Iranischer Aussenminister verlässt Pakistan
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Am Samstagabend lokaler Uhrzeit hat der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi Islamabad wieder verlassen, berichtet CNN unter Berufung auf iranische Quellen aus den Gesprächskreisen. In der pakistanischen Hauptstadt hatte sich Araghtschi mit Pakistans oberster Führung getroffen, darunter mit Premierminister Shehbaz Sharif und dem Armeechef des Landes, Feldmarschall Asim Munir, der bereits als wichtiger Vermittler zwischen dem Iran und den USA fungiert hat. Laut CNN sei es bei den Gesprächen darum gegangen, eine Waffenruhe mit Washington zu erörtern und sich mit wichtigen Verbündeten in der Region zu beraten.
Auf X meldete sich Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif nach dem Treffen: «Ich habe mich sehr gefreut, heute in Islamabad Seine Exzellenz Seyed Abbas Araghtschi, den Aussenminister des Iran, und seine Delegation zu treffen. Wir hatten einen äusserst herzlichen und freundschaftlichen Meinungsaustausch über die aktuelle Lage in der Region. Ausserdem haben wir Themen von beiderseitigem Interesse erörtert, darunter die weitere Stärkung der bilateralen Beziehungen zwischen Pakistan und dem Iran.»
Das Weisse Haus hatte am Freitag verkündet, dass die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Wochenende nach Pakistan reisen würden. Doch iranische Medien hatten dementiert, dass Araghtschi während seiner Reise direkt mit den Vermittlern aus Washington verhandeln würde.
Auch der iranische Aussenamtssprecher Ismail Baghaei hatte am Freitag auf X erklärt, dass bislang kein Treffen mit der amerikanischen Seite geplant sei. Ursprünglich hatte Pakistan versuchen wollen, eine weitere Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran zu initiieren. Was die Abreise Araghtschi nun für die Friedensgespräche mit den USA bedeutet, war zunächst unklar.
Trotz Waffenstillstand – Vier weitere Tote im Libanon
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Trotz des am Donnerstag von US-Präsident Donald Trump verlängerten Waffenstillstands ruht der Himmel über dem Libanon nicht. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden am Samstag bei einem israelischen Angriff im Südlibanon vier Menschen getötet. In der Nähe der Ortschaft Johmor al-Schakif im Bezirk Nabatäa seien demnach ein Lastwagen und ein Motorrad angegriffen worden. Erst am Vortag hatte das libanesische Gesundheitsministerium sechs Tote nach israelischen Luftangriffen gemeldet.
Eigentlich hatte US-Präsident Trump den Waffenstillstand um drei Wochen verlängert, doch Israel bestand darauf, dass seine Streitkräfte im Südlibanon verbleiben werden. «Wir behalten uns die volle Handlungsfreiheit gegenüber jeder Bedrohung vor, einschliesslich neu auftretender», sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Freitag. «Wir haben gestern zugeschlagen und wir haben heute zugeschlagen.» Die israelischen Streitkräfte (IDF) gaben an, an diesem Wochenende «mehr als 15 Terroristen im Südlibanon» getötet zu haben, darunter drei, die in einem mit Waffen beladenen Fahrzeug unterwegs waren.
Auch die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz hat am Samstag weitere Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Die Hisbollah hatte den Waffenstillstand im Libanon «angesichts der anhaltenden feindseligen Aktionen Israels» in einer Stellungnahme am Freitag bereits als «bedeutungslos» bezeichnet.
Iranisches Militär warnt: «Wir sind stärker als je zuvor»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Gespräche sollen kurz bevorstehen, doch die ganze Welt fragt sich: Reden die Mullahs überhaupt mit Trumps Leuten? Zum geplanten Gipfel in Pakistan reisen für die USA der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an. Doch es gibt noch viele Fragezeichen. Konkretes zu den Gesprächen ist noch nicht durchgedrungen.
Aus der iranischen Militärzentrale Chatam al-Anbiya kommen am Samstag jedoch deutliche Worte. Die Militärführung warnt die USA vor weiteren Schritten in der Strasse von Hormus. Sollten Washington die iranischen Häfen weiterhin blockieren, müsse es mit einer «Reaktion der mächtigen iranischen Streitkräfte» rechnen.
