Darum gehts
- Putin prophezeit Zerfall der Ukraine
- Westgebiete könnten an Polen, Ungarn oder Rumänien fallen
- Bei jüngster Rede von Kreml-Herrscher ist militärischer Sieg Moskaus keine Priorität
- Russlands Offensive stockt nach über vier Jahren Krieg und hohen Verlusten
Wladimir Putin (73) spricht plötzlich nicht mehr über einen russischen Sieg in der Ukraine – sondern darüber, wie die Ukraine irgendwann zerfallen könnte. Dabei scheint der Kreml-Chef nicht mehr auf einen schnellen Sieg zu setzen.
Bei einer Rede vergangene Woche sagte der russische Präsident, die westlichen Regionen des Landes würden früher oder später an Polen, Ungarn und Rumänien zurückfallen.
Putin äusserte sich am 26. Juli 2026 bei den Feierlichkeiten zum Tag der russischen Marine in St. Petersburg. Vor Marineangehörigen sprach der Kreml-Herrscher, der gerne in historische Diskurse abgleitet, über den Krieg gegen die Ukraine – und über deren mögliche Zukunft.
Ukraine verliere Westgebiete
Bemerkenswert sind dabei vor allem seine Wortwahl – und was er nicht sagte.
Putin sprach nicht von einer russischen Eroberung. Er stellte es so dar, als würde die Ukraine ihre Westgebiete irgendwann einfach «verlieren» – als handle es sich um einen historischen Automatismus und nicht um das Ergebnis eines politischen oder militärischen Prozesses.
Die Gebiete seien früher Teil Polens, Ungarns und Rumäniens gewesen und würden irgendwann wieder «an ihren historischen Platz» zurückkehren.
Wann das geschehen soll? Putin lässt es offen: morgen, in einem, zwei, zehn Jahren oder erst in Jahrzehnten. Seine Formel lautet: «früher oder später».
Auffällig ist, welche Gebiete Putin nicht nennt: die ost- und südostukrainischen Regionen. Über sie spricht er in diesem Zusammenhang nicht als mögliche Verlustgebiete. Das lässt darauf schliessen, dass Moskau sie sowieso für sich beansprucht.
Ausweg aus dem Krieg?
Bisher hat Putin die militärische «Sonderoperation» immer wieder als Kampf dargestellt, den Russland letztlich gewinnen werde. Die russische Führung spricht von der Eroberung der von Moskau beanspruchten Gebiete und der Erfüllung der russischen Kriegsziele.
Jetzt entwirft Putin ein anderes Szenario: eine langfristige Zukunft, in der die Ukraine möglicherweise Gebiete verliert – und zwar nicht unbedingt an Russland, sondern an ihre westlichen Nachbarn.
Statt einen baldigen russischen Sieg zu beschwören, blickt Putin plötzlich Jahre in die Zukunft. Seine Botschaft: Russland müsse den Krieg offenbar nicht kurzfristig entscheiden – die Ukraine könne auch langfristig an Stärke und Territorium verlieren.
Das passt zu einem Kriegsverlauf, in dem die russische Offensive vielerorts nur schleppend vorankommt und teils Rückschläge hinnehmen muss. Der grosse militärische Durchbruch ist ausgeblieben nach mehr als vier Jahren Krieg, hohen Verlusten und enormen Kosten.