Darum gehts
- Seit 1972 wurde die koordinierte Weltzeit 27 Mal per Schaltsekunde angepasst, zuletzt 2016
- Ab Mai 2027 darf die Differenz zwischen Atomzeit UTC und Erdrotationszeit UT1 eine Stunde betragen
- Schaltsekunden belasten Software, weil Minuten exakt 60 Sekunden zählen und linear laufen sollen
Schon seit längerem diskutierten Wissenschaftler über eine Abschaffung der Schaltsekunde. Die Generalkonferenz für Mass und Gewicht in Paris traf nun einen Entscheid, der ab Mai 2027 in Kraft treten soll. Doch was ist überhaupt eine Schaltsekunde und wieso wurde ihr der Stecker gezogen?
Zwei unterschiedliche Zeitmessungen haben Einfluss auf die koordinierte Weltzeit, abgekürzt UTC. Grundsätzlich richtet sich die UTC nach Atomuhren. Diese gelten als extrem präzise und konstant. Etwas anders verhält es sich bei der astronomischen Zeit, auch UT1 genannt. Die astronomische Zeit orientiert sich an der tatsächlichen, jedoch leicht schwankenden Rotation der Erde. Langfristig entwickeln die UTC und die UT1 natürlicherweise eine Differenz in ihrem Takt.
Der 31. Dezember 2016 dauerte eine Sekunde länger
Bei der Einführung der Schaltsekunde im Jahr 1972 wurde festgelegt, dass der Unterschied der beiden Zeiten mehr als 0,9 Sekunden betragen darf. Danach wurde jeweils mit einer zusätzlichen Sekunde nachgeholfen. Wie der «Spiegel» berichtet, musste das Verfahren bis heute nur 27 Mal angewendet werden – zuletzt am 31. Dezember 2016. Die letzte Minute des Tages (UTC Wert) dauerte dadurch exakt eine Sekunde länger.
Was für das menschliche Empfinden kaum merklich ist, kann jedoch schnell zum Problem für Computersysteme werden. Dies, weil Software darauf ausgelegt ist, dass eine Minute exakt 60 Sekunden hat und linear nach vorne läuft. Das gilt auch für Systeme, die in kritischer Infrastruktur, der Telekommunikation oder dem Verkehr gebraucht werden. Der Beschluss wurde nun etwas früher als geplant getroffen, da man erstmals mit einer negativen Schaltsekunde rechnet – das würde das Problem noch zusätzlich verkomplizieren.
Konkret beschlossen hat die Konferenz, dass der Unterschied zwischen der UTC und UT1 ab Mai 2027 3600 Sekunden – also eine ganze Stunde – betragen darf. Damit sollte die Schaltsekunde für die nächsten Jahrhunderte Geschichte sein.