Die Militärführung betonte, die eigenen Streitkräfte verfügten heute über «grössere Stärke und Einsatzbereitschaft als je zuvor», um Souveränität, Territorium und nationale Interessen zu verteidigen. Teile dieser Fähigkeiten seien bereits im sogenannten «Dritten aufgezwungenen Krieg» sichtbar geworden.
Das Kommando unterstrich seine Entschlossenheit. Man beobachte die Bewegungen der Gegner in der Region genau und kontrolliere weiterhin die Strasse von Hormus. Im Falle eines weiteren Angriffs sei man bereit, den «amerikanisch-zionistischen Gegnern» noch schwerere Schäden zuzufügen.
Gestern erklärte US-Kriegsminister Pete Hegseth, dass die US-Seeblockade in der Strasse von Hormus mittlerweile globale Ausmasse angenommen hat. Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte zuvor, die USA würden dem Iran die Wirtschaft abschnüren.
Laut Trump will der Iran den USA ein Angebot unterbreiten
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newdesk
Während der Iran ein Treffen des iranischen Aussenministers mit US-Sondergesandten in Pakistan dementiert, scheint sich US-Präsident Donald Trump unterdessen dennoch sicher, dass der Iran den USA ein Angebot unterbreiten werde. In einem Telefoninterview mit Reuters erklärte Trump am Freitag: «Sie machen ein Angebot, und wir werden sehen.» Einzelheiten dazu kenne er jedoch nicht, so Trump.
Auf die Frage, mit wem die USA im Iran verhandeln, antwortete Trump: «Das möchte ich nicht sagen, aber wir verhandeln mit den Leuten, die derzeit das Sagen haben.» Am Tag zuvor hatte der US-Präsident angedeutet, dass Teheran selbst unsicher sei über seine eigene Führung. Der Iran habe «grosse Schwierigkeiten herauszufinden, wer ihr Anführer ist», schrieb Trump auf Truth Social und behauptete, ein Machtkampf zwischen «Hardlinern» und «Moderaten» sei «crazy».
Iran dementiert Treffen mit US-Sondergesandten
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Während sich die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Samstagmorgen auf den Weg nach Islamabad zu Gesprächen mit dem iranischen Aussenminister Abbas Araghtschi aufmachen wollen (siehe vorheriger Ticker-Eintrag), dementiert der Iran ein solches Treffen nun.
Die iranische Staatsagentur IRNA berichtet, dass aktuell kein Treffen zwischen Araghtschi und den US-Gesandten geplant sei. Am Freitagabend hatte Araghtschi auf der Plattform X angekündigt, zu Treffen nach Islamabad, Maskat (Oman) und Moskau aufzubrechen. Am späteren Freitagabend traf Araghtschi in Islamabad ein.
Laut iranischen Staatsmedien werde der Aussenminister während seines Besuchs in Pakistan die «Überlegungen des Iran zur Beendigung des aufgezwungenen Krieges» darlegen. Auch die den Revolutionsgarden nahestehende Agentur Tasnim erklärte, direkte Gespräche mit den US-Gesandten seien derzeit nicht vorgesehen.
Das pakistanische Aussenministerium bestätigte am Freitagabend die Ankunft des iranischen Aussenministers Araghtschi in Islamabad auf X. In einer Erklärung heisst es hierzu, dass die Delegation aus Teheran mit dem stellvertretenden Premierminister und Aussenminister Pakistans, Ishaq Dar, dem pakistanischen Armeechef Asim Munir sowie weiteren hochrangigen Beamten zusammentreffen werde, um die jüngsten regionalen Entwicklungen sowie «die laufenden Bemühungen um Frieden und Stabilität in der Region» zu erörtern.
Die Erklärung des pakistanischen Aussenministeriums liefert jedoch keinen auf ein mögliches Treffen zwischen Araghtschi und den US-Gesandten.
USA schicken Vermittler am Wochenende nach Pakistan
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Verhandeln die USA und der Iran am Wochenende nun wieder über den Iran-Krieg? Die Zeichen verdichten sich. US-Präsident Donald Trump schickt laut CNN und Axios seine Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Wochenende nach Pakistan, um an Gesprächen mit dem iranischen Aussenminister Abbas Araghtschi teilzunehmen. Die Pressesprecherin des Weisses Hauses, Karoline Leavitt, bestätigte im US-Fernsehen, dass Witkoff und Kushner am Samstagmorgen nach Islamabad anreisen werden. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran zu erneuten Gesprächen mit den USA gibt es nicht.
Araghtschi hatte am Freitagabend auf X nur bestätigt, zu einer zeitnahen Reise nach Islamabad, Maskat (Oman) und Moskau aufzubrechen. «Ziel meiner Besuche ist es, mich mit unseren Partnern eng über bilaterale Angelegenheiten abzustimmen und mich über regionale Entwicklungen auszutauschen. Unsere Nachbarn haben für uns oberste Priorität», schrieb der Aussenminister weiter. Nun scheint es jedoch, als ob auch die USA an den Gesprächen in Islamabad beteiligt sein könnten.
Laut Regierungsbeamten plane US-Vizepräsident JD Vance derzeit keine Teilnahme, da auch der iranische Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf nicht dabei sein werde, berichtet CNN. Vom Weissen Haus wird Ghalibaf als zentraler Leiter der iranischen Delegation und als Vances Gegenüber bei Verhandlungen angesehen. Vance werde demnach jedoch bereitstehen, um nach Islamabad zu reisen, falls die Gespräche Fortschritte machen sollten.
Hisbollah-Miliz erklärt Waffenstillstand im Libanon für «bedeutungslos»
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
In der Nacht auf Freitag hatte Donald Trump eine Verlängerung des Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon um weitere drei Wochen bekannt gegeben. Nach Gesprächen mit Vertretern beider Nationen im Weissen Haus hatte sich Trump auf «Truth Social» optimistisch gezeigt. Nun hat sich die Hisbollah-Miliz zur Waffenruhe geäussert – und diese als «bedeutungslos» bezeichnet.
Der Waffenstillstand im Libanon sei «angesichts der anhaltenden feindseligen Aktionen Israels bedeutungslos», hiess es hierzu in einer Stellungnahme der Hisbollah. Jeder Waffenstillstand, der nicht «direkt mit dem Rückzug Israels aus libanesischem Gebiet verbunden ist, bekräftigt das feste und endgültige Recht des libanesischen Volkes, sich gegen die Besatzung zu wehren und sie aus unserem Land zu vertreiben», so die vom Iran unterstützte Gruppe weiter.
Mohammad Raad, der Vorsitzende der Hisbollah-Fraktion im Parlament, hatte in einer separaten Erklärung den Vermittlern einen «trügerischen Plan» vorgeworfen, um «die israelische Aggression zu decken», nachdem es in den letzten Tagen zu einer Reihe tödlicher israelischer Militärangriffe gekommen war.
Donald Trump hatte neben dem angekündigten Waffenstillstand auch Unterstützung im Libanon versprochen. Man wolle nun «vereint» gegen die Hisbollah auftreten, um den Libanon vor dem Einfluss der Miliz zu schützen.
Irans Aussenminister Araghtschi besucht Pakistan, Oman und Russland
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Zeichnen sich nun neue Entwicklungen bei den Friedensgesprächen ab? Laut einem Bericht der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr werde der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi ab Freitagabend «eine Reihe von Besuchen in Islamabad, Maskat (Oman) und Moskau» antreten. Araghtschi bestätigte die Treffen später auf X.
«Der Zweck dieser Reise sind bilaterale Konsultationen, Gespräche über aktuelle Entwicklungen in der Region sowie die jüngste Lage im von den Vereinigten Staaten und dem israelischen Regime gegen den Iran geführten Krieg», so Mehr. Wie CNN berichtet soll der Aussenminister zunächst in Islamabad Gespräche mit pakistanischen Vermittlern führen. US-Vertreter sollen bei dem Treffen jedoch nicht beteiligt sein, berichten CNN unter Berufung auf eine US-Quelle sowie iranische Staatsmedien.
Während US-Präsident Donald Trump die Iraner aufgefordert hatte, «ihren Vorschlag» vorzulegen, ist unklar, welche konkreten Ziele Araghtschis Mission nun für Friedensgespräche beinhalten könnte. Wie CNN berichtet, hoffe man jedoch auf pakistanischer Seite, dass das Treffen in Islamabad zu einer zweiten Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran führe.
Die letzte iranische Delegation hatte noch der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Baghir Ghalibaf, geleitet. Trump hatte bereits behauptet, die iranische Führung sei gespalten. Dies wurde jedoch von iranischen Führern, darunter sowohl Araghtschi als auch Ghalibaf, in fast identischen Tweets der letzten Tage zurückgewiesen, wobei Ghalibaf sagte: «Es gibt keine Radikalen oder Gemässigten – wir sind alle Iraner und Revolutionäre.»
