Iran-Aussenminister Araghtschi über den USA-Konflikt
«Haben unser Vertrauen in die Vereinigten Staaten verloren»

Die Spannung zwischen dem Iran und den USA scheint mit jeder Sekunde zu steigen. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi sieht Möglichkeiten für einen Deal – der drohende Unterton bleibt jedoch.
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Abbas Araghtschi will keinen Krieg, hat aber kein Vertrauen in die USA.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Irans Aussenminister warnt vor Fehlinformationen und möglichen Konflikten mit den USA
  • Araghtschi sieht Verhandlungen mit USA nur bei Sanktionsaufhebung möglich
  • 30'000 Protestierende sollen in zwei Tagen im Iran ihr Leben verloren haben
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Natalie ZumkellerRedaktorin News

Die Situation zwischen dem Iran und den USA ist angespannt. Immer wieder kommt es im Nahen Osten zum Säbelrasseln, aus Washington folgten in den vergangenen Wochen regelmässig Drohungen – nach wie vor befürchtet man, ein US-Angriff auf die Islamische Republik könnte unmittelbar bevorstehen.

In einem Interview mit CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen äusserte sich der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi (63) inmitten der steigenden Spannungen zur zerrüttenden Beziehung mit den USA. «Ich mache mir keine Sorgen bezüglich eines möglichen Kriegs, sondern bezüglich Fehleinschätzungen und Militäroperationen, die auf Fehlinformationen und Desinformationskampagnen beruhen», so Araghtschi.

«Müssen Misstrauen überwinden»

Es sei offensichtlich, dass es «bestimmte Elemente, bestimmte Parteien gibt, die Präsident Trump zu ihrem eigenen Vorteil in diesen Krieg hineinziehen wollen». Er vertraue jedoch dem amerikanischen Staatsoberhaupt, klug genug zu sein, um seine Entscheidungen selbst treffen zu können.

Verhandlungen könne er sich zwar vorstellen, das Vertrauen in Amerika habe man aber verloren. «Sinnvolle Verhandlungen sollten auf Vertrauen basieren. Leider haben wir unser Vertrauen in die Vereinigten Staaten als Verhandlungspartner verloren. Wir müssen dieses Misstrauen überwinden.»

Die Möglichkeit für weitere Gespräche sehe er nur, wenn das US-Verhandlungsteam dem folgt, was Trump sagt. So könne man zu einer «fairen und gerechten Vereinbarung gelangen, die sicherstellt, dass es keine Atomwaffen gibt».

Deal unter bestimmten Bedingungen

Die bisherigen Bemühungen anderer Länder in der Region, die probieren würden, im Konflikt eine Vermittlerrolle einzunehmen, schätze Araghtschi sehr. Pleitgens Frage, ob die laufenden Gespräche fruchtbar seien, bejahte der iranische Aussenminister.

Er sehe sogar Potenzial für einen Deal – unter bestimmten Bedingungen. «Dinge wie Anreicherung, ballistische Raketen, Stellvertreterkräfte in der Region – ich weiss, dass die Vereinigten Staaten darüber ebenfalls verhandeln wollen. Ist das für Sie völlig ausgeschlossen oder könnten Sie zumindest darüber sprechen?», so Pleitgen.

Für Araghtschi ist klar: «Präsident Trump sagte: keine Atomwaffen. Und wir stimmen dem voll und ganz zu. Das könnte ein sehr guter Deal sein. Natürlich erwarten wir im Gegenzug die Aufhebung der Sanktionen. Dieser Deal ist also möglich.»

Araghtschi erinnert an Israel-Krieg

Der drohende Unterton bleibt jedoch – Araghtschi macht klar, dass die 12-tägige militärische Konfrontation mit Israel im vergangenen Juni sehr lehrreich für das iranische Militär gewesen sei. «Unsere Raketen wurden beim letzten Mal in einem echten Krieg getestet. Und wir konnten ihre Probleme, ihre Schwachstellen und ihre Stärken verstehen. Wir haben also aus diesen 12 Kriegstagen viele Lehren gezogen. Und ich denke, wir sind jetzt sehr gut vorbereitet.»

Weiter betonte er, Vorbereitungen auf einen Krieg seien nicht mit einem Interesse daran zu verwechseln. «Wenn ein Krieg ausbricht, wäre das für alle eine Katastrophe.»

Speziell die grosse US-Präsenz in der Region sei ihm bewusst. «Wenn es zu einem Krieg zwischen dem Iran und den USA kommt, wären zwangsläufig viele Teile der Region davon betroffen, da die US-Stützpunkte über die gesamte Region verteilt sind. Und das könnte sehr gefährlich werden.»

«Rechte aller inhaftierten Personen garantiert»

Auch zu den Protesten, die in den vergangenen Wochen die Strassen des Iran mit nie zuvor gesehenen Menschenmassen füllten, äusserte sich Araghtschi. 30'000 Protestierende sollen laut verschiedenen Medienberichten in nur zwei Tagen ihr Leben verloren haben – auf die heftigen Auseinandersetzungen soll das Mullah-Regime dann Hinrichtungen angeordnet haben. Diese dementiert Araghtschi.

«Zunächst einmal gab es keine Pläne für Hinrichtungen oder Erhängungen. Es gab sie nicht. Und ich kann Ihnen versichern, dass die Rechte aller Personen, die verhaftet und inhaftiert wurden, gewahrt und garantiert werden.»

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