Länder unterwandert. Finanzielle Mittel russischer Unternehmer oder Oligarchen liessen sich dabei geschickt verschleiern, ergab eine Analyse von Harvard International Review.
Ein weiterer Seitenweg: «Parallelimporte» sanktionierter Produkte nach Russland über Länder, die die Sanktionen nicht mittragen. Und um die Sanktionen beim Zahlungssystem SWIFT zu umgehen, greife der Kreml auf Alternativ-Währungen zum Dollar zurück, berichtet das «ZDF».