Hegseth: «Die Blockade wird zu einer weltweiten Angelegenheit»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
US-Kriegsminister Pete Hegseth schreckt nicht vor Drohungen gegen den Iran zurück. Bei einer Pressekonferenz im Pentagon am Freitag erklärt Hegseth, dass die US-Armee weiterhin «jederzeit bereit» sei, die Kämpfe wieder aufzunehmen.
Generalstabschef Dan Caine wiederholte, dass die US-Seeblockade in Hormus weiterhin bestehe. «Die Schiffe treffen eine weise Entscheidung, wenn sie umdrehen», warnte der General. Insgesamt konnten insgesamt 34 Schiffe mit Verbindungen zum Iran zur Umkehr bewegt werden.
Ein Containerschiff – die Tosca – habe sich der Blockade widersetzt (wir berichteten im Ticker darüber). «Wir haben das Schiff nach mehreren Warnungen mit neun, präzisen Schüssen ausser Gefecht gesetzt.» Schliesslich habe das Schiff begonnen, zu kooperieren. US-Kräfte haben den Tanker im Anschluss gekapert, teilt Caine mit.
Zuvor teilte der Kriegsminister mit, die Stärke der Seeblockade wachse jeden Tag. Die USA hätten keinen Stress. Erneut konnte sich Hegseth einen Seitenhieb gegen Europa nicht verkneifen. «Wir können uns nicht auf sie verlassen, aber die Europäer brauchen die Strasse von Hormus viel dringender als wir. Das ist viel mehr ihr Kampf als unserer.» Die europäischen Ländern hätten vergangene Woche eine «alberne Konferenz» abgehalten, die keine Resultate gebracht habe.
Ein Journalist will von Hegseth wissen, ob er jeweils einen Adrenalinstoss verspüre oder Angst habe, wenn er einen Schlag gegen den Gegner anordne. Hegseth antwortet darauf: «Mein einziges Anliegen ist es, sicherzustellen, dass unsere Soldaten alles haben, was sie brauchen. Krieg ist gewalttätig. Ich möchte, dass unsere Jungs nach Hause kommen.»
Bald werde ein zweiter Flugzeugträger zur Blockade stossen, erklärt der Kriegsminister zum Schluss. «Sie wächst und wird zu einer globalen Angelegenheit.»
Mein Kollege Michael Hotz hat in diesem Artikel beschrieben, welche Produkte aufgrund des Iran-Kriegs noch teurer werden könnten.
Recherche zeigt: Vier MSC-Frachter mogelten sich durch Hormus
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Bilder sind im Krieg zwischen dem Iran und den USA allgegenwärtig. In der Nacht auf Donnerstag veröffentlichten die Revolutionsgarden ein Video, in dem sie ein Schiff der Reederei MSC mit Sitz in Genf entern. Mein Kollege Guido Felder hat in diesem Ticker über das Ereignis berichtet. Die Drohne filmte, wie Soldaten die MSC Francesca (364 Meter) und die von MSC gecharterte Epaminondas übernehmen.
Die Revolutionsgarden erklärten, die Frachter hätten die Meerenge ohne Erlaubnis durchquert und dabei ihre Ortungssysteme manipuliert. Die strategisch wichtige Meerenge zählt zu den sensibelsten Nadelöhren des globalen Handels.
Eine Recherche der «NZZ» zeigt nun: Seit Samstag wagten vier weitere MSC-Schiffe die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus – sie schafften es offenbar mit der Ausschaltung ihrer Transponder und bewegten sich zuvor praktisch im Gleichschritt auf die Strasse von Hormus zu. Seit Montag sind die Schiffverfolgungsdaten wieder einsehbar, mittlerweile befinden sich die Schiffe bereits nach Indien.
Bei der «MSC Francesca» könnte das gleiche Vorgehen geplant gewesen sein, bevor es augenscheinlich scheiterte.
Die Ausfahrt schafften auch mehrere, leere Kreuzfahrtschiffe, die im Persischen Golf festsassen.
Die Reederei MSC äusserte sich auf «NZZ»-Anfrage bislang nicht zu den Vorfällen.
Vor Beginn des Iran-Kriegs passierten täglich rund 130 Schiffe die Strasse von Hormus. Im Anschluss brach der Verkehr dramatisch ein. Alle Zahlen und Fakten zur Sperrung der Strasse von Hormus findest du hier.