Live im russischen Fernsehen
Putin-Hardliner Solowjow knickt vor Putin-Kritikerin ein

Kreml-Propagandist Solowjow beschimpfte unlängst eine prominente Putin-Kritikerin wüst – und entschuldigte sich jetzt plötzlich live. Der überraschende Kniefall zeigt: Selbst im loyalen Putin-Umfeld wächst der Druck.
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Wladimir Solowjow gilt als schärfster Putin-Propagandist im russischen Fernsehen.
Foto: Screenshot Rossija 1

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Wladimir Solowjow entschuldigt sich live bei Influencerin Wiktorija Bonja
  • Bonja kritisierte Putin in viralem Video, trotz Kremls Zensurversuchen
  • Selbst im loyalen Putin-Lager wächst der öffentliche Druck auf das System
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

46 Minuten dauerte das Live-Streitgespräch – und der Putin-Heisssporn Wladimir Solowjow (62) gab gleich klein bei. Seine Kontrahentin: die Influencerin Wiktorija Bonja (46), die Kreml-Herrscher Wladimir Putin (73) unlängst in einem viralen Video kritisierte. Unter Putin, so die im Exil lebende Russin, herrsche ein Klima der Angst im Land.

Der Kreml hatte es nicht geschafft, die 19-minütige Ansprache an den russischen Präsidenten wegzuzensieren. Der Kreml sah sich zur Aussage genötigt, dass an den von Bonja angesprochenen Problemen gearbeitet werde.

Für Putin-Jünger Solowjow war die Demütigung Putins unerträglich. Er beleidigte Bonja in seiner Morgenshow als «eingeschleuste Agentin», «abgehalfterte Schlampe» und fragte, weshalb sie noch nicht als «Auslandsagentin» eingestuft – sprich: warum sie noch nicht auf der schwarzen Liste des Kremls sei.

Mehr als nur Promi-Zoff

Solowjow hatte seine Rechnung nicht mit dem wachsenden Unmut im Land gemacht – und wie Unruhe im Umfeld der Macht zunimmt. Bonja konterte mit Klagedrohung und Kritik an der Doppelmoral im Staatsfernsehen. Prominente Frauen wie TV-Moderatorin Xenija Sobtschak (44), 2018 Kandidatin für die russische Präsidentschaftswahl, solidarisierten sich mit der Influencerin.

Solowjow musste zurückkrebsen. Am Dienstag schaltete er Bonja in einer Live-Morgensendung zu. Er sei «zu emotional» gewesen und «viel zu sorglos» mit seinen Worten umgegangen, zitierte ihn die russische Zeitung «Komsomolskaja Prawda».

Ein eindrucksvoller Moment in Russland, in dem ein Kreml‑Haupt‑Propagandist im Live‑Fernsehen klein beigeben musste. Für Russen ist das mehr als ein Promi-Zoff. Dass eine zentrale Stimme des Systems öffentlich kuscht, gilt als seltenes Signal: Selbst im loyalen Putin-Umfeld wächst der Druck, Kritik wird vorsichtig offener geäussert.

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