Darum gehts
- Israel scheint neue Bombentypen im Krieg gegen den Iran einzusetzen
- Experten vermuten Brandkomponenten zur Zerstörung chemischer Kampfstoffe
- 2000-Pfund-Bomben mit präziser GPS-Steuerung, ähnlich wie US-Crashpad
Der Nahe Osten wird mit Luftangriffen übezogen. Im Krieg gegen den Iran setzen die USA und Israel auch auf Waffen, die nun erstmals zum Einsatz kamen. So veröffentlichte die israelische Luftwaffe am 3. März mehrere Bilder, auf denen ein neuer Bombentyp zu sehen ist. Dieser sei zuvor noch nie öffentlich im israelischen Dienst zu sehen gewesen, berichtet das internationale Recherchekollektiv Bellingcat.
Nach Angaben von Bellingcat erkennen Experten eine Brandkomponente bei der neuen Bombe. Diese diene möglicherweise dazu, chemische oder biologische Kampfstoffe zu zerstören. Geht Israel nun also davon aus, dass der Iran mit Chemiewaffen zurückschlagen könnte?
Ähneln US-Geschoss für Chemiewaffen-Zerstörung
Markiert sind die Bomben mit einem roten und einem gelben Streifen. Laut Bellingcat wird Rot üblicherweise verwendet, um eine Brandbombe zu kennzeichnen, während Gelb auf eine hochexplosive Wirkung hinweist. Nach Angaben des Recherchekollektivs handelt es sich um 2000-Pfund-Luftbomben (umgerechnet rund 900 Kilogramm), die mit einem Joint Direct Attack Munition (JDAM) Lenkungssatz ausgestattet sind. Dieser ermöglicht durch ein GPS-gesteuertes Heckteil eine präzise und «smarte» Lenkung von Munition.
Die Markierungen und die Art der Bombe ähneln laut dem Recherchekollektiv auch dem in den USA hergestellten Crashpad – einem Geschoss, das entwickelt wurde, um chemische oder biologische Waffenvorräte anzugreifen und zu zerstören.
Bombe mit weissem Phosphor?
Das Crashpad, auch BLU-119/B genannt, enthält weissen Phosphor und hochexplosive Sprengstoffe. US-Waffen wie diese müssten rechtlich geprüft werden – der Einsatz von weissem Phosphor gilt laut der NGO Human Rights Watch als umstritten. Bei Kontakt mit Sauerstoff entzündet sich die Substanz und sorgt bei Berührung mit dem menschlichen Körper für schwere Verletzungen.
Doch das Crashpad bildet eine Ausnahme. «Wenn das Crashpad wie vorgesehen eingesetzt wird, um chemische oder biologische Waffenlager anzugreifen, die ausreichend weit von der Zivilbevölkerung entfernt sind, dann steht sein Einsatz im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht und dem Vertragsrecht», erklärt Arthur van Coller, Professor für humanitäres Völkerrecht gegenüber dem Recherchekollektiv.
Israel selbst sei zwar ein Vertragsstaat der UN-Waffenkonvention CCW, ist aber nicht rechtlich an das sogenannte Protokoll III über Brandwaffen gebunden. Es bleibt daher offen, ob und inwieweit Israel tatsächlich Bomben mit weissem Phosphor einsetzen könnte. Auf Anfrage von Bellingcat gab die israelische Armee keine Details zu eingesetzter Munition preis.