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Hotelfach-Student Sean Barua (21) bangt in der Schweiz um seine Heimat Myanmar:«Meine Eltern haben sich schon von mir verabschiedet»

Hotelfach-Student Sean Barua (21) bangt in der Schweiz um seine Heimat Myanmar
«Meine Eltern haben sich schon von mir verabschiedet»

Fassungslos beobachtet der in der Schweiz studierende Sean Barua (21), was in seiner Heimat Myanmar abgeht. BLICK erzählt er von seinem Onkel, der plötzlich verschwunden ist, und von seinen Eltern, die sich vorsorglich von ihm verabschiedet haben.
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Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger: Sean Barua macht das Zeichen des Widerstands.
Foto: zVg
Guido Felder

Der anfangs ruhige Militärputsch in Myanmar entwickelt sich immer mehr zu einem blutigen Gemetzel. Seit dem Sturz von Regierungschefin Aung San Suu Kyi (75) am 1. Februar sind mindestens 202 Menschen getötet worden. Meistens erschossen durch Polizei oder Militär. Alleine am Sonntag gab es 74 Tote. 1900 Personen sitzen bereits in Haft.

Von der Schweiz aus verfolgt Sean Barua (21) mit Schrecken, was in seiner über 8000 Kilometer oder zehn Flugstunden entfernt liegenden Heimat passiert. Der Myanmare studiert an einer Hotelfachschule. An welcher und wie sein myanmarischer Name lautet, das möchte er nicht veröffentlicht haben. Zu gross ist die Angst, dass für ihn oder seine Familie die persönlichen Schilderungen Konsequenzen haben könnten.

Foto: RMS
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Mit Gebeten schützen sie nach dem Militärputsch in Myanmar verfolgte Demonstranten:Todesmutige Nonnen stoppen brutale Polizei

Den Onkel verschleppt

Sean Barua erzählt von seinem Onkel, der am vergangenen Freitag in Myanmars grösster Stadt Yangon (ehemals Rangun) von der Strasse weg verhaftet worden ist. Sein «Delikt»: Er hatte bei einer Demonstration auf Töpfe und Pfannen geschlagen. Das ist – wie das Hochhalten von drei Fingern – ein Zeichen des Widerstands. «Er hat eine Frau und zwei kleine Kinder. Seither hat seine Familie von ihm weder etwas gesehen noch gehört», sagt Barua zu BLICK.

Mit seinen Eltern habe er am Montag über Signal das letzte Mal telefoniert. Es war – aus Angst, abgehört zu werden – ein kurzes, aber berührendes Gespräch. «Meine Eltern haben sich sozusagen von mir verabschiedet, weil man nie weiss, wann man das nächste Mal wieder telefonieren kann – oder ob man sich überhaupt noch einmal lebend begegnet.»

Seine Eltern hätten ihm gesagt: «Sei anständig, mache es richtig. Hoffentlich werden wir uns wiedersehen.» Sean freut sich enorm über diese Worte. Andere Myanmaren hätten ihre Angehörigen verloren, ohne dass sie sich verabschieden konnten.

Zurück in die Dunkelheit

Aus Sicherheitsgründen bleiben vor allem die älteren Myanmaren zu Hause, während die Jungen auf den Strassen protestieren. Sean Barua: «Oft kommt es vor, dass Eltern die Leichen ihrer erschossenen Kinder gar nicht holen oder sehen dürfen, weil das Militär das Ausmass des Gemetzels vertuschen will.»

Doch trotz der Brutalität des Militärs liesse sich die myanmarische Jugend nicht von Protesten abhalten. «Die Jungen merken, dass ihnen die Zukunft geraubt wird», sagt Sean Barua. «Während der letzten zehn Jahre der Öffnung sahen wir die vielen Möglichkeiten, die vor uns lagen. Nun wird das Land in die Dunkelheit zurückgeworfen, in der es seit dem Militärputsch von 1962 lange Zeit verharrt hatte.»

Sean Barua hofft auf Druck der Vereinten Nationen und der USA. Die Schweiz selber könne als neutrales Land nicht viel unternehmen. «Aber», so sagt Sean, «ich möchte, dass die Schweizerinnen und Schweizer erfahren, welche Tragödie sich in meiner Heimat gerade abspielt.»

Todesstrafe für Demonstranten

In der Nacht auf den 1. Februar hat das Militär in Myanmar (früher Burma) die Regierung gestürzt. Der Putsch fiel auf den Tag, an dem die im Herbst 2020 klar gewählte Regierung unter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (75) die neue Amtsperiode angetreten hätte. Die Regierungschefin steht seither unter Arrest.

Vizepräsident Myint Swe (69), ein ehemaliger General, wurde zum Übergangsstaatsoberhaupt ausgerufen und hat sein Vizepräsidentenamt an den Militärchef übertragen. Damit liegt die eigentliche Macht bei Armeechef Min Aung Hlaing (64), der während des einjährigen Notstands die oberste Befehlsgewalt innehat.

Seit dem Putsch demonstrieren Hunderttausende auf den Strassen. Polizei und Militär gehen gegen sie brutal vor. Das Internet wird teilweise abgestellt. In mehreren Stadtteilen Yangons hatte das Militär am Sonntag das Kriegsrecht verhängt. «Jeder, der dort festgenommen wird, wird vor ein Militärgericht gestellt und riskiert Strafen von drei Jahren Haft bis zur Todesstrafe», hiess es. Wegen der massiven Erhöhung der Preise drohen Hunger und Armut. (gf)

In der Nacht auf den 1. Februar hat das Militär in Myanmar (früher Burma) die Regierung gestürzt. Der Putsch fiel auf den Tag, an dem die im Herbst 2020 klar gewählte Regierung unter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (75) die neue Amtsperiode angetreten hätte. Die Regierungschefin steht seither unter Arrest.

Vizepräsident Myint Swe (69), ein ehemaliger General, wurde zum Übergangsstaatsoberhaupt ausgerufen und hat sein Vizepräsidentenamt an den Militärchef übertragen. Damit liegt die eigentliche Macht bei Armeechef Min Aung Hlaing (64), der während des einjährigen Notstands die oberste Befehlsgewalt innehat.

Seit dem Putsch demonstrieren Hunderttausende auf den Strassen. Polizei und Militär gehen gegen sie brutal vor. Das Internet wird teilweise abgestellt. In mehreren Stadtteilen Yangons hatte das Militär am Sonntag das Kriegsrecht verhängt. «Jeder, der dort festgenommen wird, wird vor ein Militärgericht gestellt und riskiert Strafen von drei Jahren Haft bis zur Todesstrafe», hiess es. Wegen der massiven Erhöhung der Preise drohen Hunger und Armut. (gf)

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