Organisierte Kriminalität in Europa
Frauen steigen auf und greifen zu den Waffen

In Frankreich wurde eine junge Frau festgenommen, die verdächtigt wird, im Drogenmilieu kaltblütig einen Mord begangen zu haben. Das Beispiel zeigt: Frauen spielen in der europäischen organisierten Kriminalität zunehmend eine Rolle.
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Eine 29-jährige Frau, die verdächtigt wird, im Drogenmilieu einen Mann getötet zu haben, wurde am Montag festgenommen. (Symbolbild)
Foto: Shutterstock

Darum gehts

  • Frauen im Drogenmilieu sind öfter an Morden beteiligt.
  • In Paris soll Zohra (29) einen Barbetreiber erschossen haben.
  • Fälle in Wales, Sheffield und Marseille, keine Fälle in der Schweiz.
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Yannick WeberRedaktor Newsdesk

Der Drogenhandel in Europa wird weiblicher und die Akteurinnen gehen immer brutaler vor. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungszentrum für Kriminalität in Frankreich.

«Frauen werden häufiger verdächtigt, an Auftragsmorden beteiligt zu sein: Sie kundschaften die Tatorte im Voraus aus, transportieren die Einsatzteams, geben das Startsignal oder zeigen dem Täter das Opfer. Sie übernehmen längst keine untergeordneten Rollen mehr», schreibt Sirasco in einem Bericht aus diesem Jahr.

Die französische Zeitung «Le Monde» berichtet über einen besonders aufschlussreichen Fall: Eine 29-jährige Frau wurde am Tag nach einem Doppelmord festgenommen. In diesem Fall steht sie im Verdacht, selbst geschossen und nicht bloss bei der Tat geholfen zu haben. In den vergangenen Jahren wurden in Europa mehrere solche Fälle registriert. Wenn Frauen selbst zur Waffe greifen, sind sie zunehmend in Morde verwickelt oder werden dieser Taten beschuldigt.

Shisha-Bar-Angriff in Paris

Der von «Le Monde» geschilderte Fall liegt erst wenige Tage zurück. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden zwei Männer in einer Shisha-Bar in der französischen Hauptstadt erschossen. Der Betreiber der Bar hatte bereits 2024 einen Mordanschlag überlebt und war dafür bekannt, Verbindungen zum Drogenhandel zu haben.

Die Zeitung erfuhr, dass eine 29-jährige Frau namens Zohra, die in Marseille wohnt, am Montagabend festgenommen wurde und eingeräumt haben soll, mit dem Doppelmord in Verbindung zu stehen. Sie soll die ersten Schüsse abgegeben und den Betreiber der Bar erschossen haben, bevor ein Komplize auf das zweite Opfer schoss.

Unbeteiligte stirbt bei Racheakt in Wales

Eine unschuldige Frau wurde getötet, sechs Personen, darunter zwei Frauen, wegen Mordes verurteilt: Zu diesem Urteil kam im Juni 2026 ein walisisches Gericht, die BBC berichtete. Der Fall hatte Wales im März 2025 erschüttert. Eine Frau, die sich bei Freunden aufhielt, wurde tödlich getroffen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Die sechs Verurteilten hatten Vergeltungsmassnahmen gegen eine rivalisierende Drogenbande geplant. Eine der verurteilten Frauen hatte an der Tür des Hauses geklingelt, in dem sich das eigentliche Ziel befinden sollte. Doch die unschuldige Frau, die die Tür öffnete, wurde getroffen. Die andere verurteilte Frau hatte nach dem Mord Beweismittel vernichtet.

Dealer-Duo erschiesst Konkurrenten

Ein Dealer-Duo aus Sheffield wurde im Januar 2026 wegen Mordes verurteilt. Auch in diesem Fall hatten die beiden einen Konkurrenten aus Rache erschossen, weil es Streit um die Präsenz in einem bestimmten Gebiet gab. Das Opfer wurde ins Bein geschossen und starb kurz darauf an einem Herzstillstand.

Die Ermittlungen konnten nicht klären, wer den tödlichen Schuss abgegeben hatte: die Frau, Mutter einer zwölfjährigen Tochter, oder ihr Komplize. Die Drahtzieherun wurde wegen Mordes zu 31 Jahren Haft verurteilt.

Weibliches «DZ Mafia»-Mitglied soll Doppelmord begangen haben

Eine 26-jährige Frau, die 2023 in Frankreich festgenommen wurde, steht im Verdacht, logistisch eng in einen Doppelmord in Spanien und einen versuchten Mord verwickelt gewesen zu sein. Sie gehört zur DZ Mafia in Marseille. Die Abkürzung DZ verweist auf die algerische Herkunft der Gründer der Gruppe. Seither befindet sie sich in Haft.

Schweiz und Italien bilden eine Ausnahme

Wer an organisierte Kriminalität denkt, richtet den Blick oft nach Italien. Doch in jüngster Zeit ist aus diesem Land kein Fall bekannt, in dem eine Frau selbst einen Mordanschlag ausgeführt hätte. Frauen nehmen in mehreren Mafiaorganisationen allerdings schon seit langem wichtige Positionen ein. Eine historische Figur ist etwa Pupetta Maresca, ein Mitglied der neapolitanischen Camorra, die 1955 eigenhändig den Auftraggeber des Mordes an ihrem Ehemann tötete.

In der Schweiz gibt es keine vergleichbaren Fälle wie die oben beschriebenen. Allerdings mussten sich vereinzelt Frauen mit Verbindungen zur kalabrischen Mafiaorganisation Ndrangheta vor Gericht verantworten, wobei es um weniger schwere Straftaten ging.

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