Darum gehts
- In Israel stehen am Dienstag erste Parlamentswahlen seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 an
- Netanjahu teilte ein KI-Bild einer Atomexplosion über Tel Aviv, Gegner nannten ihn hysterisch
- Netanjahu bat Trump laut Axios um mehr Wahlkampfhilfe, Trump rief zur Wahl seines Verbündeten auf
Am Dienstag stehen in Israel die ersten Parlamentswahlen seit dem Terror-Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 an. Das Land ist vor diesem Schicksalstag tief gespalten. Laut Umfragen liegen die Regierungskoalition von Benjamin Netanyahu (77) und der wichtigste Oppositionsblock fast gleichauf, wie die BBC schreibt.
Dementsprechend gross ist der Druck auf den amtierenden Ministerpräsidenten. In den letzten Tagen vor der Wahl greift Netanyahu nun im Wahlkampf zu radikalen Mitteln. Auf der Plattform X teilte er am Sonntag ein KI-generiertes Foto einer Atomexplosion über der Grossstadt Tel Aviv.
Netanjahu sei «hysterisch»
In seinem Post teilte Netanyahu einen Text des rechtsgerichteten Kommentators Yuval Blumberg. Dieser schreibt von einer «existenziellen Gefahr» für Israel und greift die politischen Gegner des Ministerpräsidenten an. Seine Botschaft: Alle nötigen staatlichen Ressourcen müssen in die Mission investiert werden, das Mullah-Regime im Iran zu zerstören. Und dies sei nur mit Netanyahu und US-Präsident Donald Trump (80) möglich.
Netanyahus Post löste in Israel Empörung aus, besonders bei seinen politischen Gegnern. Gadi Eisenkot (66), Spitzenkandidat der Mitte-Partei Jaschar, bezeichnete den Regierungschef in einem Beitrag auf X als hysterisch. «Wie bei jeder Wahlkampagne wieder dieselbe Methode aus Lügen und Einschüchterungen», so die Einschätzung von Eisenkot.
Mehr Unterstützung von Trump gefordert
Die kontroversen Wahlkampf-Methoden zeigen: Netanyahu hat Angst vor einer Niederlage. Er sieht sein politisches Überleben in Israel in Gefahr. Ihm wird von der Opposition unter anderem Vorgeworfen, Warnung vor dem Hamas-Massaker am 7. Oktober ignoriert zu haben, wie unter anderem die deutsche Tagesschau berichtete. Auch fühlt er sich wohl von seinem wichtigsten Verbündeten etwas im Stich gelassen.
Wie eine anonyme Quelle gegenüber «Axios» berichtet, hatte Netanyahu Trump in letzter Zeit eindringlich gebeten, seine Wahlkampagne öffentlich stärker zu unterstützen. Der Ministerpräsident habe in den vergangenen drei Tagen zweimal mit Trump gesprochen. Scheinbar habe Netanyahu vorgeschlagen, dass der US-Präsident Telefonate mit israelischen Journalisten führen solle, um weitere Unterstützung auszudrücken.
«Zeichen der Verzweiflung»
Netanyahus dringliche Bitten wurden im Weissen Haus wohl mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Die Trump-Regierung deute die aggressive Lobbyarbeit als ein «Zeichen der Verzweiflung» und als Hinweis darauf, dass der israelische Regierungschef glaubt, bei der Wahl im Rückstand zu sein.
Trotzdem stärkte Trump am Sonntag Netanyahu nochmals den Rücken. Auf seiner Plattform Truth Social forderte er die Bevölkerung Israels dazu auf, für seinen Verbündeten zu stimmen. «Wählt Bibi Netanyahu zum Ministerpräsidenten, wir müssen das begonnene Werk vollenden», schrieb der US-Präsident.