Darum gehts
- Zehn Tote bei Schusswaffenvorfall in Tumbler Ridge, British Columbia, Kanada
- Tatverdächtige Frau unter den Toten, Leiche in Schule gefunden
- Tödlichster Vorfall seit Montreal 1989 mit 14 Opfern
Bei einem der folgenschwersten Schusswaffenvorfälle in der Geschichte Kanadas sind zehn Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sei auch eine Frau, die nach ersten Erkenntnissen als Tatverdächtige gelte, teilte die Polizei am Dienstag (Ortszeit) in der westlichen Provinz British Columbia mit.
Die Leiche der mutmasslichen Täterin wurde in einer Schule der Ortschaft Tumbler Ridge gefunden. Dort waren zuvor sieben Menschen erschossen und rund zwei Dutzend weitere verletzt worden. An einem zweiten Ort, der vermutlich mit der Tat in Verbindung steht, entdeckten Ermittler zwei weitere Tote.
Nach Angaben der Behörden starb die Frau an einer «selbst zugefügten Verletzung». Ihre Identität sei inzwischen geklärt, weitere Details würden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und der laufenden Ermittlungen vorerst nicht veröffentlicht.
Gerüchte über trans Person nicht bestätigt
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes veröffentlichte die Polizei bisher keine Informationen zur Identität der tatverdächtigen Person. Zuvor war nach einer «braunhaarigen Frau im Kleid» gefahndet worden.
In sozialen Netzwerken verbreiten sich derzeit Mutmassungen, wonach es sich angeblich um eine trans Person handeln könne; auch die kanadische Seite «Juno News» griff diese Behauptung auf. Verlässliche Belege dafür liegen jedoch nicht vor. Die Polizei erklärte zudem, dass aus Datenschutz- und Ermittlungsgründen momentan keine weiteren Einzelheiten mitgeteilt werden.
Hintergrund weiterhin unklar
Über das Motiv herrscht weiterhin Rätselraten. Unklar ist auch, ob es sich bei den Opfern um Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte handelt – zunächst müssten alle identifiziert und die Angehörigen benachrichtigt werden.
Die Polizei wurde um 13.20 Uhr Ortszeit (21.20 Uhr MEZ) über Schüsse an der Schule informiert und traf wenige Minuten später ein. Ein Schüler berichtete dem Sender CBC, kurz darauf habe ein Alarm ausgelöst: «Wir haben Tische genommen und die Türen verbarrikadiert. Es fühlte sich an wie im Fernsehen.»
Stundenlang rief die Polizei die Bevölkerung auf, Türen zu verriegeln und Häuser nicht zu verlassen. Zeitweise wurde nach einer «braunhaarigen Frau in einem Kleid» gefahndet.
Schock in der kleinen Gemeinde
Tumbler Ridge zählt rund 2700 Einwohner und liegt etwa 700 Kilometer nordöstlich von Vancouver. Bürgermeister Darryl Krakowka sagte: «Ich bin seit 19 Jahren hier – wir sind eine kleine Gemeinde. Ich nenne sie nicht Einwohner, ich nenne sie Familie.»
Auch Provinz-Premier David Eby zeigte sich erschüttert: «Es ist etwas, das gefühlt nur anderswo passiert.» Experten verweisen darauf, dass es in Kanada deutlich strengere Waffengesetze als in den USA gibt und solche Taten deshalb vergleichsweise selten sind.
Tödlichster Vorfall an Ausbildungsstätte seit Jahrzehnten
Medienberichten zufolge handelt es sich um den tödlichsten Vorfall dieser Art an einer Ausbildungsstätte seit 1989. Damals erschoss ein 25-Jähriger an einer Fachhochschule in Montreal 14 Studentinnen, bevor er sich selbst tötete.
Die schlimmste Gewalttat der jüngeren kanadischen Geschichte ereignete sich 2020 in Nova Scotia: Ein als Polizist verkleideter Täter erschoss dort während 13 Stunden 22 Menschen.
Kanadas Premierminister Mark Carney reagierte bestürzt. «Ich bin zutiefst erschüttert. Meine Gebete und mein tiefstes Beileid gelten den Familien und Freunden der Opfer», schrieb er auf X.
Seine geplante Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz sagte er Medienberichten zufolge ab.