Ist das der Anfang der Enteignung?
Putin stellt Nestlé unter Zwangsverwaltung

Kreml-Chef Wladimir Putin hat per Dekret die Kontrolle über Nestlés Russland-Geschäfte übernommen. Die Anteile stehen nun unter Zwangsverwaltung. Moskau nutzt diese Taktik seit 2023. Die Verluste gehen in die Milliardenhöhe.
Kommentieren
1/5
Wladimir Putin stellt den Schweizer Konzern Nestlé in Russland unter Zwangsverwaltung.
Foto: Imago/Tass

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Putin stellt Nestlés Russland-Geschäft unter staatliche Zwangsverwaltung per Dekret
  • Nestlé behält Eigentum, verliert aber alle Entscheidungsrechte an Russland-Firmen
  • Russland trägt zwei Prozent zum Nestlé-Umsatz bei, Gewinn könnte um 4 % sinken
RMS_Portrait_AUTOR_242.JPG
Guido FelderAusland-Redaktor

Der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé verliert – zumindest vorübergehend – das Sagen über einen Teil seines Russland-Geschäfts. Per Präsidialdekret hat Kreml-Chef Wladimir Putin (73) die Anteile an Nestlé Russia und Nestlé Kuban unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Die Führung übernimmt die russische Firma L.E.V. Management. Ursprünglich war die Zwangsverwaltung von fünf Nestlé-Firmen gefordert worden. 

Nestlé bleibt zwar offiziell Eigentümer, besitzt aber keinerlei Bestimmungsrecht mehr. Neben den Schweizern sind auch die französischen Händler Auchan und Lemana Pro betroffen.

Schweizer stoppten Investitionen

Der Schritt kommt nicht überraschend. Bereits im August forderten lokale Logistiker ein Eingreifen des Kremls, da Nestlé Investitionen gestoppt und Exporte eingestellt hatte.

Ist das der erste Schritt zur Enteignung? Der Konzern reagierte vorerst zurückhaltend. Ein Nestlé-Sprecher erklärte gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP auf Anfrage lediglich: «Wir prüfen derzeit noch die Fakten.»

Nestlé betreibt in Russland sechs Produktionsstandorte, wo unter anderem Kaffee, Süsswaren, Babynahrung und Tierfutter produziert werden. Russland steuert etwa zwei Prozent zum Nestlé-Umsatz bei. Sollte der Konzern nun zu einem Verkauf unter Wert gezwungen werden, droht laut der US-Bank J.P. Morgan ein Einbruch beim Gewinn je Aktie von bis zu vier Prozent. Moskau nutzt diese Taktik seit 2023 systematisch: Zuvor wurden bereits die Konzerne Danone, Carlsberg und Heineken mit dieser Methode aus dem Land gedrängt und mussten Milliardenverluste verbuchen.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen