Darum gehts
- Alexej Nawalny starb 2024 im Straflager, Hinweise auf Giftmord verdichten sich
- Hochtoxisches Epibatidin wurde in Nawalnys Gewebeproben nachgewiesen, Labore bestätigen Befund
- Fünf Länder beschuldigen Russland und Putin, OPCW soll untersucht werden
Zwei Jahre nach dem Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny (†47) in einem Straflager am Polarkreis verdichten sich Hinweise auf eine gezielte Tötung durch Gift. Russische Ermittler hatten den Tod Nawalnys damals mit einer »Kombination von Krankheiten« erklärt, doch daran bestanden von Beginn an erhebliche Zweifel.
Nun wurde in Gewebeproben Nawalnys der hochtoxische Stoff Epibatidin nachgewiesen, wie der «Spiegel» berichtet. Das Gift kommt natürlicherweise in Pfeilgiftfröschen vor und gilt als extrem wirksam. Die Proben sollen heimlich von der Leiche entnommen und aus Russland in den Westen geschmuggelt worden sein. Mehrere europäische Labore bestätigten demnach unabhängig voneinander den Befund.
Fünf Staaten machen Putin verantwortlich
Fünf Staaten – Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden und die Niederlande – wollen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen. Laut dem «Spiegel» gehen sie darin mit hoher Sicherheit von einer Vergiftung aus und machen Russland sowie Präsident Wladimir Putin (73) direkt verantwortlich. Nur der Kreml und seine Geheimdienste hätten Zugang zu Nawalny im Hochsicherheitslager gehabt und zugleich ein Motiv besessen, den Oppositionsführer zum Schweigen zu bringen.
Die Staaten wollen ihre Erkenntnisse zudem an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) übermitteln. Bereits Nawalnys Witwe hatte im vergangenen Jahr unter Berufung auf ausländische Labore eine Vergiftung behauptet. Nawalny war schon 2020 Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok geworden und überlebte nur dank Behandlung in der Berliner Charité.