Darum gehts
- Alexej Nawalny (†47) starb 2024 in Russland durch das Gift Epibatidin
- Epibatidin ist 200-mal stärker als Morphium und hochtoxisch
- Fünf Länder planen eine Erklärung gegen Russland während Münchner Sicherheitskonferenz
Als Alexej Nawalny (†47) vor rund zwei Jahren in einem russischen Straflager verstarb, hiess es zuerst, eine «Kombination von Krankheiten» habe dem Oppositionellen das Leben gekostet. Ein Bericht des «Spiegel» zeigt nun aber: Gewebeproben des Russen enthielten das Gift Epibatidin.
Der Stoff ist hochtoxisch und kommt ursprünglich im Hautdrüsensekret von Pfeilgiftfröschen vor. Die kleinen Amphibien leben vor allem im tropischen Klima von Südamerika – obwohl sie winzig sind, reicht das Gift eines einzelnen Froschs, um mehrere Menschen zu töten.
200-mal stärker als Morphium
Bei Epibatidin handelt es sich um ein Nervengift. Bei der Einnahme – am effektivsten durch Injektion, aber auch Schlucken kann tödlich enden – blockiert der Stoff die Reizweiterleitung an Muskeln und Nerven. Die Wirkung tritt dabei besonders schnell ein: Nach Muskelkrämpfen, Herzrhythmusstörungen und Lähmungen der Atemwege folgt schliesslich der Atemstillstand – und somit der Tod.
Der kleine Pfeilgiftfrosch produziert das Gift, um sich gegen Fressfeinde schützen zu können. Seine tödliche Wirkung wurde jedoch bald vom Menschen erkannt und dementsprechend instrumentalisiert. Wurde Epibatidin zuerst noch aus den Hautdrüsen des Tieres isoliert, kann es mittlerweile auch synthetisch im Labor hergestellt werden. Vergleichbar ist die Stärke des Gifts mit Morphium – nur etwa 200-mal so heftig.
Mehrere Staaten sehen nach der Veröffentlichung des Berichts Russland für die Vergiftung in der Verantwortung. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz wollen fünf Länder, darunter Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden und die Niederlande, nun eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen.