Darum gehts
- 18-Jährige erschoss am 10. Februar in Tumbler Ridge acht Menschen
- Jesse R. tötete zuvor Mutter und Stiefbruder, dann beging sie Suizid
- Sechs Tote in Schule, darunter Kinder zwischen 12 und 13 Jahren
Ein 18-jähriger Teenager hat am Dienstag eine Highschool in der kanadischen Kleinstadt Tumbler Ridge mit 2400 Einwohnern in ein Blutbad verwandelt.
Trans-Frau Jesse R.* (†18) stürmte die Schule und erschoss sechs Menschen. Unter den Opfern: eine Lehrerin, drei Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen 12 und 13 Jahren.
Anschliessend nahm sich Jesse R. selbst das Leben, wie der Nachrichtensender CTV News unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet. Zuvor hatte sie ihre Mutter Jennifer (†39) und ihren Stiefbruder Emmett (†11) in ihrem Haus getötet.
Polizeieinsatz an Wohnadresse
Nun werden immer mehr Details über Jesse R. bekannt. Nachbarn beschreiben die 18-Jährige als ruhiges Kind und Einzelgänger. Im Alter von circa zwölf Jahren habe sich R. begonnen, als Frau zu identifizieren, erklärte Polizeichef Dwayne MacDonald am Dienstag bei einer Pressekonferenz.
Laut den Ermittlern litt R. zunehmend an psychischen Problemen und brach mit 14 die Schule ab. In den letzten Jahren war sie aufgrund psychischer Probleme bereits mehrfach von der Polizei besucht worden, berichtet der Sender BBC. Laut der «New York Post», hatte die über 1.80 Meter grosse R. den Traum, als «petite woman» zu leben. Eine «petite woman» ist in der Modebranche eine Frau mit einer Körpergrösse von in der Regel unter 1.60 bis 1.63 Meter.
Polizei beschlagnahmte Schusswaffen
Vor einigen Jahren kam es in R.s Elternhaus bereits zu einem Polizeieinsatz, bei dem Schusswaffen beschlagnahmt wurden. Offenbar hatte die Mutter keinen gültigen Waffenschein. Wie BBC berichtet, war R. mehrfach nach dem Mental Health Act festgenommen und begutachtet worden. Zudem besass sie früher einen Waffenschein, welcher jedoch mittlerweile abgelaufen sei. Noch ist unklar, wem die beim Anschlag verwendeten Waffen gehörten.
Während die Ermittlungen zu einem möglichen Motiv weiter auf Hochtouren laufen, trauern Angehörige der Opfer um ihre Liebsten.
«Sie war eine wunderschöne Seele»
Eines der Opfer ist Kylie S.* (†12). Die Zwölfjährige starb an schweren Schussverletzungen, wie ihre Familie auf der Plattform Gofundme mitteilte. «Gestern erhielt unsere Familie die erschütternde Nachricht, dass unsere wunderschöne Kylie als eines der Opfer des Amoklaufs an der Schule in Tumbler Ridge identifiziert wurde. Sie war gerade einmal zwölf Jahre alt. Wir sind völlig am Boden zerstört und finden keine Worte, um das Ausmass dieser Tragödie zu begreifen.»
Dem Sender CTV News sagte Kylies Vater, seine Tochter sei eine wunderschöne Seele gewesen. «Wir lieben sie einfach so sehr. Sie hat nie jemandem etwas zuleide getan.» Er habe seine Tochter zum letzten Mal am Dienstagmorgen (Ortszeit) gesehen, als sie mit ihrem 15-jährigen Bruder die Schule betreten hatte. «Ich habe ihnen nachgeschaut. Es war das letzte Mal, dass ich Kylie gesehen habe.»
«Sie sagten, sie würde die Nacht nicht überleben, aber sie ist noch hier»
Unter den Verletzten befindet sich zudem die zwölfjährige Maya G.* Ihre Mutter veröffentlichte einen emotionalen Post. «Der heutige Tag begann wie jeder andere. Doch jetzt kämpft meine 12-jährige Tochter um ihr Leben, während sie versuchen, die Verletzungen einer Schusswunde am Kopf zu behandeln.»
Maya brauche ein Wunder, um zu überleben, so die Mutter. «Man hat uns gesagt, dass die Schädigung ihres Gehirns zu gross sei, als dass sie sie überstehen könnte, und dass sie die Nacht nicht überleben würde», sagte sie am Mittwochnachmittag. Doch Maya kämpft auch am Donnerstag noch weiter, wie ihre Tante erklärt.
«Ich spüre sie in meinem Herzen. Ich spüre, wie sie mir sagt, dass alles gut wird. Sie ist hier, wie lange, wissen wir nicht», schrieb ihre Mutter in dem Post. Neben der Schusswunde am Kopf traf eine Kugel auch Mayas Nacken.
* Namen bekannt
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net