Amoklauf in Moskau! Bereits Anfang März warnte die US-Botschaft in Moskau vor einem Terroranschlag in der russischen Hauptstadt. Nun ist die Befürchtung wahr geworden. In der Konzerthalle Crocus City Hall, wo ein Auftritt der Gruppe Piknik hätte stattfinden sollen, haben Unbekannte am Freitagabend – wenige Minuten vor Konzertbeginn – das Feuer eröffnet.
Über 100 Personen sind gestorben – und mindestens 100 weitere verletzt. Das bestätigt der russische Inlandsgeheimdienst FSB der Agentur Interfax. Die Musiker sollen verschont geblieben sein.
Wie russische Medien berichten, soll das Konzert ausverkauft gewesen sein – und die Crocus City Hall soll eine Kapazität von mehr als 6000 Zuschauern haben.
Berichten zufolge haben fünf maskierte Personen das Innere des Gebäudes gestürmt und um sich geschossen. Auf Videos in den sozialen Medien sind zahlreiche Schüsse und panisch schreiende Menschen zu hören. Die russischen Behörden sprechen von einem Terroranschlag. Russlands zentrales Ermittlungskomitee hat ein Verfahren wegen eines mutmasslichen Terrorakts aufgenommen. Das teilte die Behörde am Freitagabend im Nachrichtendienst Telegram mit.
Mehrere Explosionen – Verdacht auf Sprengstofffallen
Nach Behördenangaben kam es nach den Schüssen zu einem Brand und Explosionen. Flammen und Rauch sind aus weiter Ferne zu sehen. Über 100 Konzertgäste steckten zunächst noch im Inneren fest. Mittlerweile konnte die Feuerwehr einige Leute via Keller in Sicherheit bringen, doch auch auf das brennende Dach sollen zahlreiche Personen geflohen sein, die befreit werden mussten. Die Lage war unübersichtlich. Nach Behördenangaben waren Dutzende Rettungswagen im Einsatz und viele Busse, um Menschen in Sicherheit zu bringen.
Rund eine Stunde nach den ersten Berichten kam es zu zwei weiteren Explosion im Inneren der Halle. Das Dach des berühmten Gebäudes soll inzwischen eingestürzt sein. Dem restlichen Gebäude droht gemäss «Meduza» ebenso der Einsturz. Die Feuerwehr versucht, dies durch Löschaktionen zu verhindern.
Wie das russische Medium berichtet, sollen inzwischen mehrere Spezialeinheiten in die Konzerthalle eingedrungen sein. Sie bringen Leichen aus dem Gebäude und weisen Passanten an, das Gebiet rund um die Konzerthalle zu verlassen – dies, weil die Sorge besteht, dass das Gebäude mit Sprengfallen versehen wurde. Ebenso zeigen Aufnahmen, welche von russischen Medien veröffentlicht wurden, wie eine Person festgenommen wird. Unklar ist, ob es sich um einen der Attentäter handelt.
Ukraine und Rebellen verneinen Beteiligung
Sergei Sobjanin, der Bürgermeister von Moskau, hat nach dem Anschlag alle öffentliche Events abgesagt. Auf Telegram schrieb er: «Ich habe beschlossen, an diesem Wochenende alle Sport-, Kultur- und anderen öffentlichen Veranstaltungen in Moskau abzusagen. Ich bitte Sie, diese Massnahme mit Verständnis zu behandeln.»
Wer für den Terroranschlag verantwortlich ist, war zunächst noch unklar. Vertreter des Russischen Freiwilligenkorps bestreiten ihre Beteiligung. Gegenüber «Nowaja Gaseta Europe» sagte ein Vertreter: «Natürlich waren wir es nicht.»
Auch der Berater des Büros vom ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (46), Michajlo Podoljak, betonte in einem Post auf X: «Die Ukraine hat sicherlich nichts mit den Schiessereien oder Explosionen zu tun. Es macht überhaupt keinen Sinn. Erstens kämpft die Ukraine seit mehr als zwei Jahren gegen die russische Armee. Und alles in diesem Krieg wird nur auf dem Schlachtfeld entschieden. (...) Zweitens hat die Ukraine nie auf terroristische Methoden zurückgegriffen.»
«Sie haben Molotow-Cocktails geworfen»
Ein Augenzeuge erzählt gegenüber «Ostoroschno Nowosti»: «Wir sassen im Zwischengeschoss, dann hörten wir Schüsse, wir gingen die Treppe hinunter und merkten, dass unten auch geschossen wurde. Schliesslich kamen wir irgendwo im oberen Stockwerk an. Sie schossen von allen Seiten. Als wir zusammen mit anderen irgendwann herunterrannten, haben wir eine junge Frau tot liegen gesehen.»
Ein anderer Mann sagt: «Wir haben Schüsse gehört, aber gar nicht verstanden, was passiert. Dann habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, wie die Terroristen hereinkamen und anfingen, auf alle zu schiessen. Sie warfen Molotow-Cocktails, alles wurde in Brand gesetzt.» Der Mann und seine Begleitung schafften es am Ende durch den Keller raus aus dem Gebäude.
Gegenüber «Meduza» erklärt ein weiterer Augenzeuge: «Sie fingen an, mit automatischen Gewehren auf die Leute zu schiessen. Es gab eine schreckliche Massenpanik. Alle lagen auf dem Boden und zerquetschten sich gegenseitig.» Der Zeuge kritisiert: «Es gibt niemanden, der den Menschen hilft. Wenn wir nicht in der Lage gewesen wären, die Tür aufzubrechen und herauszukommen, würden wir jetzt in Flammen stehen.»
Wieder ein anderer Zeuge berichtet, wie die Schiesserei anfing: «Einige der Terroristen standen in der Schlange und begannen dort, auf Menschen zu schiessen. Gleichzeitig setzten sie die Halle in Brand und schossen auf Menschen im Parterre.»