Darum gehts
- Ein 25-jähriger Mann namens Daniel lebt seit Wochen im Flughafen Neapel, ohne Papiere und Geld
- Angestellte versorgen ihn mit Essen und Kleidung, der schwedische Konsul klärt seine Identität
- Wegen Bauarbeiten schliesst der Flughafen im November, Polizei und Diplomatie suchen eine Unterkunft
Passagiere eilen zum Gate, steigen ein und fliegen ab. Für einen jungen Mann wurde der Flughafen Neapel-Capodichino über Wochen zum Zuhause. Er nennt sich Daniel, ist 25 Jahre alt und stammt nach eigenen Angaben aus Schweden. Mehr weiss er angeblich nicht. Er besitzt weder Papiere noch Geld und leidet unter schwerem Gedächtnisverlust. Wie er überhaupt in Süditalien landete, bleibt rätselhaft.
Es klingt wie der Tom-Hanks-Film «Terminal»: Mitarbeiter des Flughafens bemerkten Daniel erstmals im Oktober. Einige wollen ihn schon im Sommer gesehen haben. Gegenüber der italienischen Zeitung «Il Mattino» beschrieben sie ihn als höflichen Menschen, der niemanden störe. Er schlief auf zusammengeschobenen Sitzen und lebte von Essensspenden der Reisenden.
Daniel berichtet von einem Überfall in Rom
Seine Schilderungen werfen zusätzliche Fragen auf. Dem schwedischen Honorarkonsul in Neapel, Pierluigi Petrone, sowie Reisenden erzählte Daniel dieselbe Geschichte: In Rom habe ihn eine Gruppe Männer geschlagen und ausgeraubt. Sie nahmen ihm Geld und Ausweispapiere ab. Warum er in Rom war und wie er danach nach Neapel kam, kann er sich nicht mehr erklären.
Ob seine Angaben stimmen, ist bislang ungeklärt. Gerüchte über Verbindungen ins Drogenmilieu bestätigten sich bisher nicht. Honorarkonsul Pierluigi Petrone nahm sich persönlich des 25-Jährigen an. Bei einem Besuch am Flughafen bemerkte er, dass Daniel lediglich ein T-Shirt trug. Deshalb schenkte er ihm eine Sweatshirtjacke gegen die Kälte.
Eine positive Entwicklung
Mittlerweile gibt es eine erste positive Wendung: Wie Stadträtin Chiara Marciani bestätigte, ist Daniel inzwischen in einer städtischen Unterkunft untergebracht. Damit muss er vorerst nicht mehr am Flughafen schlafen. Die Zeit drängte zuletzt: Wegen Sanierungsarbeiten an der Piste schliesst der Flughafen für einen Monat. Nun hat sich auch die schwedische Botschaft in Rom eingeschaltet. Die Behörden prüfen, wer Daniel tatsächlich ist und ob offene Vermisstenmeldungen zu seinen Angaben passen.
Gestrandete am Terminal auch in der Schweiz möglich
Könnte sich ein Mensch wie Daniel auch am Flughafen Zürich über Wochen im Terminal aufhalten? Wir haben beim Flughafen nachgefragt. Dort heisst es: «Grundsätzlich kann ein solcher Fall auch am Flughafen Zürich nicht ausgeschlossen werden.»
Würde eine Person ohne Ausweispapiere aufgegriffen, würden verschiedene Stellen zusammenarbeiten. «Bei Bedarf wird die Kantonspolizei Zürich beigezogen», erklärt der Flughafen. Sie sei für die Abklärung der Identität zuständig. Bei medizinischen Notfällen werde Schutz & Rettung Zürich aufgeboten. Einen vergleichbaren Fall habe es am Flughafen Zürich bislang nicht gegeben.