Militärexperten beobachten Geländeverluste statt Geländegewinne
Putins Frontzahlen gleichen «Halluzinationen»

Putin meldet grosse russische Gewinne in der Ukraine – das ISW nennt die Zahlen realitätsfern. Laut der US-Denkfabrik verlor Russland im September netto Gelände, statt 1301 Quadratkilometer zu erobern.
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In Moskau brennt eine Ölraffinerie. Die Ukrainer treffen die Russen an empfindlichen Stellen.
Foto: keystone-sda.ch
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Guido FelderAusland-Redaktor

Putin hatte behauptet, dass die russischen Streitkräfte allein im September 2026 insgesamt 1'301 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Das soll angeblich das Zweieinhalbfache der Gewinne aus den Vormonaten sein.

Die Daten der Militärexperten des ISW zeichnen jedoch ein völlig gegenteiliges Bild der Frontverläufe. Laut ihren Beobachtungen mussten die russischen Truppen im September in Wahrheit einen Nettoverlust von 80,81 Quadratkilometern hinnehmen. Rechne man vorübergehende Infiltrationen in nicht kontrollierte Gebiete hinzu, summiere sich das Minus sogar auf 175 Quadratkilometer.

Das ISW ordnet die Äusserungen Putins als Teil einer gezielten kognitiven Kriegsführung ein. Das Narrativ eines unaufhaltsamen russischen Vormarsches solle eine fiktive Schlachtfeldrealität erzeugen, um den Westen zu zermürben.

Wird Putin falsch informiert?

Laut den Analysten bleibt unklar, ob Putin die falschen Zahlen bewusst nutzt oder ob sie ihm so vorgelegt worden sind. Möglicherweise akzeptiere er erfundene Frontberichte ungeprüft. Das wäre die Folge einer «tief in der russischen Führungskultur verankerten Lügenkultur», schreibt das ISW.

Das Institute for the Study of War (ISW) ist eine in Washington D.C. ansässige, US-amerikanische Denkfabrik. Es gilt in der westlichen Medienlandschaft und bei der Unterrichtung von Entscheidungsträgern als eine der detailliertesten Quellen für tägliche Lageberichte zum Ukraine-Krieg.

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